SZ-Kolumne "Bester Dinge":Bier formte diesen Tisch

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(Foto: Jennifer Niederhauser-Schlup)

Eine Schweizer Designerin hat Möbel aus Abfallprodukten von Brauereien entworfen. Recycling kann so berauschend sein!

Von Titus Arnu

Alkohol ist nicht immer eine Lösung. Manchmal aber schon: Um einen Fettfleck von Eichenholz zu entfernen, einfach 200 Milliliter Bier mit einem Teelöffel Distelöl mischen und das Möbelstück mit einem weichen Lappen polieren. Merke: Bier ist nicht nur ein effektives Rauschmittel, sondern auch ein praktischer Haushaltshelfer, wie man in Foren unter dem Stichwort "geniale Gerstensaft-Lifehacks" nachlesen kann. Angeblich entfernt das Wundermittel auch Rostflecken, man kann es außerdem als Haarspülung oder Schneckenfalle einsetzen.

Mit Bier auf Möbeln kommt man also klar, zumindest im nüchternen Zustand, aber mit Möbeln aus Bier? Wie soll das denn gehen? Ein Biertisch ist ja normalerweise ein Tisch, an dem man sitzen und saufen kann, kein Tisch aus Bier. Aber die Schweizer Designerin Noemi Niederhauser hat jetzt auf der Mailänder Möbelmesse Tische und Hocker vorgestellt, die aus Brauerei-Abfällen hergestellt sind. "Wastematter" nennt sie das sperrholzartige Material, das aus Treber gewonnen wird, dem Malzrückstand, der nach dem ersten Brauen des Bieres übrig bleibt.

Das organische Material ist reich an Eiweiß und lässt sich mithilfe von Bindemitteln zu einer Art ökologischer Spanplatte pressen. Niederhausers Möbel erinnern an überdimensionale Bierdeckel, die von leicht angeheiterten Kreativen experimentell zusammengesteckt wurden. Man könnte den Stil als süffig bezeichnen und sich in einen Ästhetik-Rausch hineinsteigern, besonders wenn man beim Betrachten zwei, drei Flaschen Bier konsumiert. Man kann sich alles schöntrinken, auch einen Tisch. Und je mehr Bier man schluckt, desto mehr Rohstoff für die Möbel produziert man. Schöner kann Recycling kaum sein. Prost!

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