Migrations- und Asylpolitik:Notunterkunft im Nonnenwald

Migrations- und Asylpolitik: Bernhard Pössinger vom Landratsamt Weilheim-Schongau bei der Besichtigung eines alternativen Standorts für die Notunterkunft.

Bernhard Pössinger vom Landratsamt Weilheim-Schongau bei der Besichtigung eines alternativen Standorts für die Notunterkunft.

(Foto: Manfred Neubauer)

Im Penzberger Gewerbegebiet entsteht eine Thermohalle für Geflüchtete. Die ersten Menschen werden voraussichtlich Mitte November einziehen.

Von Celine Chorus, Penzberg

Groß war die Aufregung unter besorgten Eltern, als die Pläne öffentlich wurden, Geflüchtete in den alten Turnhallen der Penzberger Bürgermeister-Prandl-Schule unterzubringen. Bei einer Informationsveranstaltung vor zwei Wochen machte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) allerdings deutlich, dass die Stadt bemüht ist, einen alternativen Standort für die Notunterkunft zu finden: "Das ist nun gelungen." Das Landratsamt Weilheim-Schongau wird eine sogenannte Thermohalle, also eine gedämmte Halle, im Gewerbegebiet Nonnenwald aufstellen. Die beiden Turnhallen an der Schule müssen damit erstmal nicht belegt werden.

Korpan zeigte sich erleichtert, dass sich die Kreisbehörde mit einem der vorgeschlagenen Standorte anfreunden konnte. Die Fläche ist ein unbebautes Grundstück am Ende der Robert-Koch-Straße, das momentan von der RVO als Busparkplatz genutzt wird. Dort sollen auf 3500 Quadratmetern eine Küche- und eine Aufenthaltshalle sowie zwei Container für die Sanitäranlagen und den Sicherheitsdienst entstehen. In der Nähe befindet sich auch eine Bushaltestelle, sodass die in der Notunterkunft untergebrachten Menschen mobil sind. Derzeit werde abgeklärt, ob die Haltestelle "Roche West" auch am Wochenende angefahren werden kann.

Migrations- und Asylpolitik: Die Notunterkunft entsteht auf einem unbebauten Grundstück im Gewerbegebiet.

Die Notunterkunft entsteht auf einem unbebauten Grundstück im Gewerbegebiet.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die ersten Geflüchteten werden voraussichtlich Mitte November in die Notunterkunft einziehen. In der 15 mal 40 Meter großen Thermohalle ist Platz für bis zu 80 Personen. Um den Geflüchteten ein wenig Privatsphäre zu bieten, sollen zwischen den Einheiten Trennwände aufgestellt werden. Das Landratsamt habe sich bewusst für eine Mischbelegung mit Familien und Einzelpersonen entschieden, weil es damit gute Erfahrungen gebe. "Wir wollen es den Menschen so angenehm wie möglich gestalten", erklärte Bernhard Pössinger von der Kontaktstelle Asyl und Integration bei einer Besichtigung des Grundstücks. Ein Sicherheitsdienst werde rund um die Uhr auf dem Gelände sein.

Die Kosten für die Thermohalle trägt der Freistaat Bayern

Seit Januar sind im Landkreis Weilheim-Schongau neun Busse mit Asylbewerbern angekommen (450 Personen). Hinzu kamen sieben Busse mit Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine (350 Personen) sowie wöchentliche Zuzüge. Damit sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht, betonte Pössinger: "Wenn man die Welt verfolgt, braucht keiner glauben, dass sich das Problem in einem halben Jahr erledigt hat." Bis zum Jahresende rechnet die Kreisbehörde mit weiteren sechs Bussen, also 300 Menschen, sowie einer unbekannten Anzahl von Ukrainern.

Migrations- und Asylpolitik: In der 15 mal 40 Meter großen Thermohalle ist Platz für bis zu 80 Personen.

In der 15 mal 40 Meter großen Thermohalle ist Platz für bis zu 80 Personen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Warum die Entscheidung auf das abgelegene Gewerbegebiet gefallen ist, erklärte Pössinger auch damit, dass andere Flächen nicht rechtzeitig fertig geworden wären: "Wir stehen vor dem Dilemma, dass die Gemeinden nichts haben und wir die Geflüchteten trotzdem unterbringen müssen." Die Regierung von Oberbayern verteilt die Geflüchteten auf die Landkreise und die wiederum auf die Städte und Gemeinden - wenn nötig auch als Zwangszuweisung. Priorität habe also erstmal, über den Winter zu kommen und den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. Die umliegenden Firmen sind laut Korpan schon kontaktiert worden und haben keine Bedenken.

Wie das Landratsamt betont, ist die Notunterkunft nicht für eine Dauerbelegung gedacht. Geflüchtete sollen dort nur so lange bleiben, bis geeignete Unterkünfte vorhanden sind. Danach wird die Halle wieder aufgefüllt. Das Grundstück im Nonnenwald soll voraussichtlich für ein Jahr, mit der Option auf eine Verlängerung gepachtet werden. Der Vertrag ist aber noch nicht unterschrieben. Die Kosten trägt der Freistaat Bayern, der dem Landkreis Weilheim-Schongau neben Penzberg noch vier weitere Leichtbau- und Thermohallen überlässt.

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