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Freizeit:Das Ende der Strandbäder an Starnberger See und Ammersee

Sprung in den Starnberger See

Wer sich - wie hier im Freibad Garatshausen - kopfüber in den See stürzt, handelt eigenverantwortlich. Doch Bürgermeister und Gemeinderäte müssen bei Unfällen fürchten, dass sie sich persönlich strafbar machen, wenn sie nicht nachweisen können, alles Mögliche für die Sicherheit getan zu haben.

(Foto: Ursula Düren/dpa)

Rutschen, Badeflöße und Sprungtürme sollen weg: Bürgermeister planen den Abbau, denn bei Unglücken müssten sie den Staatsanwalt fürchten. Dießen macht den Anfang.

Mit der Rutsche ins Wasser, Sonnen auf dem Floß, sogar der Köpfer vom Steg: Uneingeschränkte Badefreuden an den Seen gehören wohl bald der Vergangenheit an - das Risiko bei Unfällen ist für Kommunen des Fünfseenlands nicht mehr tragbar. Bürgermeister und Gemeinderäte müssen fürchten, dass sie sich wegen Verletzung der Aufsichtspflicht strafbar machen. Da hört für sie der Spaß auf.

Den Anfang wird Dießen machen: Mit hoher Wahrscheinlichkeit beschließt der Gemeinderat am Montag, die kommunalen Strandbäder St. Alban und Riederau aufzulösen und sie zu sogenannten Badestellen zurückzubauen. Die Nachricht vom Haftungsrisiko hat sich in der vergangenen Woche in den Rathäusern des Fünfseenlands rasch verbreitet und schlägt auch an Starnberger, Weßlinger und Wörthsee Wellen. Nahezu alle Gemeinden mit Badegelegenheiten sind betroffen: In Naturbädern mit Zäunen und Eintrittsgebühren ist die nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2017 verschärfte Aufsichtspflicht praktisch nicht mehr zu erfüllen. Aber auch in den frei zugänglichen Badestellen der Kommunen müssen alle gefahrenträchtigen Konstruktionen wie Badeflöße oder schwimmende Baumstämme beseitigt werden.

Gemeinden müssten mehrere Bademeister einstellen

Zunächst war die Problematik in Dießen erkannt worden. Nachdem im September ein Strafrechtsexperte im Gemeinderat eindrücklich vor der Gefahr einer strafrechtlichen Organhaftung gewarnt hatte, zog das Rathaus die mehr als 300 Schlüssel ein, mit denen sich Dießener bis dato auch außerhalb der Öffnungszeiten Zutritt zum Bad in St. Alban verschaffen konnten. Daraufhin formierte sich um Peter Augsdörfer eine Gruppe von Bürgern, die eine jederzeit frei zugängliche Badestelle in Dießen forderte, wie sie auch in der Bayerischen Verfassung verbrieft ist.

Als nächstes brandete in Utting ein Sturm der Entrüstung auf, weil auch dort die Existenz des Naturbads in Frage stand. Mit Hilfe eines fast 20 000 Euro teuren Gutachtens soll das Haftungsrisiko der Gemeinde nun mit "zweckgerichteten Maßnahmen" ausgeschlossen werden. Eine ähnliche Lösung sei für die wesentlich größeren und unübersichtlicheren Dießener Bäder kaum praktikabel, sagte Bürgermeister Herbert Kirsch am Donnerstagabend auf der Bürgerversammlung: Es entstünde ein "unglaublicher Personalbedarf" an Schwimmmeistern, "unsere Pächter finden schon gar keine".

Am Freitag vergangener Woche hatte eine Gruppe von Bäderexperten der Verwaltungsschule Lauingen nach Inspektion der beiden Dießener Naturbäder das Rathaus über die rechtliche Situation informiert. Anschließend habe der Gemeinderat zwei Stunden lang nicht öffentlich getagt, sagte Kirsch. Als Fazit werde er dem Gemeinderat empfehlen, sich anstelle der Strandbäder für sogenannte offene Badestellen zu entscheiden: Die sollen zwar weiter mit Zaun und versperrbaren Toren gegen Vandalismus und nächtliche Ruhestörungen gesichert werden, Eintrittsgeld aber werde dann nicht mehr verlangt.

Stege werden vielleicht verschont, weil sie der Rettung dienen

Während Duschen, Sanitäranlagen und Kioske erhalten bleiben könnten, müssten bädertypische Einrichtungen wie Badefloß und Wasserrutsche verschwinden. Stege könnten wohl als Rettungswege vom Rückbau verschont werden, meinte Kirsch. Falls der Gemeinderat zustimmt, sei er optimistisch, Ende April unter den veränderten Bedingungen die Badesaison eröffnen zu können. Zuvor müssten aber noch die Verträge mit den Pächtern geändert und die Schlösser ausgewechselt werden. Augsdörfer fragte nach, ob die "Badestellen" ganzjährig und abends geöffnet bleiben können, und wünschte sich tägliche Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr - Kirsch nahm dazu nicht direkt Stellung, schließlich ist dazu ja auch noch der Gemeinderat gefragt.

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Der Bürgermeister erwähnte auch, dass ihn zur Strandbadproblematik am Mittwoch und Donnerstag seine Amtskollegen aus Herrsching und Feldafing befragt hatten. Christian Schiller nahm das Thema - "eine Katastrophe" - sofort auf die Tagesordnung für die Sitzung des Herrschinger Gemeinderats am Montag. In Tutzing und Feldafing bestehen - noch - klassische Strandbäder. Auch Bernhard Sontheim rechnet damit, die Feldafinger Institution zur Badestelle zurückbauen zu müssen - sonst müssten permanent drei Bademeister anwesend sein, die das Areal überwachen: "Wer soll das bezahlen?", fragt Sontheim, der am Donnerstag auch Tutzings Rathauschefin Marlene Greinwald am Rande der Kreistagssitzung alarmiert hat.

Wie alle Betroffenen ist auch Sontheim empört, dass durch drohende Klagen "unsere Lebensqualität zunehmend eingeschränkt wird". Kirsch erzählte am Donnerstagabend: "Ich bin als Kind von der Rutsche gefallen - Ihr könnt jetzt sagen, das merkt man - und hab mir die Hand gebrochen. Meine Eltern haben gesagt: Schön blöd. Heute muss man den Sand an der Rutsche untersuchen, ob er sich nicht verfestigt hat." Für die voll besetzte Bürgerversammlung hatte er aber auch noch eine gute Nachricht: Er rechne damit, dass auf dem vormals von Dauercampern belegten Gelände südlich des Strandrestaurants in Riederau bald ein weiterer Seezugang realisiert werden kann. Für den neunjährigen Rechtsstreit mit der Segelgemeinschaft Augsburg, die dort ein aus Dießener Sicht ungenehmigtes Clubheim hat, sei nun ein Verhandlungstermin festgesetzt worden. Dießen wolle bei der Ausweisung als öffentliche Grünfläche "kein Jota nachgeben". Dort könne man auch jetzt schon ans Wasser, "mein Wunsch ist, dass da ein noch Steg hinkommt", sagte Kirsch.

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