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Höhenluft statt Feuerwerk:Der Grenzgänger

Bergsteiger Günther Härter und seine Frau Anette suchen an Silvester Gipfelglück: im Karwendel und auf dem Kilimandscharo.

Es soll ja Menschen geben, die begehen den Jahreswechsel am liebsten auf der Couch vor dem Fernseher. Aber das kann sich Günther Härter nun gar nicht vorstellen: Schon den Advent hat der Starnberger auf einer zehntägigen Expedition in der menschenleeren Eiswüste Patagoniens verbracht; und Silvester feiert Härter nun erneut in den Bergen, nur etwas näher: im Karwendel, wo er über den Jahreswechsel im Kreuzeck-Haus logiert, fast 1000 Meter über Garmisch-Partenkirchen, und einen Einsteigerkurs für Skitouren leitet.

Landstetten Günter Härter

Günter Härter aus Landstetten: Den Reiseveranstalter zieht es zum Jahreswechsel in die Berge. Foto: Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Seine Frau Anette begeht den Jahreswechsel dafür ein wenig exklusiver: auf dem Gipfel des Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. "Sie ist mit einer Gruppe unterwegs, die im Krater des Kilimandscharo auf gut 5700 Metern Höhe das Lager aufgeschlagen hat und vor Mitternacht dann auf den Gipfel geht", erklärt Härter. Beide Touren, ins Karwendel und nach Afrika, stehen im Katalog des Bergreise-Veranstalters "Top Mountain Tours". Die Härters haben sie nicht einfach gebucht - sie sind selbst die Veranstalter. Vor zwei Jahren hat Härter in seinem Haus im Starnberger Ortsteil Landstetten sein Unternehmen gegründet, nachdem er 25 Jahre zunächst bei der Bergschule des Deutschen Alpenvereins und danach als Geschäftsführer des DAV-Summit-Clubs gearbeitet hat.

Die Berge, das darf man mit Fug und Recht behaupten, sind sein Leben. Wie viele Gipfel genau er bestiegen hat, das weiß Härter nicht, aber es seien "Tausende". Immerhin vier Achttausender sind darunter, wie der Dhaulagiri, nur auf den Everest hat er es nicht geschafft - das Wetter zwang ihn zur Umkehr. Die Achttausender hat Härter ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen, etwas anderes kommt für ihn gar nicht in Frage: "Das wäre ja wie Seilbahn fahren."

Schon als Kind habe es ihn in die Berge gezogen, erinnert sich Härter, der in Oberpfaffenhofen aufgewachsen ist. Das Schlüsselerlebnis hatte er mit acht, als er mit seinen Eltern auf einer Hütte im Pitztal war: "Da kamen plötzlich Menschen vom Gletscher, mit Pickeln und Steigeisen, das wollte ich auch." Nach der Schule trampte er als junger Mann nach Garmisch zum Kraxeln, verdingte sich dann bei der Bundeswehr, wurde Heeresbergführer. Danach kamen seine "wilden fünf Jahre": Er leitete Trekkings und Expeditionen in aller Welt, bevor er unter das Dach des Alpenvereins schlüpfte. Längst ist er mit allen bekannten Bergsteigern per Du: mit Reinhold Messner etwa, dem "Grandseigneur der Bergsteiger", und den Huber-Buam.

Härter ist jetzt 58 Jahre alt, und er hat schon manche dramatische Situation erlebt - und überlebt. Mit Schrecken erinnert er sich an das Gewitter, das auf dem Gipfelgrat des Dhaulagiri niederging: "Rechts die Südwand, die 4000 Meter fast senkrecht abfällt, links die Nordwand, da geht es 3500 Meter runter. Schrittweise haben wir uns vorangetastet. Wegen der elektrisch aufgeladenen Luft hatten wir enorme Schmerzen." Es klingt nicht sensationslüstern, wenn Härter von solchen Gefahrensituationen erzählt. Vielmehr wird sein Überlebensrezept deutlich: "Wir Bergsteiger suchen nicht die Gefahr, wir haben Angst."

Härter hat noch viel vor, nicht nur mit seiner Firma; mit seiner Kondition nimmt er es immer noch mit viel jüngeren Bergsteigern auf. Für die Extrem-Trekking-Tour durch Patagonien hat er in der Gegend um Andechs trainiert: "Da bin ich mit einem 30 Kilo schweren Rucksack rumgelaufen. So mancher Spaziergänger hat sich ganz schön gewundert", sagt Härter, und er fängt an, herzhaft zu lachen. An seinen drei Söhnen ist das Bergfieber übrigens vorbeigegangen: Sie feiern Silvester zu Hause. Ganz normal.

© SZ vom 31.12.2011

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