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Starnberger See:Promi-Wirt Fritz Häring hört auf

Bei dem Fernsehkoch geben sich Stars seit mehr als 30 Jahren die Klinke in die Hand. Sein Midgardhaus in Tutzing soll nun eine Münchner Brauerei übernehmen.

Im Midgardhaus am Ufer des Starnberger Sees bahnen sich Veränderungen an: Künftig wird das beliebte Tutzinger Lokal wohl nicht mehr "Wirtschaft zum Häring" heißen. Denn Promi-Wirt und Fernsehkoch Fritz Häring und seine Frau Marlies ziehen sich nach mehr als 30 Jahren zurück - "aus persönlichen Gründen", wie sie mitteilen lassen. Mehr möchte er über seine Pläne derzeit nicht verraten. Nun soll nach Angaben der Gemeinde, der die denkmalgeschützte Villa gehört, eine große Münchner Brauerei einsteigen.

Bei Häring ging es häufig hoch her, Prominente aus Politik, Adel und Showbusiness gaben sich die Klinke in die Hand. Kanzlerin Angela Merkel war da, Lionel Richie und Phil Collins, Heinz Rühmann, Charles Bronson und Gerard Depardieu, Desmond Tutu, Vitali samt Bruder Wladimir Klitschko. Auch Lokalprominenz wie Peter Maffay und Leslie Mandoki ließ sich gern blicken. Sie alle und noch viele mehr sind auf Fotos abgelichtet, die das ganze Midgardhaus bis hinunter zu den Toiletten tapezieren. Die Prominenten fühlten sich ebenso wie Touristen und Stammgäste wohl auf der Seeterrasse, flankiert von zwei markanten Löwen, oder in den heimeligen, niedrigen Stuben. Zur Attraktion zählt eine Musikbox mit alten Schlagern.

Anfang der Neunziger erkochte Fritz Häring sich sogar einen Michelin-Stern.

(Foto: Arlet Ulfers)

In den Neunzigern hatte er einen Michelin-Stern

Das persönliche Ambiente gepaart mit gehobener Gastronomie galt lange Zeit als Härings Erfolgsrezept. Dass der Tausendsassa, der dieses Jahr 65 wird, als Fernsehkoch Popularität erlangt hat, dürfte seinem Lokal auch nicht gerade abträglich gewesen sein. Über 250 Sendungen drehte fürs Bayerischen Fernsehen. "Appetit auf ..." und "Bayern isst bunt" gelten als echte Quotenbringer. Härings erfolgreichste Sendereihe war das "Kochgeflüster" mit Prominenten wie Ski-Ass Rosi Mittermaier und Haindling-Frontmann Hans-Jürgen Buchner.

Seine Karriere begann Häring, der Niederbayer, als gelernter Konditor und Feinbäcker. Seine Ausbildung zum Koch absolvierte er beim Münchner Feinkostpapst Gerd Käfer. Nach Stationen auf einem russischen Kreuzfahrtschiff und in der Pöckinger Schiffsglocke erhielten Fritz und Marlies Häring 1985 den Zuschlag für das Midgardhaus. Freilich verpflichtete sie der Vertrag erst einmal, das ziemlich verwahrloste Anwesen herzurichten. Auch das gastronomische Konzept möbelte er gewaltig auf - weg von der in den Achtzigern so angesagten französischen Küche, hin zu gehobener bayerischer Kulinarik. Die beeindruckte auch Tester.

Starnberg, Starnberger See, Polizeischiff

Malerisch am Ufer in Tutzing liegt das Midgardhaus, in dem Fritz Häringseit 1985 Touristen, Stammgäste und Prominente bewirtet.

(Foto: Georgine Treybal)

Von 1990 bis 1992 glänzte ein Michelin-Stern über dem Tutzinger Restaurant. Dass der ihm wieder aberkannt wurde, hat Häring damals ziemlich gewurmt. Doch der Wirt mit den langen Haaren, der sich selbst als "Exot" bezeichnet, stürzte sich mit Begeisterung auf ein neues Terrain. Teils in, teils neben dem Midgardhaus in seiner eigenen Immobilie richtete er Luxussuiten ein, gestaltete selbst das Interieur, bemalte farbenfroh und opulent Wände, Schränke und Betten. Tutzinger Rechnungsprüfer monierten allerdings in den vergangenen Jahren wiederholt, dass die Einnahmen aus den Suiten im Midgardhaus in der Pacht für die Gemeinde keinen rechten Niederschlag gefunden hätten.

Die Bürgermeisterin will den Namen der Brauerei noch nicht verraten

Gerüchte, dass Häring im Midgardhaus aufhören will, hatte es schon seit Wochen gegeben. Sein Pachtvertrag, den er 2014 verlängert hatte, wäre bis 2038 gegangen. Bürgermeisterin Marlene Greinwald bestätigt, dass man mit einem Betreiber verhandle, der in den Vertrag einsteige. Den Namen möchte sie noch nicht öffentlich machen. Die Übergabe soll aber noch im Lauf des Jahres erfolgen. "Uns liegt sehr am Herzen, dass der schöne Platz mit Wirtschaft und Biergarten für die Öffentlichkeit erhalten bleibt", betont sie. Baulich seien moderate Veränderungen vorgesehen. So sei im nicht denkmalgeschützten Bereich der Garagen ein kleiner Saal geplant - "ein Salettl", wie Greinwald sagt. Insgesamt solle der Betrieb nicht größer werden, auch, um die Nachbarn zu schützen.

Häring selbst ist in Tutzing heimisch geworden. Er richtete vor fünf Jahren den alten, verwaisten Guggerhof an der Hauptstraße her. Bei der jüngsten Fischerhochzeit diente Härings Haus als Kulisse für das Historienspiel. Der Wirt trat im Stück selbst auf - in der Rolle seines Lebens, nämlich als Wirt.

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