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ARD-Krimi:Seniorenbeirat protestiert gegen "Polizeiruf"

Polizeiruf 110 - Nachtdienst": Tod und Stress im Pflegeheim

Matthias Brandt (rechts) ermittelte als Kommissar im Pflegeheim. Die Darstellung der Verhältnisse im Fernsehen weckt jedoch Kritik aus dem Landkreis.

(Foto: dpa)

Das Gremium ärgert sich über Darstellung des Pflegenotstands. Der Fernsehfilm verfestige Vorurteile und schüre Ängste vor einem Umzug ins Heim.

Gut gemeint heißt nicht gleich gut gemacht. Diesen Vorwurf erhebt der Vorsitzende des Seniorenbeirats im Landkreis, Hermann Lappus, gegen die Macher eines Fernsehkrimis: Der am Sonntag in der ARD ausgestrahlte "Polizeiruf 110" mit dem Titel "Nachtschicht" mache nicht auf den Pflegenotstand und die teils prekäre Situation in den Senioreneinrichtungen aufmerksam, sondern verfestige bestehende Vorurteile und schüre Ängste vor einem Umzug in ein Pflegeheim, kritisiert Lappus.

Matthias Brandt ermittelt in dem TV-Krimi als Kommissar Hanns von Meuffels in einem Pflegeheim, nachdem eine verwirrte Seniorin von einem Toten und viel Blut erzählt. Die Ermittlungen zeigen das Heim als einen in sich geschlossenen Mikrokosmos des Pflegenotstands, mit überarbeiteten Mitarbeitern, miserabler Bezahlung und Senioren, die aus Bequemlichkeit weggesperrt werden. Dagegen aber setzten sich die Bewohner des Heims zur Wehr.

"Dass die Arbeit in einem Pflegeheim sehr belastend ist, ist unbestritten", schreibt Lappus. Doch der Film greife nicht die Gründe dieser Arbeitsbedingungen auf. In der Folge würden Heimbewohner sowie deren Angehörige durch die Darstellung im Krimi "auf das Schlimmste verunsichert" und "engagierte Pflegekräfte diffamiert". Für Lappus setzt eine Verbesserung der stationären Altenpflege voraus, dass ein menschenwürdiger Mindeststandart gewährt werde.

© SZ vom 10.05.2017 / cjk
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