Munich International School Hinter den Mauern von Starnbergs diskretester Schule

Der Direktor der Munich International School, Timothy Thomas

(Foto: Georgine Treybal)

Promi-Kinder, Security, bis zu 25.500 Euro Gebühren im Jahr: Viel mehr weiß man nicht über die Munich International School. Der Direktor will das jetzt ändern.

Von Sabine Bader

Die Munich International School (MIS) auf Gut Buchhof ist eine Welt für sich. Abgeschlossen, eigen, unbekannt. Kaum einer weiß, was hinter den Mauern, an denen man auf der Staatsstraße von Percha nach Wangen vorbeifährt, wirklich passiert. Gut, es ist eine Schule, das wissen die meisten. Eine Schule für reiche Promi-Kinder, heißt es. Unstrittig hatten dort namhafte Schauspieler und Fußballstars ihren Nachwuchs. Namen nennt die Schulleitung ausdrücklich nicht. Bekannt ist aber, dass auch Felix Finkbeiner zu den Schulabsolventen zählt. Er war kein Promikind, bevor er selbst durch seine "Plant-for-the-Planet"-Aktion zum Promi wurde. Dass sich auch Eltern mit Mittelklasse-Einkommen die MIS leisten können, liegt daran, dass häufig die Firmen das beachtliche Schulgeld übernehmen. Es kann je nach Alter des Kindes zwischen 14 000 und 25 500 Euro im Jahr liegen. Es gibt allerdings Geschwisterrabatt.

Insgesamt sind 1280 Schüler sowie 180 Lehrer und Erzieher an der Schule. Über die Bauten auf dem Schulgelände erfährt die Öffentlichkeit wenig - außer, wenn der Starnberger Stadtrat über ein Neubauprojekt auf den Areal diskutiert. Das Grundstück gehört der Stadt München, die MIS hat es in Erbpacht. Momentan plant die Schule den Zaun um das Gelände auch in Richtung Süden zum Wald hin zu schließen. Damit auch der letzte Spaziergänger und Pilzsammler aus dem Wald merkt: Stopp, hier geht's nicht weiter! Die SZ darf dennoch einen Rundgang machen.

Parkplatz

Gestartet wird auf dem großen Parkplatz, der direkt gegenüber der Schule liegt. Alles ist geregelt. Ist das Auto auf einem der Stellplätze abgestellt, geht es zu Fuß weiter. Es gibt kleine gelbe Fußstapfen und Hinweis-Bildchen, mit gelben stilisierten Männchen auf den Gehwegen sowie einen Zebrastreifen, damit auch alle sicher ankommen. Und es gibt eine Bushaltestelle. Dort hält der normale Linienbus zwischen dem Bahnhof Nord in Starnberg, Wangen und dem Kloster Schäftlarn. Wer in Richtung Fußgängerunterführung steuert, passiert ein großes Schild, auf dem der Lageplan der Schule verzeichnet ist. Das ist auch nötig, denn auf dem 23 Hektar großen Gelände kann man leicht den Überblick verlieren. Jetzt geht es durch eine regenbogenfarbene Unterführung und schon steht man auf der anderen Seite der Hauptstraße am Eingang des Schulgeländes.

Ein Schild macht gleich deutlich: "Zugang nur mit gültigem MIS-Ausweis." Den hat der geneigte Wandersmann natürlich nicht. Er wird aber ohnehin aufgehalten durch die Security. Die sitzt in einem kleinen Holzhäuschen. Wer auf das Schulgelände will, muss sagen warum, einen Ausweis oder ähnliches hinterlassen und erhält einen Einlasspass, den er sich um den Hals hängen soll. "Er muss sichtbar sein", sagt der Herr im Häuschen. "Wenn man jemanden auf dem Gelände ohne erwischt, wird er genau befragt und zu uns gebracht." Bravo, denkt der Ankömmling, das kann ja heiter werden. Doch so arg wird es nicht.

Der Direktor

In der alten Villa, dem Schlösschen, wie man es hier nennt, befindet sich unter anderem die Schulleitung. Timothy Thomas ist seit vier Jahren der Direktor. Davor war er zwei Jahre lang Stellvertreter. Thomas ist 45 Jahre alt, US-Amerikaner und lebt mit seiner Familie in München. Nach Deutschland kam er erstmals mit 17 Jahren als Austauschschüler. Heute spricht er nahezu akzentfrei deutsch. Bevor er Schulleiter wurde, hat er Grundschüler ebenso unterrichtet wie Gymnasiasten, er lehrte die Fächer Deutsch und Englisch. Er war an staatlichen Schulen ebenso beschäftigt wie an privaten. Thomas weiß natürlich um das Bild, das sich die Leute außerhalb der MIS machen. "Ich möchte nicht, dass wir hier in einer internationalen Blase leben", sagt er, wenngleich er weiß, dass auch er dies nicht ganz verhindern kann.

