SZ-Kolumne "Bester Dinge":Wenn Sachen lachen

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(Foto: Dmitry Feoktistov/imago)

Japanische Forscher haben einen Roboter trainiert, im richtigen Moment zu lachen - und das auch noch im richtigen Maß. Gar nicht so leicht, wie man bei Kylian Mbappé sehen konnte.

Von Moritz Geier

Zu den vielen Fähigkeiten des Menschen zählt sein Gespür dafür, im richtigen Moment zu lachen und dabei auch noch das richtige Maß zu finden. Also sagen wir zu glucksen, wenn ein Glucksen angebracht ist, zu gackern, wenn ein Gackern angebracht ist, und andernfalls nur höflich zu schmunzeln oder zu schweigen, wenn ein Schnauben, Prusten oder Wiehern für Irritationen sorgen könnte.

Robotern dagegen mangelt es an dieser Fähigkeit. Als ein Journalist kürzlich den Fußballer Kylian Mbappé (weniger Mensch, mehr Maschine) in einer Pressekonferenz fragte, ob die Mannschaft von Paris Saint-Germain zum Auswärtsspiel in Nantes nicht mit dem TGV hätte reisen können statt zu fliegen, da konnte man die komplexe Datenverarbeitung seinem Gesicht regelrecht ablesen: Seine Augen weiteten sich, er rutschte auf seinem Stuhl herum und guckte rüber zum Trainer. Dann prustete er los. Fehlendes Einfühlungsvermögen? Einer Maschine kann man das natürlich nur schwer vorwerfen.

Aber vielleicht interessiert sich ja sogar noch die Wissenschaft für den Fall Mbappé. Forscher der Kyoto University haben nämlich gerade, das ist im Fachjournal Frontiers in Robotics and AI nachzulesen, ein Lachsystem entwickelt, das Gespräche zwischen Mensch und Maschine natürlicher machen soll, einfühlsamer. Ihren menschenähnlichen Roboter namens "Erica" fütterten sie mit Dialogen aus einem Speed-Dating-Event, um ihm eine Grundlage zu geben für die Entscheidung, wann gelacht werden soll und wann nicht. So was wie Mbappé würde Erica also ganz sicher nicht passieren. Aber ein bisschen zum Schmunzeln findet sie das Theater vermutlich schon.

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