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Bad Tölz-Wolfratshausen:Stunde Null bei den Kreis-Grünen

Die 41-jährige Ickingerin Jovana von Beckerath ist neue Sprecherin Im Kreisverband der Grünen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Um eine Verjüngung er ermöglichen, tritt der Parteivorstand bei der Jahreshauptversammlung geschlossen ab. Künftig bilden Jovana von Beckerath aus Icking und der Tölzer Andreas Wild das Duo an der Parteispitze.

Von Claudia Koestler

Tabula rasa beim Kreisverband der Grünen: Wenige Monate nach ihrem außerordentlichen Wahlerfolg ist am Mittwoch der komplette Vorstand abgetreten. Dem geschlossenen Abgang folgte bei der Jahreshauptversammlung allerdings der Neustart auf dem Fuße - und zwar mit vielen neuen Gesichtern: Jovana von Beckerath und Andreas Wild übernehmen die Sprecherposten von Alexander Müllejans und Barabara Schwendner. Die Kasse hat nun Mechthild Felsch unter sich, neue Schriftführerin ist Teresa Wimmer. Und auch die Beisitzer und Rechnungsprüfer wurden mit Ausnahme von Wolfgang Goymann komplett ausgetauscht.

Die Gründe für die Stunde Null: Durch den regen Zulauf gebe es inzwischen genug Grüne im Landkreis, um nach der erfolgreichen Kommunalwahl Ämter und Mandate zu trennen. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht mit der Entscheidung", sagte Alexander Müllejans zu Beginn der Versammlung in der Münsinger Lothof-Tenne. "Aber wir alle kennen das Wahlergebnis, wir haben viele neue Ortsverbände, die Unterstützung brauchen", so Müllejans. Nur mit einem neuen Vorstand und mit frischen Kräften könnte die maximale Unterstützung für die vielen neuen Mandatsträger, Ortsverbände und Mitglieder sichergestellt werden.

Seine Amtskollegin Barbara Schwendner war von den vergangenen elf Jahren acht Jahre lang Sprecherin des Kreisverbands. In der Zeit dazwischen sei der Posten zeitweise nicht besetzt gewesen, so dünn habe es damals mit Frauen bei den Kreis-Grünen ausgesehen. Heute sei das anders. Sie habe aber, ließ sie kurz durchblicken, in der Vorstandsarbeit auch "viel Unterschiedliches erlebt". Einbringen wolle sie sich, wie auch Müllejans, jedoch weiterhin politisch, nur jetzt eben im Kreistag.

Müllejans indes verzichtete auf eine persönliche Rückschau und fokussierte auf Zahlen: Der Kreisverband sei deutlich gewachsen, zum Stichtag Mittwoch zählte die Partei 203 Mitglieder, am Abend der Versammlung erhöhte sie sich auf 204, von denen 60 anwesend waren. Für künftige Wahlkämpfe forderte Müllejans mehr Leute im Wahlkampfteam, so dass sich die Kandidaten auf ihre Aufgaben konzentrieren könnten. Zudem seien viele Kreisverbände durch administrative Arbeiten sehr stark beansprucht, sagte er. Der Landesverband will Müllejans zufolge in den kommenden zwei Jahren deshalb alle Kreisverbände auch mit Geschäftsführern ausstatten.

Der 49 Tölzer Andreas Wild komplettiert als Kreissprecher die neue Doppelspitze.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Wolfratshauser Grünen-Stadtrat Hans Schmidt kritisierte jedoch den Neustart - oder vielmehr das Timing: "Ich finde es schade, dass dieser neue Vorstand völlig neu aufgesetzt wird, ohne Kontinuität", so Schmidt. "Gerade jetzt, wo wir so viele neue Ortsverbände und Mitglieder haben, wäre es für mein Verständnis doch sinnvoll, wenn irgendjemand noch da ist, der weiß, wie's geht." Die Erfahrung zeige schließlich, dass Burnout drohe, wenn sich Menschen schnell stark engagieren. "Das ist eine ganz große Gefahr", warnte er.

Für den Posten der Kreissprecherin hatte sich nur eine Frau beworben, die nach einer dreiminütigen Vorstellung letztlich auch einstimmig gewählt wurde: Jovana von Beckerath. Die 41-Jährige stammt aus Hamburg, lebte zwölf Jahre lang in Berlin und ist vor etwa drei Jahren mit ihrem Ehemann nach Icking gezogen. Beruflich ist sie Kulturwissenschaftlerin und Mediatorin. Sie sehe die Aufgabe als Sprecherin vor allem als Dienstleistung, um "eine starke Stimme zu sein und Themen nach außen zu tragen". Lucia Schmidt hakte nach, was ihre politischen Ziele seien. Bürgerbeteiligung stehe bei ihr oben, antwortete von Beckerath, dazu die Energiewende und ein "soziales Miteinander".

Neuer Kreissprecher ist nun Andreas Wild. Der 49-Jährige kommt aus Bad Tölz und war dort in den vergangenen zehn Jahren der Ortsvorsitzende - ein Posten, den er kommenden Montag nun abgeben wird. Der Verfahrenstechniker arbeitet als Geschäftsführer in einem Unternehmen in der Region. Ein technisch-operativer Hintergrund kennzeichne ihn, weil er immer das Ganze im Blick haben wolle, "und sexy Themen oder Persönlichkeitsallüren stehen bei mir ganz hinten an". Er will die Ortsverbände stärken und die Digitalisierung und die Vernetzungen vorantreiben.

Während es für den Posten des Schatzmeisters nur Mechthild Felsch als Bewerberin gab, zog Hans-Georg Anders bei der Wahl zum Schriftführer zurück, um der Studentin Teresa Wimmer den Vortritt zu lassen. Er konnte sich dafür zusammen mit Wolfgangs Goymann bei der Wahl der Rechnungsprüfer durchsetzen. Mehr Bewerber als Posten gab es auch bei der Wahl der Beisitzer. Hier wurden letztlich der 24-jährige Student Marius Schlosser und Andreas Sander gewählt.

© SZ vom 24.07.2020/aip

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