Fünfseen-Filmfestival:Den Wald vor lauter Bäumen sehen

Starnberg: Kino Open Air

Anne und Alexander Eichberger haben die Die neue Festivalreihe "Kino & Klima" initiiert . Das Ehepaar gehört außerdem zu den Hauptsponsoren des zweiwöchigen Kinofests.

(Foto: Nila Thiel)

Anne und Alexander Eichberger aus Hechendorf haben die neue Festivalreihe "Kino & Klima" begründet und vergeben auch einen eigenen Award. Mit ihrer Initiative wollen sie den Menschen die "Klima-Ohnmacht" nehmen.

Von Katja Sebald

Mit Ende fünfzig die Firma verkaufen. Danach eine Weltreise machen. Oder mit der eigenen Segeljacht vor den Küsten Korsikas unterwegs sein. Ein sorgenfreies Leben genießen. Daraus ist nichts geworden: Alexander Eichberger, der sich als promovierter Maschinenbauingenieur unter anderem mit Windkraftanlagen beschäftigte, verkaufte zwar tatsächlich vor einigen Jahren seine Firma, aber etwa zeitgleich schaffte er für sich und seine Frau Anne ein Elektroauto an, beide begannen, ihr eigenes Mobilitäts- und Konsumverhalten zu hinterfragen. Das Thema ließ sie nicht mehr los. In diesem Jahr haben sie die Initiative "unserklima.jetzt" gegründet, deren Ziele öffentliche Information zum Klimawandel und Förderung von zukunftsfähigen Lebensstilen sind und die gleichzeitig den Menschen das Gefühl von "Klima-Ohnmacht" nehmen will. Die Eichbergers gehören erstmals zu den Hauptsponsoren des Fünfseen-Filmfestivals. Mit einer eigenen Reihe "Kino & Klima" wollen sie möglichst viele Filmbegeisterte erreichen und für das Thema sensibilisieren.

"Wir sind eigentlich keine Cineasten", erzählt Anne Eichberger. Die Idee, Menschen über das Kino anzusprechen, sei entstanden, als sie in der Zeitung gelesen habe, dass das Filmfestival wegen mangelnder Förderung gefährdet sei. Bei Festivalleiter Matthias Helwig seien sie sofort auf offene Ohren gestoßen. Zusammen mit einer Medienagentur entwickelten sie einen Kinospot, der die Schönheit der Natur und ihre Zerstörung durch den Menschen eindringlich darstellt. Er wird vor jedem Film auf dem Festival und auch danach in den Breitwand-Kinos laufen. Auch an der Auswahl der sieben Haupt- und vier Kurzfilme für die Reihe "Kino & Klima" waren sie beteiligt. Gezeigt werden neue Produktionen wie "Dear Future Children" und "Teachers for Life" oder die Dokumentation "Der wilde Wald", aber auch ältere Filme wie "Koyaanisqatsi", der schon 1983 die Zerstörung der Natur durch die Zivilisation vor Augen führte. Der Film "Journey to Utopia" liegt den Eichbergers besonders am Herzen, weil er dokumentiert, wie eine Familie versucht, so klimaneutral wie möglich zu leben. Auch einen mit 3 000 Euro dotierten Preis haben sie ausgelobt, der vom Publikum vergeben wird.

Fünfseen-Filmfestival: Bleiche Stangen statt Bäume: Filmemacherin Lisa Eder zeigt in ihrer Doku "Der wilde Wald" ein von Borkenkäfern befallenes Areal rund um den Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald.

Bleiche Stangen statt Bäume: Filmemacherin Lisa Eder zeigt in ihrer Doku "Der wilde Wald" ein von Borkenkäfern befallenes Areal rund um den Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald.

(Foto: Mindjazz Pictures)

Verheerenden Überflutungen auch in Deutschland, Hitzewellen und Waldbrände in Südeuropa: Die Klimakrise ist schon heute für viele Menschen zur Klimakatastrophe geworden und wird lebensbedrohliche Folgen für die gesamte Weltbevölkerung haben. "In Gesprächen mit Freunden, Verwandten, Bekannten und Politikern mussten wir immer wieder erfahren, dass diese Gefahr für viele noch nicht real ist und vom Alltag oder kurzfristigen wirtschaftlichen Erwägungen überdeckt und verdrängt wird", sagt Alex Eichberger. "Auch wir hatten früher ganz andere Werte und dachten, dass Konsum wichtig ist, um die Wirtschaft am Laufen zu halten", ergänzt seine Frau. Beide haben mittlerweile ihr Leben grundsätzlich verändert, sie reisen nur noch mit dem Zug oder mit dem E-Auto und kaufen so wenig wie möglich. "Aber wir beanspruchen immer noch viel zu viel Wohnfläche", meint Anne Eichberger. Jetzt überlegen sie, ob sie aus ihrem Haus in Hechendorf ein Zweifamilienhaus machen können.

"Der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 oder Methan muss sofort drastisch reduziert werden", sagt Alex Eichberger, der sich schon seit längerem ehrenamtlich engagiert und Vorträge zum Thema E-Mobilität hält. Über die Webseite von "unserklima.jetzt" kann man seinen eigenen CO2-Fußabdruck berechnen. Die Eichbergers wollen jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren, sondern vielmehr informieren und Handlungsspielräume aufzeigen. Im Kleinen könne jeder Einzelne einen Beitrag leisten, davon sind sie zutiefst überzeugt: "Viele kleine Hebel ergeben am Ende auch einen großen Hebel." Alex Eichberger findet, dass Menschen mit hohem Einkommen oder großem Vermögen besondere Verantwortung tragen. Vor allem sieht er die Politik in der Pflicht. Er ist überzeugt: "Jeder einzelne Euro, der in den Klimaschutz investiert wird, spart ein Vielfaches an Kosten, die durch Klimakatastrophen verursacht werden." Deutschland habe in Sachen Klimapolitik eine Vorreiterrolle in Europa inne, finden die Eichbergers: "Und die ganze Welt wird auf unsere Bundestagswahl schauen." Im Rahmen von "Kino & Klima" haben sie deshalb auch die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Starnberg zu einer Diskussion eingeladen. "Jeder einzelne sollte sich gut informieren, um dann die richtige Entscheidung an der Wahlurne zu treffen", sagen die Eichbergers. Ihr größter Wunsch ist es, dass die Erwachsenen von heute die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder im Blick haben und sofort besser als bisher für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen sorgen.

© SZ vom 18.08.2021
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