Einbrecher im Modehaus:Fassungslos vor leeren Regalen

Einbrecher im Modehaus: "Natürlich kriegt man da die Krise": Geschäftsführer Gerhard Klöpfer in seinem von Einbrechern leer geräumten Modegeschäft in Gauting.

"Natürlich kriegt man da die Krise": Geschäftsführer Gerhard Klöpfer in seinem von Einbrechern leer geräumten Modegeschäft in Gauting.

(Foto: Arlet Ulfers)

Innerhalb weniger Tage werden die beiden Modehäuser der Brüder Klöpfer in Starnberg und Gauting von Einbrechern heimgesucht. Dabei hatten sie die Ladenöffnungen nach dem Lockdown so herbeigesehnt.

Interview von Jessica Schober

Die Regale sind leer, die Geschäftsführer fassungslos: Die Modehäuser der Brüder Gerhard und Christoph Klöpfer in Gauting und Starnberg sind innerhalb weniger Tage ausgeraubt worden. Erst hatte vor etwa einer Woche die Hauptfiliale des Familienunternehmens in der Kreisstadt getroffen, nun plünderten über Pfingsten mutmaßlich mehrere Täter auch den Laden in Gauting. Ein Fall, der im Landkreis ohne Beispiel sein dürfte. Textilkaufmann Gerhard Klöpfer, 60, führt das ihm zufolge zum vierten Mal ausgeraubte Gautinger Geschäft seit 1984, ihn am Telefon zu erwischen, ist nicht leicht, denn am Vormittag herrscht rege Betriebsamkeit.

SZ: Herr Klöpfer, wie ist die Lage im leeren Laden?

Gerhard Klöpfer: Es ist schwierig, aber das Leben geht weiter. Ich muss ja weiter machen. Ich komme gerade von der Bank, musste erst mal wieder Wechselgeld holen, es war ja kein Cent mehr in der Ladenkasse. Mir ist wirklich alles geklaut worden. Die Anzüge für 550 Euro genauso wie die Sockenpaare für zehn Euro. Lederjacken, Gürtel, Unterwäsche. Die Einbrecher haben die teure Kaffeemaschine mitgenommen und sogar die Süßigkeiten, die ich für meine Kunden vorhalte, Kokoskonfekt zum Naschen. Meine Güte, diese Diebe können mit ihrer Beute jetzt wohl irgendwo anders einen neuen Laden komplett ausstatten. Tja. Und wir wurden ja letzte Woche schon in Starnberg heimgesucht, da wurde der Laden meines Bruders leer geräumt, jetzt hier das Gleiche noch mal. Es deutet so manches daraufhin, dass das dieselben Leute gewesen sein müssen. Die sind zumindest mit der gleichen Chuzpe vorgegangen.

Wie kamen die Täter wohl in den Laden?

Wir müssen über einen längeren Zeitraum ausspioniert worden sein. Ich vermute, dass die Täter am helllichten Tag die Sicherung ausgeschaltet haben. Wir haben nämlich eine elektrisch betriebene Lichtschaltuhr im Schaufenster, und die war bei 16.45 Uhr stehen geblieben, als ich nach Pfingsten in den dunklen, leeren Laden kam. Ich vermute also, dass die Täter am Samstag oder Pfingstsonntag am Dachfenster hinterm Haus mit schwerem Gerät angerückt sind. Da braucht man schon einen Spezialbohrer. Das Fenster war doppelt und dreifach gesichert, es hatte ein Gitter. Und weil ich ja schon 2008 ungebetenen Besuch von Einbrechern hatte, hatte ich das Fenster nochmals von innen und außen mit Stahl verstärkt. Die Diebe müssen das in großer Seelenruhe direkt auf dem Dach abmontiert haben, dann sind sie eingestiegen und an den Sicherungskasten gegangen, so vermute ich. Und dann kamen sie womöglich im Dunkeln wieder und haben die Sachen in einen Lieferwagen geräumt. Eine Alarmanlage hatte ich nicht.

Wie haben Sie den Einbruch bemerkt?

