Solarpark an der Bundesstraße:Münchner Tech-Firma sucht Solarflächen in Icking

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Sein Portfolio hat das Unternehmen Vispiron, das anfangs nur in der Autoindustrie tätig war, mittlerweile diversifiziert und dabei längst den Sektor regenerative Energie erschlossen. (Foto: Hartmut Pöstges)

Das Unternehmen Vispiron, das als Zulieferer in der Automobilbranche begann, hat mittlerweile den Markt für erneuerbaren Energien für sich entdeckt. In der Gemeinde plant es gleich mehrere Photovoltaik-Anlagen.

Von Veronika Ellecosta, Icking

Von München kommend, kurz hinter Ebenhausen, wenn die Straße nach einer flachen Kurve in eine kleine Senke führt, tut sich der Blick zum ersten Mal auf die Alpen auf. Diese Perspektive und die Bundesstraße 11, die sich da durch das idyllische Isartal schlängelt, dürfte Florian Schönberger mittlerweile bestens kennen. Als Geschäftsführer des Münchner Tech-Unternehmens Vispiron Energy wird er dort schon das ein oder andere Mal auf dem Weg zum Ickinger Gemeinderat entlang gefahren sein.

Hier an der B11 liegt auch ein Grundstück, das in Icking derzeit für Diskussionen sorgt: Auf etwa 5,7 Hektar zwischen Bahn und Bundesstraße möchte Vispiron eine Photovoltaik-Freiflächenanlage errichten. Der Solarpark soll eine Leistung von ungefähr fünf Millionen Kilowattstunden grüne Energie erbringen - und somit etwa 1300 Haushalte mit Strom versorgen.

Kurz nach Ebenhausen, zwischen Bahn und Bundesstraße, will Vispiron seine Photovoltaikanlage errichten. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Für Vispiron wäre die Photovoltaik an der B11 keine Premiere im Ort. Florian Schönberger hat im Ickinger Gemeinderat einst mit der Photovoltaik-Freiflächenanlage im Ortsteil Walchstadt debütiert, wo heute 550 Haushalte mit Solarstrom versorgt werden, auch ein Batteriespeicher ist an die Module angeschlossen.

Neben Walchstadt stellte das Unternehmen noch drei weitere Anträge im Gemeinderat Icking: die beschriebene Anlage an der B11, eine an der ehemaligen Geothermie-Bohrstelle, sowie "Kaltenbrunn" im Ortsteil Attenhausen. Letztere ist allerdings wieder vom Tisch: Weil Anrainerinnen und Anrainer Sturm dagegen gelaufen waren, zog sich der Grundstückseigentümer zurück. Für die anderen beiden Projekte liegen derzeit keine neuen Anträge von Vispiron vor, wie Gemeinderat Stefan Schneider (UBI) mitteilte. Dass die Münchner Firma damit bisher im Gemeinderat scheiterte, lag auch daran, dass ihre Anträge dem von Icking entwickelten Kriterienkatalog nicht entsprachen. Dieser sieht etwa vor, dass die Gemeinde vertraglich eine aktivere Beteiligungsrolle innehat und ein Vetorecht beim Verkauf erhält.

Die Geschäftsführer von Vispiron Energy, Florian Schönberger (2. v. li) und Amir Roughani (2. v. re.) bei der Eröffnung des Solarparks Walchstadt im Mai 2022 mit Investorin und Grundstückseigentümerin Barbara Fuchs (3. v. li.) und Ickings Bürgermeisterin Verena Reithmann (4. v. li.). Etwa 5000 Solarmodule produzieren hier bis zu 2,3 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. (Foto: Hartmut Pöstges)

Vispirons Portfolio ist breitgefächert

Die Unternehmensgruppe Vispiron hat die Solarenergie-Branche bereits vor 15 Jahren für sich entdeckt. Vispiron Energy plant, baut und betreibt Solaranlagen und Batteriespeicherkraftwerke nicht bloß, sondern vermarktet die Energie auch über eine hauseigene Energiehandelsplattform und stellt außerdem Elektro-Ladesysteme für Tankstellen, Unternehmen und Geschäfte.

