Pilotversuch an bayerisch-tirolerischer Grenze:Einmal Stau und zurück

Pilotversuch an bayerisch-tirolerischer Grenze: Am ersten Tag des Pilotversuchs standen die Autofahrer auf der Bundesstraße 307 - hier an der Einmündung in die Bundesstraße 181 bei der Grenze zum Nachbarbundesland Tirol - kilometerweit bis nach Bayern im Stau.

Am ersten Tag des Pilotversuchs standen die Autofahrer auf der Bundesstraße 307 - hier an der Einmündung in die Bundesstraße 181 bei der Grenze zum Nachbarbundesland Tirol - kilometerweit bis nach Bayern im Stau.

(Foto: Manfred Neubauer)

Eine Dosierampel soll die Verkehrsbelastung am Achensee reduzieren. Der zweite Versuch läuft weitgehend problemfrei, nachdem es zum Auftakt der Faschingsferien bis zum Damm am Sylvensteinspeicher nur stockend vorangegangen war.

Von Benjamin Engel, Lenggries/Achenkirch

Wer sich auf dem Weg zum Winterurlaub in die Skigebiete rund um das Zillertal Kilometer und Geld sparen will, wählt oft die direkteste Route von Bayern über den Achensee bis ins Inntal. An Hauptreisetagen sind die Anwohner daher staugeplagt. Ein Pilotversuch, die Straße mithilfe einer Dosierampel bei Achenkirch vom Verkehr zu entlasten, hat am Faschingssamstag auf österreichischer Seite zwar funktioniert. Dafür stauten sich die Autos im nördlich angrenzenden Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und damit auf bayerischer Seite kilometerweit bis hinter den Damm am Sylvensteinspeicher zurück. Das lief beim zweiten Termin des Pilotprojekts am Samstag zum Ende der Faschingsferienwoche deutlich besser.

Ende März wird der Pilotversuch fortgesetzt

Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) sagte am Montag: "Es wird wahrscheinlich immer ein paar Tage geben, wo sich nicht alles hundertprozentig zur Zufriedenheit aller regeln lässt." Wenn es allerdings so laufe wie am zweiten Tag des Pilotprojekts, sei das in Ordnung. Außerdem heißt es aus der Kreisbehörde, dass die gewonnenen Daten nun bis zu den Osterferien ausgewertet würden. Dann stehen am 23. und 30. März Tag drei und vier des Pilotprojekts an.

Dafür arbeiten die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach auf bayerischer Seite sowie die Bezirkshauptmannschaft Schwaz im österreichischen Nachbar-Bundesland Tirol zusammen. Die drei bilden zusammen die Euregio SBM.

Funktioniert das Pilotprojekt mit der Dosierampel bei Achenkirch wie erhofft, sollen die meisten Urlaubsfahrer künftig die Strecke auf der Autobahn Richtung Salzburg und anschließend durch das Inntal über Kufstein nehmen. Dazu rufen Landrat Niedermaier, sein Miesbacher Amtskollege Olaf von Löwis (CSU) und der Schwazer Bezirkshauptmann Michael Brandl (ÖVP) auf. Sie argumentieren laut einer Pressemitteilung, dass für Autofahrer von Deutschland nach Tirol die Route über die Inntal-Autobahn A 12 die schnellere, weil meist staufrei sei. Dagegen führe der massive Durchgangsverkehr entlang der Bundesstraße 181 - der Achenseestraße - häufiger zu Staus und belaste die Bevölkerung.

Bis zu 16 500 Fahrzeuge

Schilder mit dem Appell, möglichst auf der Autobahn zu bleiben, stehen an der Ausfahrt von der Salzburger Autobahn A 8 bei Holzkirchen. Wer das befolgt, muss allerdings zahlen, um im Inntal auf österreichischer Seite weiter voranzukommen. Die günstigste, für einen Tag gültige Vignette kostet 8,60 Euro. Das und die landschaftlich reizvollere Strecke könnten begründen, warum viele von Holzkirchen direkt über Tölz oder den Tegernsee und weiter am Achensee entlangfahren. Auf der Achenseestraße sind an verkehrsreichen Wochenenden täglich bis zu 16 500 Fahrzeuge unterwegs.

Um die dadurch entstehende Belastung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, haben die drei Projektpartner den Pilotversuch mit der Dosierampel begonnen. Die Anlage war an den ersten beiden Samstagen in den Faschingsferien auf Achenkirchner Flur, etwa sieben Kilometer vor der bayerisch-tirolerischen Grenze installiert. Darüber wurde der Verkehr in Fahrtrichtung Süden gestaffelt angehalten. Das verursachte zum ersten Termin des Pilotprojekts unerwarteterweise kilometerlange Staus auf der Bundesstraße 307 bis über den Sylvensteindamm hinaus.

"Das hat uns überrascht", so Marlis Peischer, Sprecherin des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen. Nach ersten Erkenntnissen hätten die Navigationsgeräte die Autofahrer von Holzkirchen über die Bundesstraße 13 nach Tölz und weiter bis zur Landesgrenze gelotst. Das könne an der Ampelanlage an der Tölzer Flinthöhe liegen, die auf besseren Verkehrsfluss für Berufstätige optimiert sei. Dagegen soll es an der in Kilometern etwas kürzeren Strecke über den Tegernsee Richtung Achensee zu weniger Behinderungen gekommen sein.

Dass es sich am zweiten Termin des Pilotprojekts Richtung Norden weniger staute, kann laut Peischer daran gelegen haben, dass vor allem Rückreisende aus Österreich am Ende der Faschingsferien unterwegs waren. Laut Peischer wird die Bezirkshauptmannschaft aus Schwaz bis zu den Osterferien die Daten der ersten beiden Versuchstage auswerten. Daran soll der Standort der Dosierampel auf der Achenseestraße angepasst werden. Unverändert wird die Anlage am 23. und 30. März wieder zwischen 8 und 19 Uhr in Betrieb sein.

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