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Hotels öffnen an Pfingsten:Im Fünfseenland sind noch Zimmer frei

Veronika Bove führt das Hotel Reschen in Tutzing. Einige Gäste haben ihre Reservierungen storniert wegen der aufwendigen Corona-Tests.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Tourismus-Branche und Gäste sind verunsichert wegen der strengen Corona-Auflagen. Im Sommer sollen dann wieder alle 5000 Betten im Landkreis ausgebucht sein.

Von Christine Setzwein

Die Stimmung von Wilfried Hauer ist schlecht, geradezu grottenschlecht. Dabei müsste sie eigentlich gut sein, darf doch das "Boutique Hotel Reschen" in Tutzing vom 21. Mai an wieder Urlauber empfangen. Und eigentlich ist das Haus, das seine Tochter Veronika Bove führt, auch bestens gebucht. Doch an diesem Dienstag hat er bereits drei Stornierungen aufnehmen müssen. Grund: Den Gästen ist das vorgeschriebene Testen auf Corona alle 48 Stunden zu aufwendig. "Es kann doch nicht sein, dass ich den Gast schikanieren muss", schimpft Hauner. Und warum müssen sich Urlauber regelmäßig testen lassen, Geschäftsreisende aber nicht? "Da ist keine klare Linie drin", kritisiert er in Richtung Politik.

Am Pfingstwochenende dürfen Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen, Jugendherbergen und Campingplätze wieder öffnen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt; die Anreise der Gäste ist schon am 21. Mai möglich. Sie müssen einen maximal 24 Stunden alten negativen PCR- oder Schnelltest (oder Selbsttest unter Aufsicht) vorlegen, alle 48 Stunden wird ein weiterer Test nötig. Beherbergungsbetriebe dürfen ihre Gäste auch bis 22 Uhr im Innenbereich bewirten, außerdem ihre Kur-, Therapie- und Wellnessangebote öffnen wie Schwimmbäder, Fitnessräume und Solarien. So weit, so gut. Aber so ganz scheinen die Menschen dem Frieden nicht zu trauen.

Für die Pfingstferien "bemerken wir noch Zurückhaltung bei den Buchungen", sagt Klaus Götzl, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter für Tourismus bei der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg (GWT). Auch wenn die Leute froh seien, das sie wieder rausdürfen, seien einigen die Corona-Tests alle 48 Stunden wohl zu viel. Anderseits "legen die Gäste wahnsinnig viel Wert auf Sicherheit", so Götzl. Die GWT will die Hotellerie unterstützen, indem sie zum Beispiel Listen mit den Testmöglichkeiten in der Umgebung erstellt. "Man darf nicht alles auf die Gastgeber abwälzen."

Trotzdem ist Götzl guten Mutes, dass spätestens zum Sommer hin alle 5000 Gästebetten im Fünfseenland ausgebucht sind. "Für Juli und August haben wir bereits viele Reservierungen." Die Region habe den Touristen auf und an den Seen auch viel zu bieten: die Schifffahrt auf dem Starnberger See und Ammersee, Biergärten, Museen und Kinos, die wieder öffnen dürfen, Fahrradverleih und Stadtführungen. Die GWT bietet Einzelhändlern, Freizeiteinrichtungen sowie Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben die Luca-App an, weil die an die Gesundheitsämter angebunden ist und die Nachverfolgung einer Infektion so leichter sei.

"Nur noch ein Angebot verfügbar" für Pfingsten, meldet Birgit Kühnel. In ihren "Appartements am Schlossberg" in Starnberg vermietet sie drei Ferienwohnungen, die sie über das Buchungssystem der GWT anbietet. "Es läuft ganz gut", sagt sie. Fast täglich kämen Anrufe aus ganz Deutschland, ob es noch freie Unterkünfte gebe in dem alten Bürgerhaus aus der Biedermeierzeit. Corona-Tests seien bisher kein großes Thema gewesen.

Im gräflichen Rentamt in Seefeld sind sie es. Auf dem Campingplatz Pilsensee, der Cajetan Graf zu Toerring-Jettenbach gehört, gibt es 150 buchbare Stellplätze - 350 sind an Dauercamper vermietet. In den Pfingstferien sind wir "fast voll", sagt Liegenschaftsverwalter Martin Zerhoch. Doch wie soll auf dem Platz kontrolliert werden, ob alle Gäste alle 48 Stunden einen Schnelltest machen? Das neue Terminal, an dem man kontaktlos einchecken kann, sei noch nicht auf Tests eingestellt. "Wir sind gerade am Organisieren, dass wir das alles noch hinkriegen", sagt Zerhoch. Alle Gäste sollen vor der Anreise über die genauen Modalitäten informiert werden - die sich bis Pfingsten ja wieder ändern könnten. Dass Gastgeber, ob Hotels, Pensionen, Gastronomie oder Campingplatzbetreiber "immer von Null auf Hundert" reagieren müssten, sei ärgerlich.

Klaus Götzl meint, es müsse nun Maßgabe an die Politik sein, auch über einer Inzidenz von 100 offen zu lassen. "Sonst machen viele überhaupt nicht mehr auf." Daran denken auch Vater Wilfried Hauer und Tochter Veronika Bove. "Wir überlegen wirklich, ob wir zumachen", sagt Hauer, während Bove damit beschäftig ist, alle Informationen zu Corona auf der Homepage des Boutique Hotels Reschen wieder einmal auf den aktuellen Stand zu bringen. Der Sommer zumindest sei gut gebucht. Ob die Innenbewirtung in den Gaststätten und Restaurants bis dahin möglich ist und welche Vorschriften und Einschränkungen dann auf die Gäste zukämen, "kann ich heute noch nicht sagen", so Hauer. Er und seine Familie sind wirklich frustriert. Sein Fazit: "Wenn ich heuer Urlaub machen wollte, würde ich nach Österreich, Italien, Spanien oder Griechenland fahren."

© SZ vom 14.05.2021
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