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Carsharing am Starnberger See:E-Auto da, Ladesäule da - aber der Strom fehlt

Die Stromzapfsäule steht bereit am Rathausparkplatz, auch das E-Auto ist schon längst angeschafft, nur ein Zwischenschalter muss noch von der Bayern Netz GmbH eingebaut werden. Dass das so lange dauert, ärgert Pöckings Mobilitätsreferenten und Grünen-Gemeinderat Christoph von Grona.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Gemeinde Pöcking will Vorreiter beim E-Carsharing sein. Doch seit Monaten geht nichts voran, weil ein kleiner Zwischenstecker fehlt.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

In Sachen E-Carsharing sollte die Gemeinde Pöcking eine Vorreiterrolle einnehmen. Doch das Jahr 2020 verstrich, ohne dass das ehrgeizige Projekt umgesetzt werden konnte. Die Ladesäulen am neuen Parkplatz hinter dem Rathaus und am Bürgerhaus Beccult stehen bereit, das Elektro-Auto ist da, es fehlt nur noch der Strom. Aber dazu braucht es einen kleinen Zwischenstecker, damit das Stromkabel mit der Ladesäule verbunden werden kann. Seit Monaten werden die Gemeinde und die Energiegenossenschaft Fünfseenland vom Bayernwerk vertröstet. "Es ist eine Bürokratie, es ist wirklich unglaublich", ärgert sich der Grünen-Gemeinderat und Mobilitätsreferent Christoph von Gronau. Die Grünen-Fraktion hatte den E-Carsharing-Antrag im Jahr 2019 gestellt. Im vergangenen Februar wurde das Projekt genehmigt. Seither fragt Gronau regelmäßig nach, wann das Projekt endlich starten kann. Zunächst sei der Oktober als Termin genannt worden, dann habe man ihn auf November vertröstet und später auf Januar 2021.

"Warum es an so einer Kleinigkeit hapert, erschließt sich mir nicht", ärgert sich der zuständige Gemeindemitarbeiter für Energie, Mobilität und Umwelt, Stefan Bäuerle. Er ist skeptisch, ob der nun angegebene Termin im Januar eingehalten wird. "Wir glauben es mal und hoffen, dass es endlich passiert." Zweiter Bürgermeister Albert Luppart (PWG) sagt: "Die Gemeinde schätzt sich glücklich, wenn die beiden Ladesäulen endlich ans Netz gehen." Vor zwei Jahren hat Pöcking ein E-Auto als Dienstfahrzeug angeschafft und damit "beste Erfahrungen gemacht". Es sei super für kurze Strecken, etwa für Besorgungen oder Fahrten zur Baustelle. Für diesen Dienstwagen wird jedoch keine Ladesäule benötigt. Laut Luppart steht das E-Auto in der Tiefgarage des Bauamtes und wird dort an einer normalen Steckdose aufgetankt.

Für das geplante Carsharing-Projekt stellt die Gemeinde das Grundstück zur Verfügung. Auch um Finanzierung und Fördermittel kümmert sie sich. Das Projekt selbst wird in Zusammenarbeit mit der Energiegenossenschaft Fünfseenland umgesetzt. Das E-Auto - ein Renault Zoe - steht schon seit den Sommermonaten bereit, wie der Vorstandsvorsitzende der Energiegenossenschaft, Gerd Mulert, bestätigt. Da sich das Pöckinger Projekt aber verzögert habe, sei es derzeit anderswo im Einsatz. "Sobald die Ladesäule scharf geschaltet ist, wird das Auto bereitgestellt und wartet auf seine Nutzer", verspricht er.

Weil die Genossenschaft mit den Stadtwerken Landsberg zusammenarbeitet, seien von dort auch die "topmodernen" Ladesäulen bezogen worden, so Mulert. Die Bestellung sei pünktlich hinausgegangen, und die Säulen seien schon vor Monaten an den beiden Standorten in Pöcking aufgestellt worden. Angeschlossen werden müssten sie aber vom zuständigen Netzbetreiber, und das ist für den Landkreis Starnberg die Bayernwerk Netz GmbH. Diese verwende jedoch andere Anschlüsse als der Landsberger Netzbetreiber. "Die Stadtwerke Landsberg könnten die Säulen anschließen", betont Mulert. Dort sei man aus allen Wolken gefallen, als die Auskunft vom Bayernwerk kam, dass ein Zwischenschalter für etwa 2000 Euro benötigt werde. Warum sich der Start des Projekts derart verzögert hat, darüber kann Mulert nur Vermutungen anstellen. "Es ist schwierig herauszukriegen, wo der Schwarze Peter liegt."

Renault ZOE Elektroauto an einer Ladestation in Muenchen Bayern Deutschland am 18 07 2016

Das E-Auto, ein Renault Zoe, für das Carsharing-Vorzeigeprojekt ist längst gekauft.

(Foto: imago/Action Pictures)

Offenbar sei eine Seite davon ausgegangen, dass alles in Ordnung sei. Dann hätten sich das Bayernwerk und die Stadtwerke Landsberg Anfang November "intensiv" ausgetauscht. Letztendlich seien es Kapazitätsschwierigkeiten, Vorschriften und Normen, die alles verkomplizieren. Das ärgert Mulert. "Wir haben gutwillige Bürger, und dann scheitert es an der Schnittstelle." Die Genossenschaft habe ein ähnliches Projekt in Starnberg realisieren können. "Das Projekt läuft", weil dafür das Bayernwerk nicht benötigt worden sei, erklärt der Vorstand. Er ist überzeugt davon, dass die Energiewende zwar nicht gerade ausgebremst werde, aber viele Bürger keine Lust hätten auf diesen Ärger. Immerhin gibt es für Mulert einen Trost: Nach den Erfahrungen mit dem Pöckinger Projekt, das "zukunftsweisend für den Landkreis" sein sollte, wisse man jetzt, dass man sich frühzeitig mit dem Bayernwerk abstimmen müsse.

Nach Angaben des Sprechers der Bayernwerk Netz GmbH, Maximilian Zängl, habe man zunächst Bauteile bestellen müssen. Anfang November sei der zuständigen Partnerfirma ein entsprechender Auftrag erteilt worden. Zängl bedauert, dass es im Jahr 2020 aus Kapazitätsgründen mit dem Anschluss nicht mehr geklappt habe. "Im Januar geht es los", verspricht er. "Ab 11. Januar sind wir wieder im Einsatz."

© SZ vom 07.01.2021
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