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Gymnasium am Starnberger See:Elf Lehrer in Quarantäne - trotzdem Unterricht

Berg: Kempfenhausen Landschulheim Direktor Elmar Beyersdörfer

Elmar Beyersdörfer, Direktor des Landschulheims in Kempfenhausen, muss Unterricht umorganisieren und Infektionsschutzregelungen umsetzen.

(Foto: Nila Thiel)

Am Landschulheim Kempfenhausen hat sich eine Lehrerin mit dem Coronavirus infiziert. Bei etlichen Kollegen schlug die Warn-App Alarm.

Von David Costanzo

Elmar Beyersdörfer seufzt sehr tief und sagt: "Es ist nicht ganz einfach." Der Direktor des Landschulheims Kempfenhausen kämpft sich derzeit durch ein Dickicht an Infektionsschutzregelungen, das Wirrwarr zwischen den Gesundheitsämtern und er ringt um die Statik seiner Stundenpläne. Denn er hat es mit einer so noch nicht dagewesenen Konstellation zu tun: Eine Lehrerin des Gymnasiums hat sich mit dem Coronavirus infiziert, zehn weitere der 60 Kolleginnen und Kollegen befinden sich in Quarantäne, dazu ein Schüler - doch keine Klasse wurde in Quarantäne geschickt.

Wie kann das sein? "Die Schulfamilie ist verunsichert", räumt der Direktor ein. Eltern von Kindern aus der Klasse der erkrankten Lehrerin rufen an und wollen von Beyersdörfer wissen, ob sie noch zur Arbeit gehen können. Der Direktor versteht die Sorgen, doch er kann nur mit Blick auf die Schüler antworten, was ihm das Starnberger Gesundheitsamt übermittelte. "Offenbar bestand keine Gefahr für die Schüler", sagt Beyersdörfer. Die Lehrerin habe dargelegt, dass sie mit mindestens eineinhalb Metern Abstand zur ersten Bank unterrichtet habe, stets wie die Schüler einen Mund-Nasen-Schutz trug und die Räume gut gelüftet gewesen seien - genau so, wie es das Hygienekonzept des Gymnasiums vorsehe. Das bestätigt das Landratsamt. Der Direktor folgert: "Man muss dem Gesundheitsamt vertrauen." Auf die Frage, ob es ihn dennoch wundere, dass die Schule noch geöffnet sei, antwortet er: "Man kann manches nicht ganz nachvollziehen."

Das Gymnasium geht jedenfalls sicherheitshalber über die Anforderungen der Behörden hinaus - denn die beteiligten Gesundheitsämter widersprechen sich in ihren Bewertungen. Nach dem positiven Test der Lehrerin am Donnerstagabend seien drei Kolleginnen und Kollegen als Kontaktpersonen genannt worden, berichtet der Direktor. Das ruft die Behörden des jeweiligen Wohnorts auf den Plan: Während das Münchner Gesundheitsamt zwei Lehrer in Quarantäne schickte, hielt das die Behörde eines anderen Landkreises im Umland laut Beyersdörfer nicht für nötig. Der Direktor bat die betroffene Lehrkraft dennoch zum Test mit der Folge, dass auch diese bis zum Ergebnis für den Unterricht ausfällt. Das alles weiß er übrigens nur von den Kollegen. Von den Ämtern habe sich bislang nur das Starnberger gemeldet - und das sei am Donnerstag gewesen.

Am Wochenende schlugen dann die Corona-Warn-Apps mehrerer Kolleginnen und Kollegen und die eines Schülers rot Alarm - "Risiko-Begegnungen mit mindestens einer Corona-positiv getesteten Person". Auch diese lassen sich nun testen und müssen bis zum Ergebnis zu Hause bleiben. Damit sitzt fast jeder fünfte Lehrer in Quarantäne. "Derzeit fällt viel aus", sagt Beyersdörfer. Vor allem die Randstunden, also erste und sechste Stunden seien betroffen, andere Einheiten würden verlegt, so gut es geht. Sicherheitshalber hat das Direktorat den Schülern und Lehrern nahegelegt, die Maske auch in dieser Woche noch im Unterricht zu tragen.

Die Lehrerin habe ihr Unterrichtsmaterial den Kolleginnen und Kollegen zukommen lassen. Sie habe zunächst tatsächlich Symptome entwickelt, sagt der Direktor, Fieber und Kopfschmerzen, die wieder am Abklingen seien. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns bestehe aber fort.

© SZ vom 22.09.2020

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