Von den etwa 75 Photovoltaik-Anlagen von Vispiron stehen die meisten auf deutschem Boden, zwei davon in Penzberg. Einige wurden auch im Ausland errichtet: in Indien, Italien und Griechenland. Über die vergangenen Jahre ist die Unternehmensgruppe stetig gewachsen, hat ihre Produktpalette zur grünen Zukunft breit aufgestellt und investiert auf vielen Ebenen in erneuerbare Energie. So finanziert etwa Vispiron Eco Investment lokale Bürgerbeteiligungen für grüne Infrastrukturprojekte, eine andere Beteiligung hat Softwareprogramme für Unternehmen entwickelt, um deren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Andere Töchter forschen zu teleoperiertem Fahren und digitalen Lösungen für die Mobilität. Etwa 500 Menschen arbeiten laut Eigenangaben heute insgesamt bei der Unternehmensgruppe.

Amir Roughani ist CEO und Gründer von Vispiron. Der studierte Wirtschaftsingenieur gründete die Firma mit nur 27 Jahren. (Foto: privat/oh)

Seinen Ursprung hatte Vispiron als Zulieferer für die Automobilindustrie. Geschäftsführer Amir Roughani gründete die Firma 2002 in Garching. Münchner Medien erzählen Roughanis Werdegang als Aufstiegsgeschichte, vom Einwanderer zum erfolgreichen Unternehmer: Mit elf Jahren kam er ohne Deutschkenntnisse von Iran nach Berlin, lebte erst in einem Kinderheim. Uni über den zweiten Bildungsweg, unternehmerische Gehversuche in der IT- und Engineering-Branche, dann der Durchbruch mit Vispiron. In der Automobilindustrie expandierte Roughani mit seiner Firma in verschiedene Richtungen: Sie entwickelt Mess- und Updategeräte für Autos, IT- und Mechatroniksysteme, vertreibt ein elektronisches Fahrtenbuch. BMW, Audi und Porsche zählen zu den prominenten Kunden. Seit 2008 trägt Vispiron seinen heutigen Namen.

Heute setzt das Unternehmen auf ökologischen Umbau der Wirtschaft

Nach einigen erfolgreichen Jahren kam 2006 die Tochterfirma für Solarenergie dazu. Heute sitzen Amir Roughani und Florian Schönberger gemeinsam in der Geschäftsführung der Vispiron Energy. Aber auch die Mutterfirma setzt seitdem quer durchs eigene Portfolio auf den ökologischen Umbau, ist selbst klimaneutrales Unternehmen. Im Gespräch mit der SZ erklärte Amir Roughani bereits 2016, dass Vispiron mehr als die Hälfte des Umsatzes aus Solarenergie erziele. Der Gesamtumsatz von Automobilsektor bis Energiebranche belief sich 2021 auf 41 Millionen Euro. Welcher Anteil diesmal auf die Sonnenenergie fällt, ließ das Unternehmen auf Nachfrage allerdings unbeantwortet.

Ob Vispiron einen weiteren Antrag für den Solarpark an der B11 in den Ickinger Gemeinderat einbringen wird, ist derzeit unklar. Das Unternehmen selbst äußert sich zum derzeitigen Planungsstand nicht, wie Projektentwickler Niklas Schleifenbaum schriftlich mitteilt. Gut möglich, dass Florian Schönberger die B11 nach Icking noch das ein oder andere Mal passieren wird.

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:Landschaft oder Klima schützen

In Icking schwelt ein Streit um eine geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage - weil sie dort stehen soll, wo sich von München kommend erstmals der Blick aufs Isartal und die Alpenkette auftut. Die einen pochen auf die Notwendigkeit für Energieunabhängigkeit, die anderen sagen ja zu PV, aber nicht in ortsbildprägenden Landschaften und warnen vor schleichender Industrialisierung. Ein lokales Beispiel für ein generelles Entscheidungsproblem.

Von Claudia Koestler

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