Nahverkehr:Wie Pendler im Landkreis Starnberg von der MVV-Reform profitieren

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Der MVV wird für die meisten Pendler im Landkreis Starnberg günstiger: Der Kreistag hat sich am Montag der Reform zum Fahrplanwechsel 2019 angeschlossen. (Foto: Georgine Treybal)

Stockdorf, Feldafing und Herrsching sind die Gewinner - aber auch in anderen Gemeinden sinken die Fahrpreise deutlich. Alle Stationen im Überblick:

Von Astrid Becker und David Costanzo, Starnberg

Beliebter Spruch unter Pendlern: Das Einzige, das im MVV pünktlich kommt, ist die Preiserhöhung. Bald funktioniert dieser Witz nicht mehr. Zwar dürften S-Bahnen sich weiterhin immer mal wieder verspäten und ausfallen, die meisten Passagiere aber werden weniger für ihr Ticket zahlen. Mit dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember kommenden Jahres senkt der MVV die Tarife für die meisten Pendler im Landkreis und vereinfacht den Netzplan mit nur noch sechs statt 16 Ringen. Der Verkehrsverbund hat die Reform nach monatelanger Diskussion Ende November beschlossen. Am Montag hat der Starnberger Kreistag zugestimmt.

Damit kommt nun eigentlich eine Reform von der Reform: Bereits im Juli hatten sich die Gesellschafter in Stadt und Landkreisen auf ein neues Tarifsystem geeinigt. Doch dann drohten einige Kreistage wie etwa der im Landkreis München mit einer Ablehnung, weil sie sich benachteiligt sahen. Der Starnberger Kreistag hatte da schon zugestimmt, weil das Fünfseenland vergleichsweise gut wegkam.

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Die meisten Kunden werden von niedrigeren Preisen profitieren - vor allem die Vielfahrer. Und das System wird einfacher.

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Nachdem nun auch der Freistaat 50 Millionen Euro in den MVV steckt, profitieren die Pendler von weiteren Preissenkungen und Verbesserungen - Bushaltestellen in Andechs, Berg, Herrsching, Wörthsee sowie einzelne Stationen wie KIM Krailling, Gut Delling und Espe in Seefeld sowie Landstetten rücken näher an die Münchner Tarifzone heran, was die Preise noch einmal senkt. Auch der größte Fehler der alten Reform wird korrigiert: Wenn Pendler aus dem Landkreis nicht ins Zentrum der Landeshauptstadt fahren, sondern etwa nur nach Pasing oder Großhadern, müssen sie keine dramatischen Preissteigerungen mehr fürchten, sondern werden sogar entlastet, da der Randbereich der Münchner Tarifzone stark verbreitert wird.

Bei den Kreisräten und Bürgermeistern kamen diese Verbesserungen fast durchweg positiv an. Die Gautinger Rathauschefin Brigitte Kössinger zeigte sich sogar zutiefst erleichtert: "Das wird sich positiv auf den Verkehr auswirken." Ähnlich sieht es auch Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst. Bisher, so klagte sie, seien viele Stockdorfer mit dem Auto nach Planegg gefahren, weil das S-Bahn-Ticket dort in Richtung München billiger wurde. Nachdem dort nun ein einheitlicher Preis gelte, sei dies nun vorbei, lobte sie.

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Anruf genügt: Nachts und am Wochenende kommt am Ostufer des Ammersees auf Anforderung ein Ruftaxi. Auch auf mehreren Buslinien gibt es Verbesserungen.

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Dem Gilchinger Bürgermeister Manfred Walter gingen die Verbesserungen hingegen nicht weit genug: "Eine Reform wäre das 365-Euro-Ticket gewesen, so ist es nur Stückwerk", sagte er. Ähnlich dürfte dies auch Grünen-Kreisrat Peter Unger sehen. Er lehnte am Ende als einziger Kreisrat die Reform von der Reform ab.

