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Diplomatisches Gerangel um Wikileaks-Gründer:Schweden will Assange im eigenen Land befragen

Stockholm hat den Kompromissvorschlag abgeschmettert, Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London zu Vergewaltigungsvorwürfen zu befragen. Das südamerikanische Land bekräftigt nun, das Leben des Wikileaks-Mitbegründers schützen und sein Recht auf Freiheit sichern zu wollen. Auch die Mutter des Australiers setzt sich mit einem emotionalen Appell für ihren Sohn ein.

Christine Assanges Gesicht, das dem ihres bekannten Sohnes so ähnlich sieht, ist von Sorge und Ungewissheit gezeichnet. "Sein Leben ist in Gefahr", sagte die Mutter des Wikileaks-Mitbegründers am Mittwoch nach einem Treffen mit Ecuadors Präsident Rafael Correa auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Quito. Auch wenn mancher Beobachter an dieser These zweifelt, sie für eine vorgeschobene Begründung von Julian Assange hält, seine Auslieferung nach Schweden so vehement abzulehnen: Die Mutter des Internetaktivisten scheint ehrlich besorgt um sein Wohl.

Ein Kinderfoto als Beweis der Unschuld? Christine Assange kämpft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln um das öffentliche Ansehen und Wohl ihres Sohnes Julian.

(Foto: AP)

Seit etwa sechs Woche hält sich der 41-Jährige in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Dorthin war er geflüchtet, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen, wo er sich Vergewaltigungsvorwürfen stellen soll. Der Internetaktivist befürchtet nach eigener Aussage jedoch, von Skandinavien weiter an die USA ausgeliefert zu werden. In Amerika wiederum sei er wegen der Wikileaks-Enthüllungen seines Lebens nicht sicher, so Assange.

Umso härter dürfte es ihn - und seine Mutter - treffen, dass die schwedischen Behörden jetzt den Vorschlag abgewiesen haben, Assange in London zu befragen. Das Angebot einer persönlichen Vernehmung oder eines Gesprächs per Videoschaltung sei abgelehnt worden, hieß es in einer Mitteilung des ecuadorianischen Außenministeriums in Quito. Die kompromisslose Linie Schwedens könnte nun auch die Entscheidung Ecuadors über Assanges Asylantrag beeinflussen.

Die Regierung in Quito zeigte sich enttäuscht über die Reaktion Stockholms. "Dies macht es für uns schwieriger, eine Entscheidung zu treffen, die zur Folge hätte, dass Herr Assange nach Schweden reisen müsste", sagte Außenminister Ricardo Patino. Sein Land werde mit seiner Entscheidung versuchen, Assanges Leben zu schützen und sein Recht auf Freiheit zu sichern, so der Minister. Ecuador hat angekündigt, am 12. August über den Asylantrag des Australiers zu entscheiden. Dann enden die Olympischen Sommerspiele in London.

Das von Assange mitbegründete Internetportal Wikileaks hatte 2010 weltweit für Furore gesorgt, als es Tausende geheime US-Dokumente unter anderem über die Kriege im Irak und Afghanistan veröffentlichte. Die amerikanische Regierung sieht in dem Internetaktivisten seitdem einen Landesverräter.

Der Wikileaks-Kopf hatte zuletzt den ebenso bekannten wie umstrittenen Juristen Baltasar Garzón mit der Leitung seines Verteidigerteams betraut. Der frühere spanische Ermittlungsrichter war unter anderem für die Festnahme des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet Ende der neunziger Jahre verantwortlich.