Es war wie ein Déjà-vu! Als ich am Dienstag wie immer um 8.45 Uhr meinen Laden aufgesperrt habe, war ich genauso platt wie am vorvergangenen Sonntag, als ich den Laden meines Bruders aufgesperrt habe. Beide Läden waren leer geräumt. Da war mir sofort klar, was passiert war. Leere Regale, leere Kleiderbügel. Es lag noch Füllmaterial herum, mit dem etwa Damentaschen ausstaffiert waren. Auch die Anzüge waren von den Bügeln abgehängt. Das herausgebrochene Fenstergitter war feinsäuberlich in der Abstellkammer versteckt. Die Zeit muss man sich erst mal nehmen!

Wie hoch ist der Schaden?

Das rechne ich gerade zusammen. Die geklauten Kleidungsstücke hatten einen Verkaufswert von 140 000 Euro, es war noch Wechselgeld in der Kasse, einige Wertgegenstände wurden entwendet, der Schreibtisch wurde aufgebrochen, das Fenster zerstört. Im Laden meines Bruders beläuft sich der Verkaufswert der gestohlenen Ware auf 170 000 Euro.

Haben Sie eine Idee, warum es Sie traf?

Ich kann es mir überhaupt nicht erklären. Mein Bruder und ich, wir sind mit niemandem verkracht, wir haben keine alten Rechnungen offen. Wissen Sie, als Kaufmann kann man kein Geschäft machen, wenn man mit Leuten verkracht ist. Unser Familienunternehmen ist jetzt seit 1896 in Starnberg ansässig. Wenn Sie so wollen, haben meine Vorfahren schon zehn Jahre nach dem Tod von König Ludwig II. hier ein Geschäft gehabt, mein Bruder und ich führen es nun in fünfter Generation. Ich habe mein Handwerk beim Hirmer und mein Bruder beim Lodenfrey in München gelernt. Hier in Gauting wurde unser Geschäft inzwischen das vierte Mal ausgeraubt, erst 1992, dann zuletzt 2008, damals wurde alles von der Marke Hugo Boss geklaut.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Wir müssen jetzt schauen, dass wir wieder an frische Ware kommen und den Laden wieder bestücken können. Das Nachbestellen ist schwieriger geworden durch Corona. Viele Textilfirmen sind in Kurzarbeit und haben nicht so viel Ware auf Lager, dadurch müssen wir wesentlich länger auf eine Lieferung warten. Ich hoffe, dass ich in zwei Tagen wieder Anzüge und Polo-Shirts da habe. Aber man muss das natürlich alles organisieren. Ansonsten sind wir zwar gegen Diebstahl versichert, aber die Versicherung ist natürlich nicht sonderlich amüsiert, wenn sie alle acht bis zehn Tage einspringen muss. Wir bekommen aber nur den Einkaufswert erstattet. Ob wir auch einen Anspruch auf Gewinnausfall haben, weiß ich noch nicht.

Der Einzelhändel öffnet gerade nach langem Corona-Lockdown wieder. Und Sie haben plötzlich einen leeren Laden.

Das ist ein ganz schlechter Zeitpunkt für uns. Der Mai ist zwar sehr gut angelaufen, aber ohne Ware kann ich jetzt natürlich nichts verkaufen. Letzte Woche habe ich noch meinem Bruder einiges an Ware nach Starnberg gefahren, aber er hat nun auch keine Bestände mehr, die er mir zurückbringen kann. Ich habe noch ein geringes Sortiment von Hosen da, mit denen hatten wir eine Angebotswoche geplant, zwei zum Preis von einer. Na ja. Natürlich kriegt man da die Krise. Aber jetzt steht übrigens gerade ein Herr von einem Schlüsseldienst vor mir, der wird ein neues Schloss in den Öltank einbauen. Die Einbrecher haben nämlich sogar den Schlüssel dafür geklaut. Nicht dass die wiederkommen und uns noch das Öl abzapfen. Man weiß ja nie ...

© SZ vom 27.05.2021
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