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Umstrukturierungen in Wolfratshauser Gesundheitswesen:Klinik-Belegschaft will demonstrieren

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisklinik wehren sich weiter. Beim Tölzer Landratsamt sind zudem zwei Demonstrationen angemeldet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Stadträte in Wolfratshausen und Geretsried wollen dazu eine Resolution verfassen.

Von Florian Zick

Die Belegschaft an der Kreisklinik Wolfratshausen wehrt sich gegen die geplante Umstrukturierung des Krankenhauses. Für die nächsten Tage sind beim Tölzer Landratsamt zwei Demonstrationen angemeldet. Am 14. Mai wollen die Mitarbeiter am Wolfratshauser Marienplatz (Beginn: 13.30 Uhr) ihrem Unmut Luft machen. Drei Tage später ist eine Veranstaltung hinter dem Landratsamt geplant. Dort wird am 17. Mai von 14 Uhr an der Kreisausschuss erstmals öffentlich über die Zukunft der Kreisklinik sprechen. Vom Sitzungssaal aus werden die Ausschussmitglieder dann direkt hinunter auf die Klinik-Demonstranten schauen.

Der Ausschuss wird sich mit dem Vorschlag von Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) beschäftigen, als neuen Betreiber für die Kreisklinik einen strategischen Partner zu suchen. Gegen die Pläne, die Kreisklinik in fremde Hände abzugeben, gibt es allerdings nicht nur in der Belegschaft Widerstand. Auch die Rathauschefs in den beiden Städten im Nordlandkreis lehnen einen solchen Schritt ab. "Ich spreche mich klar gegen eine Privatisierung des Krankenhauses aus", sagt Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Die Struktur des Landkreises erfordere zwei Klinikstandorte, einen im Norden und einen im Süden. Die Stadträte aus Wolfratshausen und Geretsried wollen deshalb mit einer gemeinsamen Resolution auf eine gemeinsame Lösung hinwirken. Man dürfe das Schicksal der Kreisklinik nicht einer ergebnisoffenen Ausschreibung überlassen, sagt Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU). Es brauche weiter eine vollwertige Kreisklinik mitsamt all ihren teils überlebensnotwendigen Leistungen. Müller wendet sich deshalb mit einem dramatischen Appell direkt an den Landrat: "Retten Sie nun diejenigen, die uns seit vielen Jahren retten."

Heilinglechner weist darauf hin, dass vor wenigen Jahren die Unternehmensberater von Oberender & Partner schon einmal die Klinik durchgecheckt und entsprechende Empfehlungen für eine Neuausrichtung abgegeben hätten. Der Gesundheitsmarkt in der Metropolregion München sei durch die vielen Maximalversorger dort zwar zunehmend übersättigt, so Heilinglechner. Die Kreisklinik habe sich in den vergangenen Jahren aber "konstant positiv entwickelt" - auch, weil man dort der Empfehlung der Gesundheitsberater gefolgt sei, eine Weaning-Abteilung und eine Geriatrie einzurichten. Und selbst bei einem angenommenen Defizit von circa 1,8 Millionen Euro im Jahr und circa 60 000 Einwohnern im nördlichen Landkreis belaufe sich die Pro-Kopf-Belastung lediglich auf 30 Euro, rechnet Heilinglechner vor. "Das muss es uns wert sein."

Tatsächlich ist das Defizit aktuell aber nicht einmal so hoch wie in Heilinglechners Rechnung. Klinik-Geschäftsführer Ingo Kühn hat am Donnerstagabend in einer E-Mail an die Belegschaft die Zahlen für das vergangene Jahr offengelegt. Demnach hat das Kreiskrankenhaus im Corona-Jahr 2020 statt der erwarteten knapp zwei Millionen Euro nur 454 000 Euro Miese gemacht.

Dieses Jahr sei zwar der Januar nicht so gelaufen wie erhofft. Zudem müsse man schauen, was die dritte Corona-Welle und die weitere Impfkampagne noch für Auswirkungen habe, so Kühn. "Dennoch ist die Geschäftsführung sehr zuversichtlich, auch in diesem Jahr den Wirtschaftsplan einzuhalten, wenn nicht sogar bessere Zahlen als geplant erreichen zu können", heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter. Er halte es jedenfalls für machbar, so Kühn, Ende des Jahres eine schwarze Null schreiben zu können.

© SZ vom 08.05.2021
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