Oper:Das Morden endet nie

Oper: Die Bühne, dieses düstere Mahlwerk, bespielen hier Theodora Varga, Seymur Karimov, Carlos Moreno Pelizari und der Opernchor.

Die Bühne, dieses düstere Mahlwerk, bespielen hier Theodora Varga, Seymur Karimov, Carlos Moreno Pelizari und der Opernchor.

(Foto: Tom Neumeier)

Angela Denoke inszeniert am Theater Regensburg Verdis "Macbeth" mit bohrender Konzentration auf das Herrscherpaar.

Von Egbert Tholl, Regensburg

Giuseppe Verdis Oper "Macbeth" wurde 1847 uraufgeführt. Auch wenn der Komponist sie 18 Jahre später überarbeitete, so ist sie dennoch ein Sammelsurium fester Formen, die schon damals nicht mehr unbedingt der neueste Schrei waren. Natürlich ist hier alles düster, es ist Verdis schwärzeste Oper, was schon an Shakespeares Vorlage liegt. Und sie wäre noch schwärzer, wenn Verdi sie entsprechend der Subtilität seines Spätwerks und eingehender überarbeitet hätte. So retten einen aber aus dem Abgrund der Gedankenwelt des mordenden Paares, Macbeth und die Lady, jene tradierten Formen aus dem Opernbaukasten, die dem Ganzen auch immer wieder etwas Tänzelndes, ja fast unfreiwillig Komisches mitgeben. Gleichwohl taugt die Musik zum Drama, und wie der Dirigent Tom Woods und das Philharmonische Orchester Regensburg dieses auskosten, ist ein aufregendes, kurzweiliges Erlebnis. Die Musik rast mit Karacho Richtung Untergang.

Verdis "Macbeth" ist die 17. Premiere in dieser Spielzeit am Theater Regensburg, alle Sparten zusammengenommen. Darauf ist die neue Leitung mächtig stolz, auch auf die 80 Prozent derzeitiger Auslastung, von denen Matthias Schloderer, der Kaufmännische Direktor bei einer etwas drolligen Veranstaltung vor der Premiere berichtet. Diese ist der nachgeholte Neujahrsempfang, den Schloderer auch dazu nutzt, darauf zu verweisen, dass die Stadt allein die steigenden Kosten - Löhne, Energie - wohl nicht eins zu eins auffangen werde. Aber, so erzählt Schloderer, so wie die Stadt stolz auf ihre Theater sei - das ist sie traditionsgemäß schon lange, kann man ergänzen -, so sei dies offenbar auch der Freistaat.

Vor kurzem habe der bayerische Kunstminister Markus Blume geäußert, das Haus verdiene, "noch mehr als bisher unterstützt zu werden". Tatsächlich munkelt man, das Stadttheater Regensburg habe gute Chance, Staatstheater zu werden. Das würde mehr Geld bedeuten, und hätte ein großes Dankeschön an Jens Neundorff von Enzberg verdient, Vorgänger des neuen Intendanten Sebastian Ritschel. Neundorff versah das Haus mit der überregionalen Strahlkraft, auf der Ritschel aufbauen kann.

Und die dieser ausbauen will. "Macbeth" war von Ritschel geplant als Debüt von Angela Denoke als Opernregisseurin, geworden ist es nun deren dritte Inszenierung. Denoke hat eine Weltkarriere als Sängerin gemacht, um nur ein kleines Detail zu nennen, sei an ihre Salome 2006 an der Bayerischen Staatsoper verwiesen. Und wie es sich für eine inszenierende Sängerin gehört, legt sie die gesamte Konzentration ihrer Inszenierung auf Macbeth und die Lady.

Die beiden sind bei ihr fast ein Doppelwesen, sind immer zusammen, auch in den Szenen, in denen sie Verdi allein agierend vorsah. Beide erleben die Alpträume des/der jeweils anderen mit, beide zetteln gemeinsam das Morden an. Und beide, also Seymur Karimov und Theodora Varga, singen grandios, er souverän, fast kühl manchmal, sie zerreißend im dramatischen Furor. Um sie herum entindividualisierte Gestalten, die erst Mensch werden, wenn sie sich gegen die Macht auflehnen. Die Bühne von Timo Dentler und Okarina Peter ist ein geschickt eingesetztes, düsteres Mahlwerk, ein Mechanismus der Macht: Am Ende lauert schon der nächste Mörder. Nun auf Malcolm, den neuen König.

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