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Gauting:Wenn der Schulleiter Corona-Alarm gibt

Das Gesundheitsamt kann die infizierte Zehntklässlerin zunächst nicht erreichen, weil im Befund des Labors die Telefonnummer fehlt. Da die Familie die Realschule informiert, telefoniert Direktor Manfred Jahreis die 30 Klassenkameraden und den Lehrer noch am Sonntag ab.

Von Carolin Fries

Hätte Manfred Jahreis am Sonntag nicht seine E-Mails gecheckt, wären am Montag vermutlich alle Schüler in die Gautinger Realschule spaziert - auch die Mitschüler der Zehntklässlerin, die sich nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt hat und mit der die 30 Jugendlichen zum Schulstart in der vergangenen Woche noch zusammen im Klassenzimmer saßen. Das Gesundheitsamt nämlich konnte die Schülerin nicht als solche identifizieren, weil auf der Mitteilung des Labors deren Rufnummer fehlte. Den Schulleiter wiederum hatte die Familie der Schülerin informiert. Dieser wiederum setzte am Sonntag die Kreisbehörde ins Bild.

Das Mädchen war laut Landratsamtssprecherin Barbara Beck in den letzten Wochen der Sommerferien in Portugal im Urlaub. Am Dienstag und Mittwoch ging die Gautingerin noch in die Schule, zeigte aber bereits leichte Krankheitssymptome, wie Manfred Jahreis erzählt. Noch am Mittwoch habe sie deshalb den Hausarzt aufgesucht, der einen Corona-Abstrich nahm. Donnerstag und Freitag blieb die Schülerin zu Hause. Am Samstag schließlich habe der Arzt die Familie informiert. Am Sonntag telefonierte Jahreis schließlich sämtliche Klassenkameraden ab sowie den Klasslehrer.

"Ein Glück, dass an den ersten beiden Schultagen ausschließlich Klassenleiter-Stunden stattfanden", sagt er. Wie der Rektor erzählt, ginge es allen Schülern und dem Lehrer gut, niemand zeige Symptome. Am Montag habe die Klasse mit dem digitalen Distanzunterricht begonnen. Bis einschließlich 23. September ist die komplette Klasse in Quarantäne, unabhängig davon, wie die Ergebnisse der Reihentestung ausfallen, der sich nun alle 30 Mitschüler sowie der Lehrer unterziehen müssen. Laut Beck bieten zwei Ärzte des Gesundheitsamts die Abstriche an diesem Dienstagnachmittag in der Realschule an. Die Betroffenen könnten sich aber auch an ihren Hausarzt wenden.

Jahreis ist froh, dass wegen der konsequenten Einhaltung der Maskenpflicht und des Hygienekonzepts der Schule lediglich der Klassenverband von der Quarantäne betroffen ist. Im Pausenhof hat jede Klasse einen separaten Bereich, in den Umkleiden der Turnhalle gibt es zugewiesene Plätze. "Das funktioniert vorbildlich", so Jahreis. Er appelliert aber an die Schüler, auch außerhalb der Schule umsichtig zu sein, und mahnt in einem Elternbrief: "Bereits nach Schulende kann ich von meinem Büro aus beobachten, dass einige Schüler*innen schon auf dem Campusgelände das Abstandsgebot nicht mehr einhalten und Körperkontakt zwischen den Jugendlichen stattfindet." Er sagt: "Das hebelt unser Konzept komplett aus."

Zudem sollten Schüler bei Krankheitssymptomen einer Erkältung unbedingt zu Hause bleiben und zur Klärung einen Arzt aufsuchen. Er rechnet mit weiteren Coronavirus-Fällen von Schülern. "Ich bin nicht blauäugig. Wir waren jetzt die erste Schule im Landkreis. Andere werden folgen." Den Posteingang seiner E-Mails jedenfalls werde er auch weiterhin am Wochenende kontrollieren.

Am Montag hat das Landratsamt drei Neuinfektionen im Landkreis gemeldet. Eine Person aus Starnberg habe sich bei einer erkrankten Person im Landkreis angesteckt, so Beck. Zudem wurde ein Reiserückkehrer aus Tutzing positiv getestet und eine Person aus Gilching, die sich laut Landratsamt wahrscheinlich im Landkreis angesteckt hat. Damit wurde seit Ausbruch der Pandemie bei insgesamt 758 Landkreisbürgern Sars-CoV-2 nachgewiesen, 697 davon gelten bereits als genesen. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert, der angibt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert haben, ist am Montag leicht gestiegen und liegt nun bei 22,8. Die Marke 50 gilt als kritische Schwelle, ab der schärfere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus etwa in Schulen und Kitas drohen. Am Freitag lag der Wert bei 19,8.

Die Probleme mit dem Testzentrum in Gilching hatten auch am Montag noch Bestand. So lägen die Diagnosen des Drive-in nach wie vor nicht binnen der vom Landratsamt angekündigten 48 Stunden vor, wie Beck bedauerte. Auch sei nach wie vor unklar, ob die Übermittlung der Befunde über die Corona-Warn-App reibungslos funktioniere, weshalb Mitarbeiter des Landratsamtsamtes diese weiterhin telefonisch den Betroffenen mitteilen.

Vorausgesetzt, die Labore liefern die Befunde mit einer Telefonnummer. "Es kommt leider immer mal wieder vor, dass die fehlt", so Beck. Insbesondere wenn dies bei positiven Ergebnissen der Fall sei, beginne im Gesundheitsamt eine umfangreiche Recherche, um die infizierte Person - sowie deren enge Kontaktpersonen - möglichst schnell kontaktieren zu können.

© SZ vom 15.09.2020

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