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Mysteriöse Attraktion:Der Kornkreis bleibt

Mythos Kornkreise; Kornkreis

Im Morgenlicht wirkt der Kornkreis am Ammersee besonders mystisch.

(Foto: Sebastian Wiggenhauser/oh)

Das Konstrukt in einem Feld bei Fischen hat schon Tausende Besucher angezogen, darunter auch Touristen aus China. Der Landwirt will die Attraktion bei der Ernte verschonen - und zugleich "Energiebrot" backen lassen.

Von Michael Berzl

Zuerst nach Neuschwanstein und dann zum Kornkreis am Ammersee: So habe das Besuchsprogramm für eine chinesische Reisegruppe ausgesehen, erzählt der Landwirt, dessen Weizenfeld an der Straße zwischen Vorderfischen und Dießen zu einer echten Touristenattraktion geworden ist. Seit gut drei Wochen ist darin ein ringförmiges Gebilde mit exakten geometrischen Formen zu bewundern. Mittlerweile dürften es Tausende sein, die deswegen angereist sind; manche vermeinen, dort eine besondere Energie zu verspüren, und glauben an einen außerirdischen Ursprung. Bald will der Bauer Georg Steingruber das Getreide ernten, doch den Kornkreis mit einem Durchmesser von etwa 100 Metern will er dabei verschonen. "Das ist doch einmalig", sagt er. "Trotz Stress und Ärger: Das ist doch auch ein Geschenk, das ich da erhalten habe." Die Stelle ist mittlerweile sogar bei Google Maps als "Sehenswürdigkeit" eingetragen. "24 Stunden geöffnet", heißt es dort.

Der Kornkreis im Weizenfeld lockt seit Wochen internationale Gäste an. Aus Frankreich und Belgien kommen sie, aus der Schweiz und aus Tschechien. Darauf deuten die Kennzeichen der Autos hin, die an der Birkenallee in der Nähe einer Brücke über die Ammer parken. An dem Weg zum Feld hat Steingruber nach dem Auftauchen des Phänomens eine Spendenbox aufgestellt. Darin fand er auch indische Rupien und afrikanische Münzen, auf die eine Antilope geprägt ist. "Da kommen Menschen von überall her, verschiedenste Völker, und für alle ist das eine Bereicherung. Das sind alles super-freundliche Leute", schwärmt der Landwirt trotz des materiellen Schadens, den er dadurch erlitten hat, dass große Teile des Getreides niedergedrückt sind. Grob geschätzt ein Viertel des knapp vier Hektar großen Feldes ist dadurch unbrauchbar. Wie viel Geld gespendet wurde, verrät er nicht.

Statt des landwirtschaftlichen Nutzens hat diese Fläche eine andere Bedeutung bekommen, die Steingruber respektiert. Eine "Nachricht aus einer anderen Welt", eine "Information, die wir noch nicht verstehen können", vermuteten Besucherinnen. Uli Ernst, der als Gestalter des Irrgartens bei Utting weiß, wie Bilder in einem Feld entstehen können, hätte auch eine andere Erklärung: "Naheliegend wäre, dass das eine gut organisierte Gruppe mit großem gestalterischen und geometrischen Talent war." Das Rätselraten über die Entstehung ist eines der Hauptthemen im Kreis. Manche kämen jeden Morgen zum Meditieren, hat Steingruber beobachtet. Darum will er diesen Teil des Feldes stehen lassen, wenn der Mähdrescher kommt. Schon an diesem Mittwoch könnte es so weit sein, wenn nicht noch ein Gewitter dazwischen kommt. Die Erntemaschine werde dann nur den Teil um den Kreis herum abmähen. Der Landwirt ändert deswegen auch die Fruchtfolge und sät auf dem Feld im nächsten Jahr Mais statt Korn an. Auf diese Ausnahmeregelung habe er sich mit dem Eigentümer geeinigt, von dem er den Acker gepachtet hat.

Einstweilen versucht der Landwirt, die Besucherströme in geordnete Bahnen zu lenken. Gleich nach dem Auftauchen der mysteriösen Ringe in dem Feld hatte er rot-weiße Absperrbänder gespannt, um zu verhindern, dass noch mehr Getreide niedergedrückt wird. Mittlerweile ist auf Wiesen an der Birkenalle ein provisorischer Parkplatz angelegt, wo etwa 50 Autos abgestellt werden können.

Eine Frage wird Steingruber immer wieder gestellt: Ob er selbst dahinter steckt. "Ich habe davon nichts gewusst", beteuert der Landwirt in einem Fernseh-Interview, "das war kein abgekartetes Spiel." Als 2007 auf demselben Feld, das er damals noch nicht gepachtet hatte, zum ersten Mal ein Kornkreis aufgetaucht war, habe er selbst noch so etwas vermutet. Vermarkten würde er den aktuellen Hype aber schon gerne und sucht einen Bäcker, der Interesse hat, "Energiebrot" aus dem Korn zu backen.

© SZ vom 12.08.2020/huy
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