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Nahverkehr:MVV plant neue Ring-Buslinien rund um München

Um die S-Bahn-Linien im Umland zu verbinden, präsentiert das bayerische Verkehrsministerium ein Konzept für einen Ring aus Expressbussen. Infrage kämen Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb.

Wer von Gilching über Starnberg nach Wolfratshausen oder zurück mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren will, muss viel Zeit einplanen. Von Gilching aus geht es mit der S 8 zur Donnersbergerbrücke nach München und von dort aus weiter mit der S 7 nach Wolfratshausen. Fahrtdauer: eine Stunde und elf Minuten. Oder mit dem Bus nach Starnberg, mindestens dort einmal umsteigen und über Berg in die benachbarte Kreisstadt. Das dauert je nach Verbindung und Anzahl der Umstiege bis zu eineinhalb Stunden. Falls die Busse nach Fahrplan fahren.

Das bayerische Verkehrsministerium hat nun ein Konzept vorgelegt, mit dem Verbindungen dieser Art - sogenannte Tangentialen zwischen zwei Schnellbahnästen - deutlich schneller zurückgelegt werden könnten: Das Projekt "Ringbuslinien rund um München" soll mit einem in sich geschlossenen Ring aus sieben aneinander anschließenden Expressbuslinien durch die Landkreise München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen eine Brücke zwischen den wichtigen S-Bahnhaltestellen und Wirtschaftsstandorten der Region schlagen - ohne Umsteigen und Zeitverlust.

Bitte umsteigen: Wer im Münchner Umland von einem Ort zum anderen will, soll künftig direkter zum Ziel kommen und Expressbusse nutzen können. Karte: MVV

"Was jetzt vorliegt, ist schon ein sehr konkreter Trassenvorschlag", sagt Münchens Landrat Christoph Göbel (CSU), dessen Haus die Koordination der Trassenführungen übernommen hat. "Wir brauchen diese schnellen Verbindungen dringend. Vor allem dort, wo sich große Pendlerpunkte und viele Arbeitsplätze befinden."

Angestoßen hatte das Konzept der Ringbuslinien noch Ilse Aigner (CSU) als Verkehrsministerin, an der Erarbeitung sind das Staatsministerium, der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und die fünf betroffenen Verbundlandkreise beteiligt. Ziel des neuen Rings um München ist laut dem aktuellen Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU), insbesondere Schienenstrecken zu entlasten und attraktive Querverbindungen anzubieten. "Ich bin überzeugt, dass die zusätzliche Buslinie Fahrgästen kürzere Fahrtwege ermöglichen und damit das ÖPNV-Angebot um einen wichtigen Baustein erweitern kann", so der Minister. Der Freistaat hat laut Reichhart bereits zugesagt, die Linie mit acht Millionen Euro zu unterstützen. Welche Kosten auf die Landkreise zukommen, ist unklar.

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Die Trassenführung sieht vor, die Linien im Süden Münchens von Wolfratshausen aus im Uhrzeigersinn über Starnberg, Gilching, Fürstenfeldbruck, wo bereits der Expressbus X 900 fährt, weiter nach Dachau, Oberschleißheim, Garching, Ismaning, Feldkirchen, Haar, Hohenbrunn und Deisenhofen laufen zu lassen. Anbindungen sind geplant nach Bad Tölz, Buchenau und Unterschleißheim sowie zum Forschungszentrum Garching und nach Heimstetten.

"Eine wunderbare Idee ist das", findet die Starnberger Verkehrsmanagerin Susanne Münster. Seit Jahren befasst sie sich intensiv mit den Busverbindungen im Fünfseenland, hat etliche Strecken ausgebaut und Abfahrtszeiten nutzerfreundlich koordiniert. Die Expresslinie X900 sei ein Beispiel dafür, wie gut das Bussystem dann angenommen werde. "Der Landkreis Starnberg ist für das Vorhaben sehr offen."

Starnberg Neuer Expressbus 900

Die Linie X 900 zwischen Starnberg und Buchenau besteht bereits.

(Foto: Arlet Ulfers)

Für MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch bietet der Busring den enormen Vorteil, dass Pendler "nicht mehr durch das Nadelöhr der Münchner Innenstadt" müssten und Staus bereits vor den Stadtgrenzen vermieden werden könnten. Zudem seien "durchdachte Busangebote" verhältnismäßig günstig, so Rosenbusch.

Anders als etwa schienengebundene Verkehrsmittel. "Außerdem dauert es eine Ewigkeit, bis man ein Gleis kriegt", gibt Göbel zu bedenken. "Wir aber brauchen schnelle Lösungen." Und aus Sicht des Landrats auch innovative, moderne Antriebstechniken. Göbel kann sich nach eigenen Worten vorstellen, auf den Trassen mit Brennstoffzellen betriebene Busse oder Elektrofahrzeuge fahren zu lassen. Auch einen Oberleitungsbus, also eine Tram ohne Schienen, schließt der Landrat nicht aus. "Und wir müssen Lösungen finden, um die Busse zu beschleunigen, etwa eigene Spuren, grüne Wellen." Im Münchner Landratsamt wird erwartet, dass die Ringbuslinien frühestens in drei Jahren in Betrieb gehen könnten. So lange dauere es samt Planung, Ausschreibung des Betriebs und Vorlauf der Ausschreibung.

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