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Zwischenstand:Alkoholverbot am Hauptbahnhof: Wohin ist die Trinker-Szene verschwunden?

Um die an der Bayerstraße und am Haupteingang herumstehende Szene aus Trinkern und Dealern in den Griff zu bekommen, haben Stadt und Bahn verboten, dort Alkohol zu trinken.

(Foto: Robert Haas)
  • Seit sechs Wochen gilt am Hauptbahnhof München nach 22 Uhr ein Alkoholverbot.
  • Wer dort öffentlich trinkt, muss mit zum Teil saftigen Bußgeldern rechnen.
  • Die Trinker-Szene, die sich dort regelmäßig traf, ist seitdem größtenteils verschwunden.

Der Polizist ist freundlich, aber bestimmt. "Sie haben einen Platzverweis und wir warten, bis Sie weg sind", sagt er zu den zwei jungen Männern, die neben dem Eingang zum Burger King am Hauptbahnhof stehen und rauchen. Kurz zuvor hatten die fünf Polizisten die beiden kontrolliert, den orange-schwarzen Tagesrucksack des jungen Mannes mit der schwarzen Lederjacke überprüft. Betrunken wirken die zwei nicht, die den Belehrungen der Beamten aufmerksam, aber ohne Regung zuhören.

Doch seit sechs Wochen genügt es schon, nach 22 Uhr mit Alkohol am Bahnhof erwischt zu werden, um Ärger zu bekommen. Die Stadt hat im Januar eine entsprechende Verordnung erlassen, um die dort herumstehende Szene aus Trinkern und Dealern in den Griff zu bekommen. Und der Bier-Bann wirkt offenbar.

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Kurz vor 23 Uhr im Hauptbahnhof. Viele Läden haben um diese Zeit bereits geschlossen, im Burger King am Ausgang zur Bayerstraße sitzen einige junge Leute vor ihren Burgern oder Cola-Bechern, die Szene wirkt friedlich. Nebenan in der verglasten Gastronomiezeile stehen fünf Männer an zwei Tischen und trinken Augustiner aus der Flasche. Bei Yormas kauft ein Reisender mit Rollkoffer zwei Flaschen Chiemseer Bier, direkt hinter ihm stehen Polizisten an, die sich Kaffee holen. Sie lassen den jungen Mann ziehen, der gleich darauf in den Alex nach Regensburg steigt. Beides ist auch weiterhin erlaubt: Nachts Bier als Reiseproviant einzukaufen und im Gastronomiebereich Alkohol zu sich zu nehmen.

Nur die vielen Trinker, die in den vergangenen Jahren vor allem unter dem Vordach des Hauptbahnhofs und am Südeingang standen und sich über Stunden hinweg betranken, wollten Stadt und Bahn nicht mehr länger dulden. Die Deutsche Bahn erweiterte ihre Hausordnung und erließ ein generelles Alkoholverbot im Bahnhofsgebäude sowie vor den Eingängen, außerhalb "kann das Mitführen und der Verzehr von Alkohol als Ordnungswidrigkeit geahndet werden", steht nun auf einem Schild an der Bayerstraße.

Selbst die Bahn ist überrascht

Über dem Zentraleingang am Bahnhofsplatz hängt eine große Tafel: "Bitte Durchgangsbereich freihalten - Please keep this area clear". Doch in der Nacht ist dort so gut wie niemand mehr, der die Schwingtüren blockieren könnte. Nur in einer dunklen Ecke am Eingang steht ein Mann mit kurzen Rastazöpfen, hält eine Dose Bier in der Hand und raucht.

Bei der Bahn ist man selbst überrascht über die neue Leere am Hauptbahnhof. Als die Sache mit dem Alkoholverbot Anfang des Jahres bekannt wurde, "war unsere Klientel plötzlich weg", sagt ein Bahnsprecher. Die "Klientel", wie er die Gruppen von Herumstehenden nennt, ist eine ziemlich heterogene Szene: "zum Teil junge Flüchtlinge, aber auch Rumänen und Bulgaren und die Stammsteher", sagt Franz Herzog, Chef der Streetworker bei der "Teestube komm".

Seine Sozialarbeiter, die vor allem tagsüber regelmäßig den Hauptbahnhof aufsuchen, hätten ihm auch berichtet, "dass es deutlich ruhiger geworden ist". In den vergangenen Jahren war die Zahl der Leute, die vor allem im Bereich des Schwammerls, also unter dem Vordach des Bahnhofs, herumstanden und über Stunden Alkohol konsumierten, massiv angestiegen. "Zuletzt konnten dort in den Nachmittagsstunden teils über 100 Personen angetroffen werden", heißt es in einer Einschätzung des Polizeipräsidiums.