Gefahr auf der A 95:Neun Aquaplaning-Unfälle an einem Tag

Gefahr auf der A 95: Gewohntes Bild: bei Regen muss die Freiwillige Feuerwehr häufig zu Unfällen wegen Aquaplaning ausrücken.

Gewohntes Bild: bei Regen muss die Freiwillige Feuerwehr häufig zu Unfällen wegen Aquaplaning ausrücken.

(Foto: Feuerwehr Starnberg)

Alle verursacht von Männern zwischen 23 und 40 Jahren, die offenbar zu schnell unterwegs waren. Auf der Garmischer Autobahn steigt seit drei Jahren die Zahl der Unfälle bei starkem Regen. Manch ein Feuerwehrmann denkt an ein Tempolimit.

Von Christian Deussing, Starnberg

Wenn es regnet, kracht es immer häufiger auf der Garmischer Autobahn A 95. Allein am Samstag passierten neun Aquaplaning-Unfälle - alle verursacht von Männern zwischen 23 und 40 Jahren, die laut Polizei mit zu hoher Geschwindigkeit auf nasser Fahrbahn unterwegs gewesen seien. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, der Gesamtschaden beträgt knapp 162 000 Euro. Die Folge in allen Fällen: Sperrung, Stau und viel Arbeit für Polizei und freiwillige Feuerwehren.

Am Montagvormittag war der Rettungsdienst nötig, denn es hat im Regen gleich wieder bei Oberdill in Richtung Süden gekracht: Auch hier habe wohl nicht angepasste Geschwindigkeit zum Unfall geführt, berichtet Hubert Schwaiger, Leiter der Autobahnpolizei in Weilheim. Eine 31-jährige Münchnerin sei zu schnell gefahren, ins Schleudern geraten und in beide Leitplanken geprallt.

Die Fahrerin kam mit Brust- und Kopfverletzungen ins Krankenhaus, an ihrem Auto entstand nach Polizeiangaben ein Totalschaden von 15 000 Euro. Der Stau reichte acht Kilometer bis Fürstenried zurück, die mittlere und linke Spur mussten zeitweise gesperrt werden. 23 Feuerwehrleute aus Starnberg, Neufahrn und Percha räumten die Unfallstelle vor dem Starnberger Dreieck.

In den ersten sieben Monaten des Jahres ereigneten sich allein zwischen den Ausfahrten Fürstenried und Seeshaupt bereits 46 Aquaplaning-Unfälle, davon 16 mit Verletzten. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 900 000 Euro, wie Schwaiger vorrechnet. Im selben Zeitraum des Vorjahres seien nur 37 Unfälle und 770 000 Euro Schaden registriert worden. 2019 waren es sogar nur 27 Unfälle bei Aquaplaning und 420 000 Euro Schaden. "Also ein eindeutig negativer Trend", sagt Schwaiger.

Tipps bei Aquaplaning

Als Aquaplaning - auch Wasserglätte - wird laut ADAC das Aufschwimmen eines Reifens auf nasser Straße bezeichnet. Dabei schieben sich Wassermassen wie ein Keil zwischen Fahrbahn und Reifen, die dieser nicht mehr verdrängen kann - er verliert die Haftung, schwimmt auf und wird unbeherrschbar. Grundsätzlich gilt: runter vom Gas und auf Spurrillen und Senken achten, in denen sich Regen schnell sammeln kann. Schwimmt das Auto auf, rät der ADAC: "nicht lenken, nicht bremsen, nicht beschleunigen, keine hektischen Fahrmanöver, Fahrzeug ausgekuppelt rollen lassen, Lenkrad gerade halten, bis die Reifen wieder Kontakt zur Fahrbahn haben". Aquaplaning kündige sich oft durch Geräusche an, wenn Wasser durch den Radkasten rausche und an den Unterboden strahle. Quelle: www.adac.de

Es falle auch auf, dass vor allem teure und schnelle Autos mit Assistenzsystemen an diesen Unfällen beteiligt seien. Sich aber auf diese Technik zu verlassen, sei trügerisch, warnt der Chef der Autobahnpolizei. Denn auch diese hochwertigen Fahrzeuge hätten "keine eingebaute Aquaplaningsicherheit". Es sei daher wichtig, gerade bei diesen Wetterverhältnissen Spurrillen, Kurven und Verschwenkungen zu beachten und langsamer zu fahren. Schwaiger betont, dass Sportwagen mit viel breiteren Reifen bei Nässe bereits mit 90 Stundenkilometern oft keine Bodenhaftung mehr hätten und abheben könnten.

"Es scheppert bei Regen in diesem Jahr extrem oft"

Das weiß auch Martin Seitner, Kommandant der Feuerwehr Neufahrn. "Diese Autos fliegen weg, wenn sie zu schnell fahren", sagt der Feuerwehrchef. Die Trümmer seien nicht selten auf 50 Metern verteilt. "Wir mussten heuer so oft wie noch nie zu Aquaplaning-Unfällen ausrücken", berichtet Seitner. Besonders gefährlich seien die ansteigende Kurve kurz vor Höhenrain in Richtung Süden und die dreispurige Strecke zwischen Oberdill und Fürstenried. Seitner notiert schon 40 Einsätze, zu denen seine Kräfte zwischen Fürstenried und Höhenrain alarmiert wurden - meist mit den Feuerwehren aus Starnberg, Hohenschäftlarn sowie Höhenrain.

Besonders gefordert sind auch die Feuerwehrleute aus dem Starnberger Ortsteil Wangen. "Es scheppert bei Regen in diesem Jahr extrem oft", sagt Kommandant Florian Feuerlein. Am schlimmsten sei es bisher im Juni gewesen. Mit einem Vorwarn-Anhänger sichert zudem oft die Berger Feuerwehr in ihrem Abschnitt Unfallstellen auf der Garmischer Autobahn ab, die als 68 Kilometer lange Rennstrecke mit wenigen Lastwagen beliebt und gefürchtet ist. Bergs Kommandant Bastian Sandbichler schlägt daher vor, auch mal über ein Tempolimit von 130 zu reden.

© SZ vom 31.08.2021/lfr
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