Lebhafte Debatte Schwellen und Stolperfallen

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (3.v.li.) erklärt, was die Stadt für mehr Barrierefreiheit getan hat und noch plant.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bürgervereinigung diskutiert über Barrierefreiheit und Fußgängerfreundlichkeit in Wolfratshausen. Manches wurde schon getan, es gibt aber noch Handlungsbedarf.

Von Konstantin Kaip

Wie kommen Fußgänger und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen in Wolfratshausen voran? Diese Frage hat die Bürgervereinigung Wolfratshausen bei ihrer zweiten Veranstaltung der Reihe "BVWOR aktiv" am Donnerstag zur Diskussion gestellt. Im gut besuchten Saal der Gaststätte Flößerei erörterten etwa 30 Teilnehmer mit Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Stadträten Problemstellen, Schwellen und Stolperfallen im Stadtgebiet. Wolfratshausen, so kann man das Ergebnis zusammenfassen, ist bedingt barrierefrei.

Heilinglechner trat diesmal selbst als Referent auf und knüpfte zuerst an die vergangene Diskussionsrunde an, bei der Stadträtin Ulrike Krischke das komplexe Thema Mobilität in den Blick genommen hatte. Die Frage nach Fußgängerfreundlichkeit und Barrierefreiheit gehöre "unbedingt dazu", befand der Bürgermeister - und ermunterte die Gäste, auf Hindernisse mit Handlungsbedarf hinzuweisen: "Oft sind es die kleinen Stellen, die man im Alltag übersieht", erklärte er: "Problemstellen, die wir gar nicht so wahrnehmen."

Mit Blick auf die momentane Situation machte Heilinglechner klar, dass die Schneemengen, die der Wintereinbruch im Stadtgebiet hinterlassen hat, "im Augenblick eine Herausforderung für die Bürger, aber auch für die Stadt" seien. Er lobte den Bauhof, der zügig die Straßen frei gefräst habe, damit Noteinsätze überall möglich seien und warb um Verständnis für die Prioritäten, die dessen Mitarbeiter setzen müssten. Derzeit seien sie immer noch damit beschäftigt, die Gehwege und nach und nach die Parkplätze freizuräumen.

Beschwerden über nicht geräumte Bürgersteige und Stellplätze, davon auch solche für Behinderte, gehe man nach, versprach er.

In seinem Referat umriss der Bürgermeister zunächst, was die Stadt bereits für die Barrierefreiheit umgesetzt hat: Dazu gehören Querungshilfen an der Pfaffenrieder Straße und am Hans-Urmiller-Ring und mehrere abgefräste Bordsteinkanten im gesamten Stadtgebiet. Ampeln habe man im Zuge von Umbauten mit akustischen Signalen und Leitplatten für Sehbehinderte nachgerüstet, neue Haltestellen des Stadtbusses mit den gesetzlich vorgeschriebenen höheren "Busbordsteinen" ausgestattet. Im laufenden Haushalt seien zudem 100 000 Euro für weitere Maßnahmen eingestellt. Dazu gehörten eine Querungshilfe an der Kreuzung Schießstätt-/ Margeritenstraße und Moosbauerweg, die Umrüstung der Ampel zwischen Floßkanal und Sauerlacher Straße, weitere Bordsteinabflachungen und Verbesserungen an Bushaltestellen. Heilinglechner zählte auch auf, was der Behindertenbeauftragte des Landkreises Ralph Seifert bei einer Begehung im vergangenen September in der Wolfratshauser Innenstadt bemängelt hatte: etwa fehlende öffentliche Behinderten-WCs, zu hohe Bordsteine am Fußgängerübergang zum Sebastianisteg, die Rampe ohne Geländer im Rathausinnenhof und die Behindertenparkplätze vor der evangelischen Kirche, die zu weit von der Loisachhalle entfernt seien. Die hingegen fand ein Zuhörer gerade deshalb gut, weil sie außerhalb des beschrankten Parkplatzes liegen. Er habe ein behindertes Kind und nutze sie sehr oft, sagte er. "Sie sind kostenlos, und es ist immer einer frei."

Bei der anschließenden Bestandsaufnahme im Publikum kamen weitere Stolpersteine zutage. Die Querungshilfe beim Zebrastreifen an der Bahnhofstraße habe eine für Rollstuhlfahrer unüberwindbare Schwelle, sagte Stadtrat Markus Höft. Mehrere Menschen mit Behinderung hätten ihn darauf angesprochen. Grünen-Stadtrat Hans Schmidt wies als Gast darauf hin, dass der Fuß- und Radweg ins Gewerbegebiet am Bürgermeister-Finsterwalder-Ring nicht geräumt werden könne und dringend befestigt werden müsse. Dass der Bahnhof zwischen Bushaltestellen und Bahnsteig mit seinem maroden Pflaster voller Gefahren ist, führten mehrere Teilnehmer an. Dafür sei die Bahn zuständig, erklärte der Bürgermeister.

Den Teilnehmern konnte er auch einige Fragen beantworten. Zum Beispiel, dass die Behelfsampel vor dem Supermarkt in der Königsdorfer Straße bleibt, bis die S-Bahn-Verlängerung kommt. Und dass am Untermarkt, wo der Gehsteig vor der Baustelle am einstigen Isar-Kaufhaus gesperrt ist, eine Querungshilfe Richtung Heimatmuseum errichtet wird. Im Laufe des Abends gab es auch viel Kritik an rücksichtslosen Parkern und Radfahrern. Heilinglechner beendete die ausfransende Debatte dann mit einem Appell: "Wir haben nur begrenzten Straßenraum, den wir aufteilen müssen", sagte er. "Deshalb müssen wir als Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen."