bedeckt München 14°

Freizeit:Das Sonneneck am Starnberger See

Die Gäste haben die Wahl: genießen sie den Tag am Holztisch der "Bar & Kitchen" in St. Heinrich oder machen sie es sich im Liegestuhl bequem.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In Sankt Heinrich feiert der Kiosk "Bar & Kitchen" das alternative Lebensgefühl. Die vegane Strand Bowl, Live-Musik und ein Sandstrand ziehen Gäste ans Ufer.

Von Benjamin Engel

Die südöstliche Ecke bei Sankt Heinrich zählt zu den sonnenverwöhntesten Stellen des Starnberger Sees. Genau deshalb liebt der gebürtige Seeshaupter Christopher Rübcke das dortige Ufer besonders. "Das ist der beste Platz", sagt der 37-jährige Forstingenieur. "Hier hat man am längsten die Sonne." Sobald er herkomme, spüre er eine besondere Energie und Fröhlichkeit. Als sich die Chance bot, den alten Kiosk am Wassersportzentrum zu pachten, schlug er sofort zu. Zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau Pamela Rübcke betreibt er die "STRAND Bar & Kitchen" jetzt den dritten Sommer.

Von den üblichen Schickimicki-Klischees des Starnberger Sees wollen sich die beiden ganz bewusst abheben. Einen Platz zu reservieren, ist in der "Bar & Kitchen" ausgeschlossen. Die Gäste rücken an den Holztischen zusammen oder können es sich im Liegestuhl am aufgeschütteten Sand bequem machen. Im Hintergrund läuft Gitarren- und Alternative-Chill-Musik. Regelmäßig tritt der Seeshaupter Musiker Byron Andrew Wiemann live auf. Diese Mischung lockt die Gäste an, darunter auch viele Musiker und Künstler. Manchmal war der Andrang schon so groß, dass es beispielsweise nicht genügend frische Biergläser gab. "Dann müssen die Leute eben aus der Flasche trinken", sagt Rübcke.

Auf die locker-lässige Atmosphäre müssen sich die Gäste in der "Bar & Kitchen" schon einlassen. Als typische Kiosk-Betreiber versteht sich das junge Inhaberpaar überhaupt nicht. Die beiden servieren zwar auch Currywurst und Pommes Frites, weil diese Gerichte nun einmal am meisten gefragt sind. Doch die "Bar & Kitchen" hat weit mehr zu bieten. Pamela Rübcke experimentiert gerne, hat sich die Rezepte für ihre auch veganen und vegetarischen Gerichte selbst ausgedacht. Beliebt sind etwa der Linsensalat mit Kapern, Schafskäse und getrockneten Tomaten oder die vegane Strand Bowl. Pamela Rübcke kombiniert dafür Salat mit Kichererbsen, Cranberries, roter Beete, Gurke, Couscous und schwarzem Sesam. Das wird mit einem Ingwer-Tahini-Zitronen-Dressing abgerundet. "Alles wird hausgemacht und frisch gekocht", sagt Pamela Rübcke. Wert legen sie ihr und ihr Mann auf möglichst lokale Produkte. So kommt der zubereitete Fisch etwa für Matjes direkt von der Fischereifamilie Huber aus Sankt Heinrich. Eine Seeshaupter Metzgerei liefert das Fleisch.

Für Christopher Rübcke hat sich ein Kreis geschlossen. Mit 18 Jahren hatte der Seeshaupter eine Hotelfachausbildung begonnen. Nach dem Abschluss arbeitete er noch einige Jahre im Hotelgewerbe. Anschließend studierte er Forstingenieurwissenschaften, arbeitete in der Holzzertifizierungsbranche. Als er die Möglichkeit hatte, im Home Office von zuhause zu arbeiten, zog er von München nach Sankt Heinrich am Starnberger See. "Ich habe gemerkt, ich muss in die Natur", schildert der 37-Jährige.

