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Starnberger See:Das Geheimnis um den ersten elektrischen Dampfer ist gelüftet

Bis zu 300 Fahrgäste dürfen auf das neue Schiff. Wann es zum ersten Mal ablegen kann, ist wegen der Pandemie noch offen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das neue Schiff auf dem Starnberger See soll den Namen "Berg" tragen - was so einige Mitbewerber aus anderen Kommunen erzürnt. An Bord können sogar Elektrofahrräder nachgeladen werden.

Von Jessica Schober, Starnberg

Die Entscheidung für den Namen des neuen Ausflugsdampfers am Starnberger See ist gefallen: So wie sein Vorgänger wird auch das nunmehr elektrisch betriebene Schiff, das heuer am Südufer in den Linienverkehr einsteigen soll, "Berg" heißen. Der Bürgermeister der Gemeinde Berg, Rupert Steigenberger, jubelt darüber, dass der alte Name auch der neue ist. "Ich freue mich sehr, dass unsere Gemeinde wieder namensgebend war", sagt der Freizeitruderer, "besonders weil ich nun bald beim Rudern vom See aus den Namen meiner Heimat auf dem Schiff sehen kann."

Um die Benennung des Schiffes, das bis dato unter dem Arbeitstitel "MS 2020" gelaufen war, hatte es reichlich Rangelei gegeben. Beworben hatten sich auch Münsing, Possenhofen und Tutzing. Bürgermeisterin Marlene Greinwald sagte: "Ich bin sehr enttäuscht, dass das Schiff nicht Tutzing heißen wird, schließlich haben wir eine große Anlegestelle und viel Fährverkehr."

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", teilt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker mit. Er wolle die lange Tradition fortführen, dass auch neue Schiffe wieder den Namen einer der Gemeinden am See tragen. "Die neue Berg ist ein Rekordschiff: Als deutschlandweit erstes Seenschiff dieser Größe wird es zu 100 Prozent elektrisch und mit Ökostrom betrieben", so der Minister - und darum führt es auch nicht das Kürzel "MS" im Namen wie alle anderen Dampfer, sondern ein "EMS" für Elektromotorschiff.

Die EMS Berg also, die bereits im März zu ersten Einstellungsfahrten aufs Wasser glitt, aber deren Taufe noch aussteht, hat neben Wlan, Fahrstuhl und Panoramadeck auch breitere Durchgangswege als ihre Vorgängerin, sodass nun Fahrräder an Bord mitgenommen werden können. "Das hatten sich die Passagiere gewünscht, die im Süden des Sees radelten und ihre Fahrräder bislang nur auf der MS Bernried mitnehmen konnten", sagt Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Elektrofahrräder können an Bord sogar nachgeladen werden. Die Akkus der EMS Berg mit 1600 Kilowattstunden reichten für einen Tageseinsatz mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde, am Abend werde das Schiff an einem eigenen Anleger aufgeladen. Dafür wurde eigens eine neue Anlage gebaut.

Der Innenausbau kam aufgrund von verspäteten Materiallieferungen langsamer voran als geplant. Bis zuletzt wurde noch an den Treppenaufgängen gespachtelt, nun ziert ein historisches Foto mit einem Ernte-Motiv vom Haus der Bayerischen Geschichte die Innenwände. Automaten halten Getränke und Snacks bereit. Äußerlich fügt sich die Berg ins Bild der weiß-blauen Flotte ein, eine Edelstahl-Reling umzäunt das Oberdeck, das von einer Aussichtsplattform gekrönt ist.

Wann die für 300 Menschen ausgelegte EMS Berg ablegen kann, ist noch unklar. Die Seenschifffahrt ist aktuell bis zum 9. Mai gesperrt, Öffnungsschritte sind laut Grießer nur nach Absprache mit dem Freistaat Bayern möglich und auch erst dann sinnvoll, wenn die Außengastronomie wieder aufsperren darf.

Bis dahin müssen die Kapitäne noch das Rangieren mit dem Elektroschiff üben. Anders als bei Verbrennungsmotoren zieht der E-Motor ohne Verzögerung an. Statt Motorenbrummen hört man dabei Wasserplätschern, erzählt der Starnberger Betriebsleiter Markus Färber. "Es ist ein tolles Gefühl, als würde man lautlos übers Wasser schweben", sagt er. Badegäste und Ruderer werden sich wohl noch daran gewöhnen müssen, dass nun ein Schiff auf dem See unterwegs sein wird, das man kaum hört.

© SZ vom 30.04.2021/kafe
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