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Politik:Geretsrieder Grüne vor Spaltung

Kommunalwahl 2020

Nach dem Machtkampf in Geretsried ist Martina Raschke bei den Grünen ausgetreten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Martina Raschke tritt nach Abwahl als Fraktionschefin aus Partei aus

Von Florian Zick, Geretsried

Die Grünen-Fraktion im Geretsrieder Stadtrat steht kurz vor dem Zerbrechen. Schon vergangene Woche teilte die Fraktion mit ein paar dürren Sätzen mit, dass es einen Wechsel an der Fraktionsspitze gegeben hat. Der gerade mal 23 Jahre alte Peter Curtius übernimmt den Chefposten von Martina Raschke. Der ehemaligen Bürgermeisterkandidatin hatte ihre Fraktion schon im Mai bei der Referentenwahl die Gefolgschaft versagt - nun ist sie auch noch den Vorsitz los. Raschke zog am Wochenende deshalb die Konsequenzen aus dieser erneuten Degradierung und trat bei den Grünen aus. Der Fraktion indes will sie vorerst weiter angehören - als parteifreies Mitglied.

Hintergrund für die drohende Spaltung ist ein tiefes Zerwürfnis in der Fraktion. Die nach der Kommunalwahl auf fünf Mitglieder angewachsene Fraktion ist sich absolut uneinig über die strategische Ausrichtung. Während sich Raschke und ihr bisheriger Stellvertreter Detlev Ringer in der Rathauspolitik für ein eigenständiges grünes Profil einsetzen, wollen Curtius, dessen neue Stellvertreterin Beate Paulerberg und Stadtrat Volker Witte künftig enger mit den anderen Fraktionen zusammenarbeiten. Der Stadtrat sei ein Kollegialorgan, sagt Curtius dazu. "Wir wollen weg von diesem Schubladen-Parteidenken", so der 23-Jährige. Deshalb wolle man künftig mehr auf die Stadt schauen und weniger auf das eigene Parteibuch.

Die Grünen haben deshalb kürzlich in einer Fraktionssitzung den Umsturz vollzogen. In einer Kampfabstimmung wurde Raschke mit drei zu zwei Stimmen abgewählt. "Das hat mich schon schwer getroffen, so abgewatscht zu werden", sagt Raschke. Zumal die Grünen-Fraktion unter ihrer Führung "keine fundamentalistische Opposition gemacht hat, wo ständig rumkrakeelt wird", so die 59-Jährige. Sie glaube aber nicht, dass man grüne Politik durchdrücken könne, indem man sich mit den Regierungsfraktionen verbrüdere. "So einen Kuschelkurs wollten wir nicht mitgehen", sagt Raschke.

Der Neue an der Spitze der Grünen im Geretsrieder Rathaus: Peter Curtius,

(Foto: Hartmut Pöstges)

Es ist also absehbar, dass die Fraktion demnächst in zwei Teile zerfällt. Raschke und Ringer betonen zwar, sich erst einmal anschauen zu wollen, wie der Neustart so läuft. Und auch der neue Fraktionschef Curtius zeigt sich seiner schwierigen Aufgabe durchaus bewusst. "Es liegt jetzt an mir, dafür zu sorgen, dass wir konstruktiv zusammenarbeiten können", sagt er. Aber der fraktionsinterne Graben scheint vorläufig erst einmal unüberbrückbar tief zu sein.

Auch beim Kreisverband der Grünen hat man sich die Vorgänge in Geretsried angeschaut. Man habe versucht, sich dort vermittelnd einzuschalten, sagt der Vorsitzende Andreas Wild. "Mein Wunsch und mein dringender Rat wären es jetzt, dass sich die Fraktion dort zusammenrauft", sagt er. Zeit dafür haben die fünf Mitglieder nun bis zum 25. Februar. Dann steht in Geretsried die nächste Fraktionssitzung der Grünen an.

© SZ vom 02.02.2021
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