Wahlkampf:Die Münchner Bundestagskandidaten müssen Abwechslung mögen

Claudia Tausend (SPD) radelt durch Trudering. Treffpunkt: Kulturzentrum Trudering, Wasserburger Landstraße 32

Wer in München für den Bundestag kandidiert, muss Abwechslung mögen: Radeln mit Claudia Tausend.

(Foto: Florian Peljak)
  • München ist in vier Wahlkreise aufgeteilt: Jeder umfasst ein Stück der Innenstadt sowie einen Teil des Stadtrands.
  • Das macht den Wahlkampf für die Politiker interessant und schwierig zugleich, denn die Themen und die Menschen sind extrem unterschiedlich.
  • Oftmals sei den Bürgern bei Veranstaltungen besonders wichtig, dass sie über die Themen sprechen können, die sie umtreiben.

Von Jakob Wetzel

So schön kann Wahlkampf sein: Ein Sonntagnachmittag, die Luft angenehm kühl, und Claudia Tausend radelt durch den Truderinger Wald. Die Chefin der Münchner SPD begleitet zwei Parteifreunde und gut 20 Anwohner durch deren Viertel. Die Gruppe besichtigt Bauprojekte, diskutiert über verwaiste Sportstätten und fragwürdige Deals mit Grundstücken. Aber Tausend kann meistens einfach nur zuhören, und die längste Zeit führt der Weg durchs Grüne, zwischen Bäumen und Baukränen hindurch geht es über abgelegene Straßen und holprige Feldwege. Am Ende wartet auf die Gruppe ein Wirtshaus.

Claudia Tausend radelt dennoch nicht zum Spaß durch Trudering. Seit 2013 sitzt die Münchnerin im Bundestag, und sie will weitere vier Jahre dort bleiben. Doch der Weg nach Berlin ist weit. Und er führt die Kandidatin erst einmal nach Trudering, ebenso wie zum Beispiel in die Altstadt, nach Berg am Laim, nach Ramersdorf oder auch in den Herzogpark.

Wer in München für den Bundestag kandidiert, muss Abwechslung mögen. Wie eine Torte ist die Stadt in vier Wahlkreise aufgeteilt, und jeder einzelne von ihnen umfasst ein Stück der Innenstadt wie auch einen Teil des Stadtrands, enthält Villenviertel wie auch Gegenden mit sozialem Wohnungsbau. Wer im Münchner Osten antritt, wirbt in den Großsiedlungen von Neuperlach ebenso um Stimmen wie unter den Bewohnern alter Jugendstilhäuser in Alt-Bogenhausen.

In Johanneskirchen, wo auf jedem Quadratkilometer im Schnitt nur 1400 Menschen wohnen, und in der Unteren Au, die fast 13-mal so dicht besiedelt ist. Im Bezirk Altstadt-Lehel, wo in zwei von drei Wohnungen nur eine einzelne Person gemeldet ist, ganz anders als etwa in der Messestadt Riem, wo in fast jedem zweiten Haushalt Kinder leben. Jeder Kandidat steht da vor derselben Frage: Wie bekommt man einen derart vielfältigen Wahlkreis nur unter einen Hut?

"Gar nicht", antwortet Claudia Tausend. Es ist ein verregneter Vormittag, die SPD hat am Weißenburger Platz in Haidhausen einen Infostand aufgebaut, Helfer verteilen Flyer und Gummibärchen, aber es kommen nur wenige Leute vorbei, es ist einfach zu nass, da hilft auch der große rote Schirm nichts.

In jedem Viertel gibt es andere Fragen

Und so setzt sich Tausend nebenan in ein Café und erzählt von ihrem Wahlkreis. Man müsse sich auf dessen Vielfalt einstellen, sagt sie. In jedem Viertel trieben die Bürger andere Fragen besonders um. In Neuperlach etwa sei das große Thema die Rente. In Riem seien es die Schulen, die Kinderbetreuung und die Freizeitmöglichkeiten. Und hier in Au-Haidhausen, da seien es die Mieten.

Tausend hat mehr als ein Dutzend verschiedene Postkarten drucken lassen, für jeden Stadtteil eine andere. Zu sehen ist sie selbst gemeinsam mit Kommunalpolitikern an verschiedenen Orten im Wahlkreis. "Und man überlegt sich schon, mit welchem Thema gehe ich in welches Viertel", sagt Tausend. Gerechtigkeit und Soziales? Da seien Berg am Laim oder auch Johanneskirchen gut. Für Mieterveranstaltungen biete sich Haidhausen an. Und für außenpolitische Themen, die für alle von ähnlich großem Interesse sind, buche sie auch einmal einen Raum im Hofbräuhaus.

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