In dem kleinen Ort mit Kirche und wenigen Häusern darum herum waren sie oft am Wassersportzentrum beim Baden. Dort fiel ihnen der Kiosk auf. "Ich habe mir gedacht, daraus kann man etwas machen", beschreibt Christopher Rübcke den ersten Eindruck. Denn auf seinen Reisen hatte das Paar schon viele Beach Bars angeschaut und davon geträumt, einmal eine zu eröffnen. Dafür erschien Sankt Heinrich perfekt, auch wenn es dort kein Meer, sondern nur Süßwasser gibt. Das Treiben am Kiosk mit dem ständigen, lauten Rufen, wenn wieder einmal Pommes oder Hendl fertig waren, beobachtete Rübcke zwei Jahre. Dann fragte er nach, ob er das Bretterhäuschen pachten könne. "Ich war sehr überrascht, dass ich sofort den Zuschlag bekommen habe", sagt er.

Ihr Essen und die Getränke bestellen und holen sich die Gäste an der Ausgabe. Sie können sich dann entweder auf der Holzterrasse mit den Holztischen niederlassen, in den abgeteilten Separees mit der 17 Meter langen Bank auf der Südseite oder im Liegestuhl auf Sand ihren Platz finden. Wer für den Drink einen Strohhalm will, muss zahlen. Denn grundsätzlich wollen die Rübckes, soweit es geht, Müll vermeiden. Statt Take-Away- gibt es auch nur Porzellan-Geschirr. Und wenn ein Essen aus ist, gibt es an dem Tag das Gericht nicht mehr. Denn lieber kalkuliert das Paar knapper, um keine Lebensmittel unnötig wegwerfen zu müssen. Auf der Karte stehen auch nie mehr als acht, neun Gerichte.

Für den Betriebsstart im April 2017 hat Christopher Rübcke das Holzhaus mit einem befreundeten Zimmermeister über den Winter umgebaut. Es bekam einen neuen Anstrich. Sie legten die Holzterrasse an und bauten Tische. Bis auf den Boden verwendete Rübcke für die Einrichtung nur altes Holz beispielsweise vom Zaun des Seeshaupter Yachtclubs. Seitdem hat der Pächter die Einrichtung jedes Jahr ergänzt. "Es macht wahnsinnig viel Spaß, mit Holz zu arbeiten", sagt er. "Irgendwie brauche ich das auch."

Von der Buchscharnstraße auf Höhe des Campingplatzes "Beim Fischer" ist die "Bar & Kitchen" über einen Kiesweg nach wenigen Metern erreicht. Geöffnet hat sie aber nur in der warmen Jahreshälfte zwischen April und Ende September/Anfang Oktober - und das nur bei schönem Wetter. Wer sichergehen will, ob Betrieb ist, sollte auf die Facebook-Seite schauen oder anrufen (Telefon: 08801/82 79 966). Im Winter würden sämtliche Leitungen in der Holzhütte einfrieren, erklärt Rübcke.

Im Sommer organisieren die Kioskbetreiber hin und wieder auch Pop-up-Events. Ein Koch hat schon einmal jamaikanische Gerichte serviert. Es gab auch Tapas oder Waffeln, Eis und Shakes. Für einen Tag verkaufte das Tutzinger Modelabel "Rookie & Me" Kleidung. Die sonst ungenutzte kleine Halle im Holzhäuschen vermietet das Paar auch für private Partys.

Die "Bar & Kitchen" zieht ein gemischtes Publikum aller Altersklassen an. Gerne kommen auch junge Mütter mit Kindern. Unter den Gästen und Mitarbeitern bemüht sich das Betreiberpaar stets um eine gute Atmosphäre. Nur wenn starker Wind aufzieht, wird Christopher Rübcke unruhig. "Dann schnappe ich mir schon einmal mein Surfbrett und bin für eine halbe Stunde auf dem Wasser", sagt er.

© SZ vom 03.09.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite