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"Apetito" in Gilching:Caterer bleibt nach Corona-Ausbruch geschlossen

Coronavirus - Fälle im Landkreis Starnberg

48 von 94 "Apetito"-Mitarbeitern in Gilching haben sich mit dem Coronavirus infiziert, eine Übertragung über die Lüftungsanlage gilt als unwahrscheinlich.

(Foto: dpa)

Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter des Uniklinik-Lieferanten haben sich angesteckt - auf welchem Weg, ist weiter unklar. Das Unternehmen arbeitet an einem neuen Hygienekonzept.

Von Carolin Fries

Das Cateringunternehmen "Apetito" in Gilching bleibt weiter geschlossen. Denn auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit konnte zusammen mit dem Betrieb, dem TÜV Süd, der Ludwig-Maximilians-Universität sowie dem Starnberger Gesundheitsamt bislang nicht klären, wie es dort in den vergangenen Wochen zu einer Ausbreitung des Coronavirus kommen konnte. Insgesamt haben sich 48 von 94 Mitarbeitern angesteckt, 24 von ihnen wohnen im Landkreis Starnberg.

Dass die Lüftungsanlage dafür verantwortlich ist, gilt als "unwahrscheinlich", sagt Landratsamtssprecherin Barbara Beck. Die Behörde prüfe, ob das Hygienekonzept eingehalten worden sei. "Derzeit arbeitet die Firmenleitung an einem neuen Hygienekonzept und überlegt, ob der Leistungsumfang angepasst werden muss", so Beck. Eine Wiederaufnahme des Betriebs erfolge in Absprache mit dem Gesundheitsamt, weitere Untersuchungen liefen noch, sagt "Apetito"-Sprecherin Ruth Fislage.

Landrat Stefan Frey betont: "Uns ist es wichtig, eine nochmalige Verbreitung des Infektionsgeschehens - gerade in diesem Umfang - künftig auszuschließen." Der Caterer hat die LMU-Kliniken Großhadern und in der Innenstadt mit Tausenden Mahlzeiten täglich beliefert. Mittelfristig sei das Ziel, dass die Versorgung "im gleichen Umfang wie vor der Schließung des Standortes durch Apetito erfolgen soll", so Fislage.

Für den Landkreis hatte der Ausbruch weitreichende Folgen: Fünf Gemeinschaftsunterkünfte wurden vorübergehend geschlossen, es fanden diverse Reihentests statt. 13 infizierte "Apetito"-Mitarbeiter leben in Asylunterkünften im Landkreis, wo sie das Virus auch übertrugen. Insgesamt erkrankten 33 Bewohner, darunter auch Kinder, weshalb zwei Schulklassen der Herrschinger Grund- und Mittelschule sowie zwei Lehrer unter Quarantäne gestellt wurden. Insgesamt mussten sich im Landkreis 471 Personen häuslich isolieren, die das Gesundheitsamt mühevoll ermittelt hat.

Die ersten Quarantänebeschränkungen enden in diesen Tagen, unter anderem für 18 Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in Hechendorf, die am Freitag aus Wackersberg zurückgekehrt sind. "Sie sind gesund, können das Virus nicht mehr übertragen und dürfen die Anlage verlassen", sagt Beck. Für die anderen elf Bewohner gilt noch bis 21. Juli die Quarantäne - "das Sicherheitspersonal wird genau prüfen, wer das Gelände verlässt", so Beck.

Auch in die anderen Containeranlagen würden die Genesenen in den kommenden Tagen zurückkehren. Diese ausgeschlossen gelten auch dort noch Quarantänemaßnahmen für die Bewohner: in Seefeld bis einschließlich Sonntag, in Pöcking bis Donnerstag, in Weßling bis Freitag und in Herrsching bis kommenden Samstag. Die 22 Schulkinder und zwei Lehrer in Herrsching wurden allesamt negativ getestet und dürfen am Dienstag wieder in die Schule - sofern sie nicht ohnehin Homeschooling haben.

Landrat Frey appelliert an die Bürger, weiter die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. "Das Coronavirus ist nicht weg." Am Freitag meldete das Landratsamt zwei neue Fälle, je einen aus Gauting und Seefeld. Diese stünden nicht mit dem Ausbruch in Gilching in Verbindung, es handele sich auch nicht um Bewohner von Asylunterkünften.

© SZ vom 11.07.2020
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Das Unternehmen beliefert die Unikliniken in Großhadern und in der Münchner Innenstadt täglich mit Tausenden Mahlzeiten.

Von Astrid Becker und Ekaterina Kel

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