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Zwischenstand:"Die Frage ist: Wo sind sie geblieben?"

Doch die sind nun weitgehend verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass die massive Präsenz der Beamten in und um den Bahnhof schnell Wirkung gezeigt hat. Und das Alkoholverbot "verfolgen wir rigoros", sagt Polizeisprecher Werner Kraus. In den vergangenen sechs Wochen habe man mehr als 120 Anzeigen erstattet und ans Kreisverwaltungsreferat weitergeleitet. Die Strafen sind saftig. Beim ersten Mal werden 75 Euro fällig, danach steigt das Bußgeld weiter: auf 100, 150, 200 und 250 Euro, ab der sechsten Anzeige sogar auf 1000 Euro.

"Wenn wirklich einer dreimal angezeigt wird, überlegt er sich wohl, ob er wiederkommt", sagt Kraus. Er begleitete vor einigen Wochen eine Abendstreife am Hauptbahnhof, um sich ein Bild von der neuen Situation dort zu machen. Es sei "gespenstisch leer" gewesen, berichtet Kraus. Dennoch hält die Polizei es für verfrüht, eine Bilanz des Alkoholverbots am Bahnhof zu ziehen. Schließlich sei es insbesondere nachts noch so kühl, dass die niedrigen Temperaturen abschreckend auf die Szene wirken könnten.

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Tatsächlich haben sich in den vergangenen milderen Tagen wieder mehr Menschen vor allem am Schwammerl eingefunden. Allerdings stehen sie nun nicht mehr in Pulks unter dem Vordach, sondern einzeln entlang der Ladenzeile, die wegen der Baustelle vor dem Bahnhof nur noch wenig Platz lässt. Dem Vernehmen nach wurden die Bauzäune sehr großräumig aufgestellt, um den Aufenthalt am Haupteingang unattraktiv zu machen.

"Die Frage ist: Wo sind sie geblieben?", fragt sich ein Sprecher der Deutschen Bahn. Darauf wissen auch die Streetworker und die Polizei noch keine Antwort. Die Befürchtung, dass die Szene nachts auf den Alten Botanischen Garten ausweicht, ist zumindest bislang noch nicht eingetreten. Bei einem Besuch um kurz vor Mitternacht ist in der Grünanlage kein Mensch zu sehen.

Möglicherweise liegt das auch daran, dass das Baureferat kürzlich das Unterholz im Park behutsam ausgedünnt hat. Die Grünanlage ist nun auch von der Elisenstraße aus einsehbar, verborgene Winkel gibt es nicht mehr. Demnächst sollen auch die Parkbänke umgerüstet und mit zusätzlichen Lehnen versehen werden, damit auf ihnen nicht mehr übernachtet werden kann. Das hatte die SPD im Dezember in einem Antrag gefordert.

Fritz Wickenhäuser, der als Vorsitzender des Vereins "Südliches Bahnhofsviertel" die Situation um den Bahnhof genau beobachtet, kann sich auch nicht erklären, wo die vielen Menschen plötzlich geblieben sind. Er warnt jedoch davor, dass beim Umbau des Bahnhofs an den Baustellen "dunkle Ecken entstehen" könnten, an denen sich die Drogenszene etabliert. Derzeit ist sie aber dort fast verschwunden - zumindest aus dem Blickfeld.

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