Hier eine Preisübersicht für die Bahnhöfe entlang der Linien S6 und S8:

Stockdorf: Pendler aus Stockdorf bleiben die großen Gewinner der Reform, weil die Station ins Münchner Tarifgebiet aufrückt. Die Passagiere profitieren nun sogar noch stärker. Statt bislang 90,40 Euro wird die Monatskarte nicht mehr die ursprünglich geplanten 59,90 Euro kosten, sondern sogar nur 55,20 Euro. Manch ein Gautinger könnte versucht sein, mit dem Auto nach Stockdorf zu fahren, dort gibt es allerdings kaum Parkplätze. Die Kosten für Einzelfahrt und Streifenkarte halbieren sich.

Gauting: In Gauting profitieren die Gelegenheitsfahrer sogar mehr als die Stammkunden. Die Fahrt mit der Streifenkarte kostet künftig nur noch 4,20 Euro statt bislang 5,60 Euro. Die Monatskarte ermäßigt sich von derzeit 90,40 Euro auf 88,90 Euro. Nach der alten Reform wären Gautinger, die nach Pasing pendeln, mit einem Aufschlag von 63 Prozent die größten Verlierer gewesen. Das sind sie nach der neuen Reform nicht mehr. Die Monatskarte nach Pasing kostet weiter 55,20 Euro.

Geisenbrunn: In dem Gilchinger Ortsteil fällt der Preis für die Monatskarte wie gehabt von derzeit 103,70 Euro auf dann 88,90 Euro. Damit kostet das Ticket fast 25 Euro weniger als an den beiden anderen Gilchinger Stationen. Bürgermeister Manfred Walter ärgerte sich jüngst in der Bürgerversammlung, dass dies zu Parkchaos in Geisenbrunn führen könne. Die Fahrt mit der Streifenkarte ermäßigt sich wie in Gauting.

Neugilching/Argelsried: Die Pendler an den anderen beiden Gilchinger Bahnhöfen können sich freuen. Statt nach der alten Reform ein paar Euro aufs Monatsticket drauflegen zu müssen, bekommen auch sie eine kleine Ermäßigung von derzeit 116,50 Euro auf dann 113,40 Euro. Die Fahrt mit der Streifenkarte kostet weiter 5,60 Euro. Das Tagesticket verteuert sich von 8,90 Euro auf 9,50 Euro. Sogar Passagiere in den Münchner Westen müssen im Vergleich zu heute nicht mehr zuzahlen, sondern werden massiv entlastet. Die Monatskarte nach Pasing schlägt statt mit bislang 79,10 Euro nur noch mit 55,20 Euro zu Buche. Gleichzeitig bedeutet das auch einen Anreiz für Münchner, die in Gilching oder Oberpfaffenhofen arbeiten.

Starnberg sowie Weßling/Steinebach: Alle Bahnhöfe liegen künftig auf der Grenze des zweiten Rings um München. Für Starnberg und Weßling bedeutet das eine Preissenkung für die Monatskarte von derzeit 127,80 Euro, von Steinebach aus sogar von 140,50 Euro auf je 113,40 Euro. Von Starnberg aus kostet die Fahrt mit der Streifenkarte weiter 5,60 Euro. Das Tagesticket macht 9,50 Euro statt bislang 8,90 Euro.

Possenhofen/Feldafing sowie Seefeld/Herrsching: Von hier aus verbilligen sich die Monatskarten teils drastisch. In Possenhofen und Seefeld von bislang 152,50 Euro auf 137,90 Euro. Dieser Preis gilt nun auch in Feldafing, dem zweiten großen Gewinner der Reform. Die Station rückt im Netzplan zu Possenhofen auf den dritten Ring um München auf. Bislang zahlen die Pendler 163,40 Euro im Monat. Der dritte Gewinner ist Herrsching. Hier gelten künftig ebenfalls die 137,90 Euro im Monat, bislang sind es 175,10 Euro.

Tutzing: An der Endstation der S6 fallen die Preise für das Monatsticket von 175,10 Euro auf 162,40 Euro und für das Tagesticket von 13 Euro auf 11,80 Euro.

Alle Infos: www.mvv-muenchen.de/tarifreform

© SZ vom 18.12.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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