Dennoch gibt es ein Austauschprogramm mit hiesigen Schulen. Die Fußballjugend der MIS ist beispielsweise zu Gast in anderen Schulen, die Teilnehmer der Starnberger Musiktage sind in der MIS zu Gast. Und doch legen manche Eltern Wert auf eine gewisse Abschottung. "Nun ja, wir unterrichten Schüler aus 65 Nationen unterschiedlichster Herkunft", sagt Thomas zur Erklärung. Der Direktor und sein Wirtschaftsleiter Roman Friemel erzählen, dass die Schule in der Oberstufe eine Abi-Quote von 96 bis 100 Prozent hat. Diese Schüler haben die Internationale Hochschulreife und können damit in jeder Uni der Welt studieren. Doch nicht jeder, der hier zur Schule geht, wird zum Abitur gebracht. Etliche verlassen die MIS auch mit der Mittleren Reife. "Wir nehmen die Schüler auf, wo sie stehen", sagt Thomas.

Das Schlösschen

Das Schlösschen war früher ein privater Gutshof. Nach dem Krieg wurde es als Waisenhaus genutzt, dann hat man die Kinder von Militärangehörigen dort unterrichtet, bis die MIS das Gebäude Anfang 1968 erwarb. Die Schule sei die dritte Internationale Schule in Deutschland gewesen, erzählt Thomas. Die beiden anderen gab es in Hamburg und Frankfurt. "Wir sind ein Wirtschaftsstandort für die Region und somit wichtig", sagt der Wirtschaftsleiter. Denn internationale Führungskräfte kämen nur nach München, wenn sie für ihre Kinder einen internationalen Schulstandort vorfänden. Das erklärt Friemel, wie er sagt, auch den Vertretern aus der bayerischen Politik bei Verhandlungen über Zuschüsse. Und nicht selten sagt er auch: "Ja, man zahlt bei uns viel, aber gute Bildung hat ihren Preis." Hauptunterrichtsfach in der MIS ist Englisch, Deutsch als Zusatzsprache ist Pflicht für alle. "Das ist mir wichtig. Wir befinden uns hier schließlich in Deutschland", sagt Thomas. Bei ihren Anfängen waren im Schlösschen noch alle Klassenzimmer untergebracht. Losgelegt hat man auf Gut Buchhof mit 80 Kindern.

Grundschule

Dem Schlösschen nahe liegt das Grundschulgebäude (Junior School). Das erste, was Grundschüler morgens machen: Sie ziehen ihre Straßenschuhe aus und schlüpfen in die Hausschuhe. Brav aufgereiht stehen noch etliche der kleinen Schuhchen auf ihren Brettern und warten auf die Besitzer. "Das ist wie in deutschen Grundschulen auch," sagt Thomas. Von einem kreisrunden Bereich, der den Kindern als Aufenthaltsort dient, gehen die Klassenzimmer ab. Ein kleines Mädchen lümmelt auf einer Bank und wischt auf ihrem iPad herum. Bereits in der Grundschule wird mit digitalen Medien gearbeitet. Während in Mittel- und Oberstufe alles im Unterricht digital abläuft, "wird in der Grundschule natürlich auch noch mit der Hand geschrieben", sagt Thomas. "Schließlich müssen die Kinder ja ordentlich schreiben lernen." Die Klassenräume sind nicht groß, etliche haben aber zwei Ebenen, weil die Kinder viel in kleineren Gruppen arbeiten - schon wegen der unterschiedlichen Nationalitäten und Sprachen, erzählt Thomas. Die Zweitklässler befassen sich gerade mit der Zahl 100 und erzählen, was ihnen dazu einfällt. Vor dem Grundschulgebäude trifft man auf sieben Zweitklässer, die mit ihrer Lehrerin um einen Baum stehen. Die Kinder sind alle neu an der Schule, kommen aus unterschiedlichen Ländern und lernen gerade die ersten Worte Englisch. "Tree", erklärt einer der Kleinen freudig dem Direktor und deutet auf den Baum.