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"Ungereimtheiten":Starnberger Landratsamt schließt Corona-Teststation

Coronavirus - Mobile Antigen-Schnellteststrecke

Schnelltests auf Corona sind auch in der Station im ehemaligen Undosa in Starnberg gemacht worden.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Kunden sollen in "Hugos Beach-Club" im Undosa teilweise keine oder unvollständige Ergebnisse erhalten haben, auch sollen Tests nicht immer gratis gewesen sein. Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück.

Von Carolin Fries und David Costanzo

Das Landratsamt hat die Corona-Teststation im ehemaligen Undosa in Starnberg geschlossen, weil es zu "Ungereimtheiten bei der Übermittlung von Testergebnissen" gekommen sei, so Landratsamtssprecher Christian Kröck. In den vergangenen Wochen habe es vermehrt Beschwerden gegeben, dass getestete Personen entweder gar kein Ergebnis erhielten oder aber die Nachweise unvollständig gewesen seien. Zudem sollen die Tests nicht immer kostenlos gewesen sein. Der Betreiber habe die Vorwürfe nicht widerlegen können. "Deshalb hat die Kreisbehörde die Beauftragung widerrufen." Seit Montag ist die Teststation im einstigen Promi-Lokal direkt am Seeufer geschlossen.

Boris Bill nennt das "ungerecht". Der Münchner Dermatologe und Chirurg hat die Station in "Hugos Beach-Club" zusammen mit dem Dienstleistungsunternehmen H&E GbR von Hümeyra Koc und Ebert Aziz betrieben. Vom Eröffnungstag am 21. April bis zum 4. Juni hätten sich etwa 6000 Menschen testen lassen, manche mehrmals und regelmäßig, so Koc. Insgesamt seien 5474 Antigen-Schnelltests und 2892 PCR-Tests erfolgt. Jede Testperson habe ihr Ergebnis vollständig erhalten, versichern Koc und Aziz. Manchmal sei es nur zu Verzögerungen bei der Übermittlung gekommen, weil etwa die E-Mail-Adresse falsch eingetippt und erst beim zweiten Versuch zugestellt worden sei: "Überall, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler."

Starnberger See St. Josef Kirche & Undosa

Seit Ende April wurden in „Hugos Beach-Club“ im Undosa am Starnberger See mehr als 8000 Corona-Tests vorgenommen.

(Foto: Nila Thiel)

Für die normalen Bürgertests habe man auch nie Geld verlangt, beteuert Koc. Lediglich für das englischsprachige Reisezertifikat, das zur Einreise in einige Länder benötigt wird, habe man eine Gebühr von zehn Euro erhoben. "Das ist völlig legal", sagt der Arzt Boris Bill. Wie auch bei Attesten handele es sich dabei um eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung - kurz Igel genannt-, die nach der Gebührenordnung für Ärzte nach eigenem Ermessen erhoben werde könne. Koc sagt, das Zertifikat koste in anderen Teststationen deutlich mehr.

Vize-Landrat Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) hatte das Testzentrum nach eigenen Angaben am Mittwoch besucht, um sich ein Bild von den Abläufen zu machen. Es habe eine "Vielzahl" von Beschwerden beim Landratsamt gegeben - nicht nur wegen der Gebühr für das Zertifikat oder ausbleibender Ergebnisse. Während seines Besuch sei sogar eine Frau aufgetaucht, um wegen der zehn Euro zu reklamieren.

Gilching: Landratskandidat Matthias Vilsmayer

Vize- Landrat Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) hat das Zentrum vergangene Woche selbst in Augenschein genommen.

(Foto: Nila Thiel)

Beach-Club-Chef Mathias Scheffel hat die Schließung überrascht: "Von Beschwerden habe ich nichts mitbekommen." Er habe nur die Räume im Lokal an die Betreiber des Zentrums vermietet. Solange die Testpflicht in der Außengastronomie galt, konnten sich dort unter anderem die Gäste vor ihrem Besuch abstreichen lassen, um mit dem negativen Ergebnis auf die Terrasse des Undosa zu kommen. Er habe angesichts von 150 bis 200 Tests am Tag den Eindruck gewonnen, dass die Station funktioniere. Seine eigene Familie sei vor einer Reise dort problemlos getestet worden. Scheffel bedauert die Schließung, da in der Gegend Teststationen rar seien.

Das Landratsamt hat angekündigt, auf Geheiß des Gesundheitsministeriums von dieser Woche an alle Corona-Teststationen im Landkreis zu überprüfen. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes würden die Stationen unangemeldet aufsuchen. Zudem werde man unabhängig von dieser Routineprüfung auch Beschwerden und konkreten Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehen, sollten diese auf Unregelmäßigkeiten hindeuten. Was den Besuch des Beach-Clubs, von Biergärten und Restaurant-Terrassen angeht, hat sich das Testen ohnehin erledigt - denn seit die Inzidenz im Landkreis vor zwei Wochen unter 50 gesunken ist, müssen Gäste kein negatives Ergebnis mehr vorlegen.

© SZ vom 08.06.2021/van
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Wegen zweifelhafter Vorgänge dürfen drei Betreiber einstweilen keine Schnelltests mehr vornehmen. In einem Fall hatte das Gesundheitsministerium lange gebraucht, um eine Beschwerde weiterzugeben.

Von Linus Freymark und Klaus Ott

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