Europawahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Grüne legen zu, SPD schmiert ab

Bei der Europawahl holt die CSU mit 42,7 Prozent wieder nur ähnlich viele Stimmen wie bei der Landtagswahl vergangenes Jahr. Wirklich bemerkenswert sind an diesem Abend allerdings andere Ergebnisse.

Von Claudia Koestler, Konstantin Kaip, Felicitas Amler, Florian Zick

Für die CSU im Landkreis hat es bei der Europawahl nicht zur großen Trendwende gereicht. Die Partei holte zwar anderthalb Prozentpunkte mehr als bei der Europawahl vor fünf Jahren. Mit knapp 42,7 Prozent liegt das Ergebnis aber sogar noch leicht unter dem Wert der Landtagswahl im vergangenen Jahr. Die Grünen dagegen konnten massiv zulegen. Die Öko-Partei kam auf fast 19,7 Prozent. Die SPD holte sich mit nur knapp über sieben Prozent erneut eine heftige Abfuhr ab.

Bei der SPD ist die Stimmung damit ähnlich verkatert wie nach der Landtagswahl. Nicht ganz 7,1 Prozent - das ist nicht einmal halb so gut bei der Europawahl von 2014 (15,4 Prozent). "Es war wieder mal ein Debakel", resümiert der SPD-Kreisvorsitzende Wolfgang Werner. "Nach dem schlechten Abschneiden bei der Landtagswahl hatten wir schon die Hoffnung, dass das der Tiefpunkt war und sich der Trend zur Europawahl wieder positiv gestalten würde", sagt der Geretsrieder. "Aber dem war leider nicht so."

Einen Grund für das schlechte Abschneiden findet Werner im "alles bestimmenden Thema Klimaschutz, bei dem die Grünen punkten konnten". Die Themen auf der SPD-Agenda im Wahlkampf, ein europaweiter Mindestlohn und die Grundrente, hätten "nicht so gezogen", konstatiert Werner. Bei der Vorstandssitzung Anfang Juni werde die Kreis-SPD die Europawahl analysieren und "versuchen, daraus Erkenntnisse für die Kommunalwahlen im kommenden Frühjahr zu ziehen", sagt Werner - betont aber, dass "man die Wahlen schwer vergleichen kann". Für die Kommunalwahl habe die SPD "gute Leute vor Ort", erklärt Werner. "Wir werden nun Listen erstellen und sicherlich auch bei der Landratswahl ein Wörtchen mitreden", kündigt er an.

Auch ein wenig niedergeschlagen, wenn natürlich auch auf ganz anderem Niveau als bei den Genossen, klang Thomas Holz, der neue CSU-Kreischef. "Das ist kein Ergebnis, bei dem man die Sektkorken knallen lassen kann", sagte Holz. Es sei aber schwierig, aus den Ergebnissen Schlüsse zu ziehen. Fast 23 Prozent der Stimmen bei der Europawahl hätten sich auf kleine Parteien zerstreut. Das müsse man erst einmal analysieren. Man könne dem Kreisverband aber sicher nicht vorwerfen, keinen guten Wahlkampf gemacht zu haben. Und dass es auch im Landkreis für ein mit 42,7 Prozent an sich schon noch ordentliches Ergebnis gereicht habe, so Holz, sei sicher auch Manfred Weber zuzuschreiben, dem Europa-Spitzenkandidaten der Union. "Ein Niederbayer zwar", scherzt Holz, "aber immerhin ein Bayer".

Gute Laune hatte man selbstredend auch bei den Grünen, dem nach Stimmzuwächsen klaren Gewinner der Europawahl. "Ein schönes Ergebnis", sagte Alexander Müllejans, Sprecher der Kreis-Grünen, als im Ickinger Gasthof Klostermaier die ersten Ergebnisse für den Landkreis über die Leinwand flimmerten. Euphorisch oder gar ekstatisch indes wirkt er nicht, sondern gänzlich aufgeräumt, immerhin aber mit einem sehr zufriedenen Lächeln auf den Lippen. "Wir freuen uns halt still", erklärt er die relative Gelassenheit.

Die Grünen hätten am stärksten für Europa geworben, "weil wir nur gemeinsamen den ökologischen und sozialen Brennpunkten Herr werden können", erklärt Müllejans. Und ja, "diese Welle, dieser Hype, den grüne Themen derzeit erfahren, finde ich toll", sagt er. Und doch ist ihm bewusst, "dass wir im Moment von äußeren Rahmenbedingungen, vom Klimawandel profitieren".

Susanne Merk, Kreisvorsitzende der Freien Wähler, bewertet den Ausgang der Wahl positiv. "Wir sind stabil geblieben", sagt sie, "das heißt, wir machen gute Arbeit". Erschreckt aber habe sie das Ergebnis der SPD und die über 7,7 Prozent der AfD. "Warum das rechte Lager so zunimmt, das kommentiere ich nicht", sagt sie, denn"ich finde es grauenhaft, darüber nachzudenken." Und bei der SPD vermisse sie die sozialen Themen. Doch Wahlen seien eben immer Momentaufnahmen, so Merk, "die Themen wechseln schnell, man muss also immer am Ball bleiben".

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