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Wald:Diese Gefahren lauern im Holz

Mit Harvestern werden vom Buchdrucker befallene Bäume gefällt und entastet. Revierförster Michael Matuschek begutachtet die deutlichen Fraßspuren.

(Foto: Claus Schunk)

Zahlreiche Käfer und Pilze haben in den Wäldern rund um München ihre Spuren hinterlassen. Förster Matuschek hat trotzdem noch Hoffnung.

Treffpunkt Putzbrunn. Fährt man mit Michael Matuschek, Revierförster beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Ebersberg, durch den Landkreis München und schaut sich die Wälder an, sieht man sie überall, besonders an den Rändern zur Stadt München. Fichten, die braune Kronen haben, abblätternde Rinde. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Kupferstecher oder der Buchdrucker hier ihr Unwesen getrieben haben.

Die beiden gerade einmal ein paar Millimeter großen Borkenkäfer haben sich im vorigen Jahr auch im Kreis massenhaft vermehrt und große Schäden angerichtet. Und sie sind weiter auf dem Vormarsch. "Ich würde es vorsichtig formulieren als deutlich angespannte Lage", sagt Matuschek. Er ist zuständig für 5500 Hektar Wald von Aschheim über Haar bis Grasbrunn und auch für einige Stadtbezirke. Außer den Borkenkäfern tummeln sich in den Wäldern und Bäumen derweil noch andere Schädlinge, gegen die der Kampf zum Teil noch nicht ausgestanden ist.

Wald

Schädlinge in der Region

Dass der Buchdrucker es im vergangenen Jahr so leicht hatte, sich zu vermehren, hat mehrere Gründe. Im Frühjahr riss der Sturm Niklas zahlreiche Fichten um. "Wir hatten viel Bruchholz, das ist Brutholz für den Käfer", sagt Matuschek. Bei den Fichten, die noch standen, waren die Wurzeln geschädigt, dadurch waren sie geschwächt. Sie reagierten mit einer Notfruktifikation, das sieht man an den vielen Tannenzapfen in manchen Kronen, doch das schwächte sie noch mehr.

"Dann kam der trockene und heiße Sommer", sagt Matuschek. Der setzte den Bäumen noch mehr zu. Die Münchner Schotterebene ist ohnehin kein idealer Boden für Fichten, sie brauchen Feuchtigkeit. So befiel der Buchdrucker in Massen die Fichten. Auch der Kupferstecher war im vorigen Jahr aktiv, der vor allem junge Bäume befällt. Besonders an den Südrändern zur Stadt München wurde er entdeckt, unter anderem in Neubiberg, Ottobrunn, Putzbrunn und Teilen von Grasbrunn.

Ein Käferpaar, 64 000 Nachkommen

Die Borkenkäfer befallen den Baum, indem das Männchen die Rammelkammer bohrt und das Weibchen Muttergänge anlegt. Für jedes Ei legt es eine eigene Nische an. Normalerweise wehrt sich die Fichte, indem sie Harz absondert.

Während etwa 10 000 Käfer nötig sind, um die Harz-Barriere zu überwinden, reichten voriges Jahr wegen des extremen Sommers ein paar hundert, sagt Matuschek. Beide Borkenkäferarten konnten laut dem Förster insgesamt drei Generationen entwickeln, was ein exponentielles Wachstum bedeutet. Aus einem Käferpaar konnten sich mindestens 64 000 Käfer entwickeln.

Die Folgen sind in den Wäldern an der Stadtgrenze deutlich zu sehen, etwa im Bahnhofswald in Neubiberg. Wo früher die Fichten dicht standen, ist es nun teilweise licht, befallene Bäume wurden gefällt und weggebracht. Auch im Bezirkswald in Haar sind zahlreiche Fichten rot markiert, müssen möglichst schnell entfernt werden. "Hier verlieren wir so gut wie alle Fichten", sagt Matuschek.

Zurzeit ist das AELF mit Harvestern in den Wäldern unterwegs, um betroffene Bäume abzutransportieren. Weil der Käfer wegen des milden Winters unter der Rinde weiterfressen konnte, braucht er keinen Reifefraß mehr, sondern kann sofort ausfliegen und sich weiter vermehren, wenn die Temperaturen bei 16,5 Grad Celsius liegen. "Deshalb arbeiten wir und die Waldbesitzer noch auf Hochtouren. Die Zusammenarbeit ist gut. Ziel ist es, die befallenen Bäume bis zur letzten Aprilwoche zu beseitigen", sagt Matuschek.

20000 Buchdrucker

In einem Jahr mit günstigen Entwicklungsbedingungen für den Buchdrucker können aus einer Altfichte bis zu 20 000 Käfer ausfliegen. Günstig sind die Bedingungen, wenn der Baum vorgeschädigt und von Trockenheit geschwächt ist. Diese 20 000 Käfer können mindestens 20 weitere benachbarte Fichten erfolgreich befallen. Von dort können mehr als 400 000 Käfer ausschwärmen, die wiederum 400 weitere Fichten befallen können. Ausgehend von rund 60 Nachkommen pro Weibchen können bei drei Generationen mehr als 100 000 Käfer heranwachsen.