Landtagswahlen im Landkreis Starnberg:"Es ist zum Heulen"

Landtagswahlen im Landkreis Starnberg: Kein Grund zum Jubeln: Christiane Feichtmeier (rechts) und Carmen Wegge im Starnberger SPD-Büro

Kein Grund zum Jubeln: Christiane Feichtmeier (rechts) und Carmen Wegge im Starnberger SPD-Büro

(Foto: Georgine Treybal)

Bei SPD und FDP herrscht Katerstimmung. Freie Wähler, Grüne und AfD sind zufrieden. Die CSU-Kandidatin hätte sich mehr gewünscht.

Von Michael Berzl, Christian Deussing, Linus Freymark und Carolin Fries, Starnberg

Britta Hundesrügge ist enttäuscht, da macht sie keinen Hehl draus. 2,9 Prozent für die FDP? "Das ist für mich persönlich ärgerlich, man kann auch sagen scheiße." Die Direktkandidatin der Liberalen aus Gauting telefoniert abends von der Terrasse des Lokal "Ella" in München, wo die Münchener FDP feiert. "Doch was heißt schon feiern!" Ernüchtert sei die Stimmung nach den ersten Hochrechnungen. "Obwohl das ja keine Überraschung war", wie sie sagt. Dennoch habe man bis zum Schluss gehofft, "wir sind ja eine Partei, die den Abstiegskampf gewohnt ist". Ihre Vermutung: Die Wähler, die die FDP verloren hat, sind zur CSU gewechselt. "Die dachten, wir schaffen das auch so. Fatal."

Katerstimmung herrscht auch bei der SPD. "Ich bin total enttäuscht", sagt Direktkandidatin Christiane Feichtmeier. "Es ist zum Heulen", kommentiert sie das historisch schlechte Ergebnis für ihre Partei. Die Gründe dafür sieht die Tutzingerin zum einen bei ihrer Partei: Man habe es nicht geschafft, mit den sozialdemokratischen Themen durchzudringen. Zum anderen hätten CSU und Freie Wähler aber auch den öffentlichen Diskurs zu sehr auf die Ampel-Koalition in Berlin zugespitzt. Es sei dauernd nur um den Streit in der Ampel, das Heizungsgesetz oder die mangelnde Präsenz des Kanzlers gegangen - nicht aber um bayerische Themen, so Feichtmeier.

Das kann Grünen-Kandidatin Andrea Schulte-Krauss nur bestätigen. Dass es ihrer Partei "trotz des Ampel-Bashings" gelungen ist, mit 14,9 Prozent das Ergebnis von 2018 mit 17,6 Prozent fast zu halten, das freut sie. Denn "wir Grüne in Bayern haben Lösungen für hier." Sie hofft, dass die Grünen damit zweitstärkte Kraft bleiben und nicht von der AfD überholt werden: "Das wäre ein fatales Signal - für Deutschland und die Welt."

Zufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei ist auch Matthias Vilsmayer, Direktkandidat der Freien Wähler. Man habe erneut bei dieser Wahl zugelegt und das bisher beste Resultat bei Landtagswahlen erzielt, freut sich der Gilchinger. Er hoffe aber, dass die Freien Wähler noch die drittstärkste Kraft in Bayern werden. Vilsmayer rechnet sich zudem noch gute Chancen aus, ins Maximilianeum einzuziehen. "Schlimm" findet der 51-Jährige hingegen das Abschneiden der AfD. "Das ist leider erschreckend und sehr ärgerlich", sagt der Vize-Landrat besorgt. Er hoffe, dass die AfD im Stimmkreis Starnberg unter zehn Prozent liegen wird. Trotz allem: Die Stimmung im Münchner Augustiner-Keller bei der Feier der Freien Wähler ist prächtig, an der Vilsmayer teilnimmt.

"Etwas mehr hätte ich mir schon gewünscht", sagt die CSU-Direktkandidatin Ute Eiling-Hütig aus Feldafing angesichts der ersten Prognosen nach Schließung der Wahllokale in Bayern. Mit konkreteren Aussagen hält sie sich zurück, bis alle Stimmen ausgezählt sind. Klar ist aber schon bald, dass die AfD mit deutlich mehr Abgeordneten in den Landtag einziehen wird. "Das macht mir Sorge, dieses hohe Ergebnis", sagt die CSU-Abgeordnete. Durch die Rechtspopulisten habe sich die Debattenkultur schon bisher verändert, "ich rechne damit, dass da noch etwas draufgelegt wird", sagt die 55-Jährige. Auch die Freien Wähler werden stärker, der Koalitionspartner der CSU. Über die Folgen wollte Eiling-Hütig noch nicht äußern und den Koalitionsverhandlungen nicht vorgreifen. Das gilt auch für ihre eigene Rolle. Sie würde aber sehr gerne in dem Bereich Bildung und Wissenschaft weiterarbeiten: "Das sind meine Steckenpferde und mein Spezialgebiet". Die promovierte Historikerin ist unter anderem Mitglied im Ausschuss für Bildung und Kultus und im Rundfunkrat.

In einem kroatischen Lokal in Königsdorf hat der AfD-Kandidat Alexander Neumeyer aus Seeshaupt zusammen mit etwas 50 Parteifreunden gefeiert. Die Stimmung war gut. "Ich habe immer gesagt, wenn wir über 14 Prozent sind, ist es gut, wenn es über 15 sind, ist es ausgezeichnet."

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