Fall Ofarim:Hotel will keine Maßnahmen gegen Mitarbeiter ergreifen

Musiker Ofarim

Das Beleidigungsstrafrecht gibt dem Äußernden das Risiko. In diesem Fall: Gil Ofarim.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Nachdem der Sänger Gil Ofarim dem Mitarbeiter eines Leipziger Hotels Antisemitismus vorgeworfen hatte, hat das Hotel den Vorfall intern untersucht - und sieht seinen Angestellten entlastet.

Nach Antisemitismus-Vorwürfen des Sängers Gil Ofarim hat das betroffene Leipziger Hotel seine internen Untersuchungen abgeschlossen und will keine Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter ergreifen. Spezialisierte Rechtsanwälte hätten das Geschehen in der Lobby rekonstruiert, teilte die Betreiberin des "The Westin Leipzig", die Hotelgesellschaft Gerberstraße Betriebs GmbH, am Mittwoch mit. Ein 118 Seiten langes Gutachten komme "unter Berücksichtigung aller verfügbaren Beweismittel" zum Ergebnis, dass keine "objektivierbaren" Anhaltspunkte vorlägen, die straf- oder arbeitsrechtliche Schritte gegen den Mitarbeiter rechtfertigten. "Wir haben daher entschieden, dass entsprechende Maßnahmen gegen den Mitarbeiter nicht eingeleitet werden", heißt es in einer Erklärung.

Da der Mitarbeiter nach wie vor massiven Anfeindungen ausgesetzt sei, werde er "aus Fürsorgegesichtspunkten" zunächst seinen Aufgaben noch nicht wieder vollumfänglich nachkommen.

Sänger bekräftigt Vorwürfe

Der Sänger hatte Anfang Oktober in einem Video geschildert, dass ihn ein Mitarbeiter von "The Westin Leipzig" aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. "Packen Sie den Stern ein", habe er wiederholt, nachdem jemand aus dem Hintergrund diesen Satz gerufen habe. Ofarim, der der Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim (1937 - 2018) ist, erstattete Anzeige.

Den Angaben nach machte die Kanzlei Gäste ausfindig, die sich zum Zeitpunkt des Vorfalls am Hotelempfang befanden. Sie führte Interviews mit den Gästen, dem beschuldigten Mitarbeiter, weiteren Angestellten und Zeugen. Zudem habe die Staatsanwaltschaft Akteneinsicht zu Vernehmungen von Zeugen gewährt, die nur mit den Ermittlungsbehörden sprechen wollten. Ein spezialisierter Sachverständiger habe ein Gutachten zu Videoaufnahmen erstellt und diese auf etwaige Manipulationen untersucht.

Weiter will sich das Hotel nicht zu den Vorwürfen äußern. Man habe gegenüber sämtlichen Mitarbeitern die arbeitsrechtliche Weisung erlassen, keine weiteren Erklärungen gegenüber Medien abzugeben.

Gil Ofarim hat indes seine Aussagen zu dem Vorfall bekräftigt. Er habe seine Davidstern-Kette an dem Tag im Hotel getragen und habe das auch genau so bei der Polizei ausgesagt, sagte er im Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Die veröffentlichten Videobilder, die ihn ohne Kette zeigen, seien unvollständig. Er habe sich weder pöbelnd verhalten noch die Kette nachträglich angezogen.

"Mir war auch von vornherein klar, dass ich irgendwann wohl als Lügner hingestellt werden würde", sagte Ofarim. Er könne nicht mehr tun, als zu erzählen, was ihm passiert sei. Als Jude in Deutschland könne er "nicht einfach die Klappe halten". Er habe Vertrauen in die Justiz.

Zur SZ-Startseite
Elke Heidenreich und Sarah Lee-Heinrich

SZ PlusMeinungRassismus
:Die Irrwege der Elke Heidenreich

Sie hat sich einen Namen als geachtete Literaturkritikerin gemacht. Nun hat Elke Heidenreich in der Debatte um die Grüne-Jugend-Sprecherin Sarah-Lee Heinrich Stellung bezogen - und sich dabei hoffnungslos in eigenen Vorurteilen verlaufen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB