Am Westpark Stadt hat endlich ein Areal für den Bildungscampus

Auf dem Areal am Westpark war bis 2012 die Gehörlosenschule des Freistaats untergebracht.

(Foto: Robert Haas)
  • Mehrere Münchner Schulen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, zum Beispiel das Erasmus-Grasser- und das Ludwigsgymnasium.
  • Schon vor Jahren kam die Idee auf, auf dem ehemaligen Gelände der Landesgehörlosenschule nebenan einen Bildungscampus einzurichten.
  • Die erste Etappe ist nun abgeschlossen: Die Stadt München hat das Grundstück vom Freistaat ertauscht. Wirklich weit sind die Planungen sonst aber nicht.
Von Melanie Staudinger

Mal angenommen, der Freistaat besäße in unmittelbarer Nähe zu einigen seiner Schulen ein ungenutztes Grundstück. Und genau diese Schulen klagen darüber, dass ihnen langsam, aber sicher der Platz ausgeht. Eigentlich müssten die Probleme leicht zu lösen und die Schulen zu erweitern sein. Doch so einfach ist es aber nicht, wie der Fall des geplanten Bildungscampus am Westpark zeigt.

Im Jahr 2012 ist die Landesgehörlosenschule von ihrem Standort zwischen Fürstenrieder Straße, Westpark und Autobahn A 96 nach Johanneskirchen umgezogen. 2013 kam die Idee eines Bildungscampus auf, der auch das benachbarte Erasmus-Grasser- und das Ludwigsgymnasium entlasten soll. Seit 2014 laufen die Gespräche. Denn für die Gebäude von Schulen, auch staatlichen, ist generell die Stadt zuständig. Um zu bauen, braucht sie das Gelände der Gehörlosenschule. Das erste Etappenziel ist seit Kurzem erreicht: Der Freistaat tauscht mit der Stadt das Areal gegen ein kommunales Grundstück in Giesing - der Bildungscampus kann kommen.

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Gebaut wird deshalb aber noch lange nicht. Vielmehr beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Ruine, die einst der Gehörlosenschule gehörte, soll abgerissen werden. Geplant ist ein Neubau, um beide Gymnasien zu entlasten. Zusätzliche Turnhallen sollen entstehen, eine Realschule und ein Gebäude für das Förderzentrum München Mitte 3, das sich auf zwei Standorte verteilt. Wirklich weit sind die Planungen aber nicht.

Derzeit werde eruiert, welche Bedarfe überhaupt umsetzbar seien, sagt ein Sprecher des städtischen Bildungsreferats. Frühestens im dritten Schulbauprogramm, das der Stadtrat in einem Jahr verabschieden wird, könnte der Bildungscampus dann berücksichtigt werden - allerdings nur als Untersuchungsauftrag. Überraschungen könnte vor allem die Erkundung des Erdreichs bringen. Denn das Gelände wurde im Zweiten Weltkrieg bombardiert, es ist völlig unklar, was alles im Boden schlummert.

Seit 2013 kämpfen die Schulleitungen von Erasmus-Grasser- und Ludwigsgymnasium nun schon um die Erweiterung. Dabei unterstützte sie der jetzige Europa- und Digitalminister Georg Eisenreich, damals noch einfacher CSU-Abgeordneter aus dem Stimmkreis Hadern. Doch der Freistaat weigerte sich, das Areal zu verkaufen. Nach den Grundsätzen seiner neuen Grundstückspolitik dürften staatliche Flächen nicht mehr veräußert werden, hieß es. Mal war dort ein Hotel im Gespräch, dann eine Flüchtlingsunterkunft und plötzlich wieder der Bildungscampus. Die Stadt drängte nach dem gescheiterten Ankauf auf einen Grundstückstausch, dem der Stadtrat im September 2017 zustimmte. Der Landtag aber ließ sich Zeit und wollte erst nach der Wahl darüber beraten.

Wann mit dem Bauen anfangen? Wieder mal am besten gestern

Nach einem Hilferuf des örtlichen Bezirksausschusses schritt Eisenreich ein - und der Haushaltsausschuss des Landtags segnete den Deal Ende September doch noch ab. "Ich freue mich sehr, dass der Freistaat Bayern der Stadt das benötigte Grundstück zur Verfügung stellt", sagte Eisenreich. Und wurde dafür von der SPD gerüffelt, weil der Landtag sich mit seiner Zustimmung so lange Zeit gelassen habe. Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) sagte: "Ich bin froh, dass die Grundstücksangelegenheiten endlich geklärt sind."

"Am besten wäre es, wenn die Bauarbeiten gestern angefangen hätten", sagt Lore Heinrich-Exner, Direktorin im Ludwigsgymnasium. 720 Schüler zählt ihre Schule, bis zu 400 könnten in den kommenden paar Jahren dazukommen. Weil aus dem G8 wieder ein G9 wird und jedes Gymnasium in Bayern damit einen zusätzlichen Jahrgang beherbergen muss. Und weil im Ludwigsgymnasium ein musischer Zweig etabliert werden soll. Alexander Schröder vom Erasmus-Grasser-Gymnasium ergeht es ähnlich. Gut 1000 Schüler hat er, künftig werden es an die 1600 sein.

Platz fehlt jetzt bereits. Zwölf Klassen sind schon in Schulpavillons ausgelagert; wenn die anstehende Sanierung im Ludwigsgymnasium startet, werden es zehn weitere sein. Und eng wird es vorerst bleiben. Denn vor 2025, so ist zu hören, wird es nichts mit dem Bildungscampus. Dann aber, verspricht Zurek, "schaffen wir ein Schulzentrum, das optimale Lernbedingungen für unsere Kinder bieten wird".

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