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Starnberger See:Der große Traum von Tiny Houses

Doris Kremser auf ihrem Bauernhof in Bernried.

(Foto: Arlet Ulfers)

Doris Kremser will auf ihrem Bauernhof in Bernried zehn der Minihäuser errichten. Es wären die ersten im Fünfseenland - doch die bürokratischen Hürden sind hoch.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Höfe, die sich neben der Landwirtschaft mit Urlaub auf dem Bauernhof ein zweites Standbein schaffen, gibt es in der Region viele. Doris Kremser aus Bernried hat eine andere Idee. Die gelernte Hotelfachfrau will auf ihrem Bauernhof im Ortsteil Hapberg sogenannte Tiny Houses errichten. Es wäre das erste Projekt dieser Art im Fünfseenland. "Mir gefallen Tiny Houses, ich finde das Konzept einfach gut", sagt sie.

Auf ihrer Hofstelle wäre ihrer Meinung nach Platz für etwa zehn der Minihäuschen mit jeweils 45 Quadratmetern Wohnfläche. Sie könnten im großzügigen Abstand zueinander stehen, so dass der Umgriff für jede Parzelle ungefähr 150 Quadratmeter groß wäre. Tiny Houses sind nach Kremsers Angaben nicht nur gefragt bei Familien, die Urlaub machen wollen. Das Konzept liege auch im Trend bei jungen Paaren, Alleinerziehenden oder Aussteigern, die nicht genug Geld haben, um herkömmliche Mieten zu bezahlen. Zudem gebe es Interessierte, die in idyllischer Landschaft autark leben wollen auf wenig Raum. "Viele denken an die ökologische Seite - nicht größer und größer, sondern minimalistisch." Diese Menschen wollten sich ein Eigenheim schaffen, ohne viel Geld für Grund und Boden auszugeben, sagt Kremser. Daher könnten einige Parzellen auch längerfristig verpachtet werden.

Kremser verfolgt die Tiny-House-Idee schon länger. Die 43-Jährige ist Quereinsteigerin. Ursprünglich sollte ihr Bruder die Landwirtschaft der Eltern übernehmen. Als dieser starb, wurde der Bauernhof verpachtet. Seit ihr Vater den Hof an sie überschrieben hat, überlege sie sich, den Bauernhof selbst zu bewirtschaften, sagt sie. "Ich möchte, dass der Hof weiter besteht." Dieses Interesse wolle sie auch an ihre Kinder weitergeben.

Derzeit macht Kremser eine landwirtschaftliche Zusatzausbildung, die sie im Sommer abschließen wird. Den Milchwirtschaftsbetrieb mit 200 Kühen will sie allerdings nicht eins zu eins übernehmen. Das sei zu zeitintensiv, erklärt sie. Die Kühe soll es aber weiterhin geben. Kremser könnte sich einen Mastbetrieb oder Mutterkuhhaltung vorstellen. Da keines ihrer vier Kinder später die Landwirtschaft übernehmen wolle, setzt sie auf das Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Konzept mit Tiny Houses.

Kleiner Wohnen

Obwohl in vielen Ländern die Zahl der in einem Haushalt zusammenlebenden Personen in den vergangenen Jahren sank, nahm die Größe der neu errichteten Einfamilienhäuser zu. Das "Tiny House Movement" ist eine gesellschaftliche Bewegung mit Ursprung in den USA, die das Leben in kleinen Häusern propagiert. Während der Ursprung zunächst in einer Kostenreduktion gesehen werden kann, haben sich die Entscheidungsgründe inzwischen in Richtung eines nachhaltigen Wohnens und Lebens entwickelt. In Deutschland gilt Peter Lustig aus der Fernsehsendung "Löwenzahn" als Vorläufer, der in den 80er-Jahren in einem Bauwagen lebte. Vor wenigen Wochen zog die Schauspielerin Cosma Shiva Jagen in ein 47 Quadratmeter großes Minihaus bei Hamburg. Auch als Gäste- oder Wochenendhaus werden Tiny Houses vermehrt genutzt. frie

Als CSU-Gemeinderätin weiß Kremser jedoch, dass Tiny Houses nicht überall erlaubt sind und es noch keine eindeutigen Bauvorschriften gibt. Doch der Pachtvertrag für den Hof läuft erst 2025 aus. Sie hat also genug Zeit, um die Planungen auf praktisch umsetzbare Füße zu stellen. In der jüngsten Sitzung des Bernrieder Gemeinderates sind Kremsers Vorschläge auf Wohlwollen gestoßen. Michael Haberl (BL/Grüne) beurteilte das Vorhaben als "gute Idee", zumal das erforderliche Baurecht bereits bestehe. Seine Fraktionskollegin Christine Philipp zählte weitere Vorteile auf: Da es sich um mobile Häuser handle, werde kein Boden versiegelt und die Landschaft bewahrt. Zudem sind Tiny Houses ihrer Ansicht nach eine Alternative für Jung und Alt, die Wohnen auf kleinstem Raum einfach mal ausprobieren wollten.

Laut Bürgermeister Georg Malterer (ÜFW) gibt es seit ein paar Jahren "landauf, landab einen gewissen Trend" für die Tiny Houses. Es sei bereits Thema bei der Bürgermeisterdienstbesprechung gewesen, sagte der Rathauschef; denn es müsse geprüft werden, "wie man damit umgeht". Malterer wies darauf hin, dass auf jeden Fall eine Baugenehmigung erforderlich sei, wie für normale Häuser auch. Die bestehende Rechtsunsicherheit soll nun im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens geklärt werden. Einstimmig entschied das Gremium, dass die Antragstellerin die Kosten übernehmen muss. Der Beschluss wurde ohne Kremser gefällt.

© SZ vom 03.05.2021
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