Starnberg:Trainieren für Samuel

Lesezeit: 2 min

Samuel Flach ist seit einem Badeunfall im Vorjahr von der Brust an abwärts querschnittsgelähmt. Sein ehemaliger Tischtennis-Trainer sammelt Geld für die nächste Reha.

Benedikt Warmbrunn

- Es sind viele kleine Dinge, aber wenn Samuel Flach sie zusammennimmt, weiß er, dass er eine Menge erreicht hat. Dass er alleine von der Uni nach Hause fährt, in die U-Bahn einsteigt, wieder aussteigt, die Haustüre aufschließt, die Jacke auszieht. Es ist noch nicht viele Monate her, da hätte er das alleine nicht geschafft. Wenn Flach an den Weg von der Uni nach Hause denkt, weiß er daher, dass er ziemlich selbstständig geworden ist.

Samuel Flach, 21, ist seit Juli 2011 querschnittsgelähmt, von der Brust an abwärts. Nach dem Abitur war er mit zwei Freunden durch Afrika gereist. Seinen 20. Geburtstag feierte er am Meer von Sansibar. Beim Baden sprang Flach ins bauchtiefe Wasser, mit einem vermeintlich flachen Hechtsprung - und brach sich dabei den fünften Halswirbel. Er wurde fünf Monate lang in Nairobi betreut, bis kurz vor Weihnachten 2011. Auch nach seiner Rückkehr ist er weiter zur Therapie gegangen, dreimal war er seither in einem Rehazentrum in Pforzheim. Dabei hat er immer mehr gespürt, wie er eine Kleinigkeit nach der anderen verbesserte.

Sechs Wochen dauert ein Aufenthalt in Pforzheim, zwei Betreuer kümmern sich dann sechs Stunden täglich um Flach. Da in diesem Feld aber noch viel geforscht wird, übernehmen die Krankenkasse nicht die Kosten von 25 000 Euro pro Monat. Um Flach dennoch einen weiteren Aufenthalt zu ermöglichen, veranstaltet Pera Mohanamoorthy, Flachs ehemaliger Tischtennis-Trainer beim TSV Herrsching, am 2./3. November einen Tischtennis-Lehrgang in der Starnberger Brunnangerhalle. An beiden Tagen gibt es je zwei zweieinhalbstündige Einheiten für 30Teilnehmer, am Freitag um 14 sowie um 18 Uhr, am Samstag um 10 sowie um 14 Uhr. Mohanamoorthy wird dabei von sieben Trainer unterstützt, dazu von Sparringspartnern aus der Ober- und Regionalliga. "Wir wollen einen Anreiz geben, dass solche Aktionen öfter gemacht werden", sagt Mohanamoorthy.

Flach hat seit seinem Unfall auch das eine oder andere Mal wieder Tischtennis gespielt. Es war ein weiterer kleiner Erfolg für ihn, ermöglicht durch die Reha. "Ich habe dort ein deutlich besseres Körpergefühl bekommen", sagt er, "ich habe mehr Stabilität im Körper, sitze besser im Rollstuhl." Er kann nun selbst kontrollieren, dass er nicht zur Seite kippt, wenn er einen Gegenstand aufnehmen will oder dass er nicht nach vorne fällt, wenn es bergab geht. Außerdem hat er wieder mehr Gefühl in den Füßen, er spürt nun zum Beispiel, wenn er an den Sohlen gestreichelt wird. "Das klingt nach wenig, aber es ist viel wert", sagt Flach.

Ein großer Erfolg war es, als er, unterstützt durch seine Therapeuten und einen Rollator, aufrecht stand und sich vorstellte, dass er das eine Beine nach vorne bewegt, dann das andere. "Die Idee ist, dass alte Muster in Gang gesetzt werden, dass sich das Rückenmark wieder an die alten Bewegungen erinnern kann", sagt Flach, "denn das komplette Laufen hat ja viel mit Reflexen zu tun." Und jeder Reflex, an den sich sein Körper wieder erinnert, erleichtert ihm den Alltag.

Seit Oktober konzentriert sich Flach auf sein Ethnologie-Studium an der LMU. In die Reha würde er gerne in den Semesterferien gehen. Irgendwann will er auch wieder mehr Tischtennis spielen, aber nicht aus sportlichem Ehrgeiz. "Ich beschäftige jetzt ständig meinen Kopf, beim Lesen, am PC", sagt Flach, "da ist Tischtennis einfach eine angenehme Abwechslung."

Eine Einheit bei dem Lehrgang kostet 20 Euro, Interessierte können sich per E-Mail unter pera@bttv.de anmelden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema