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Linksaußen:Von wegen altes Eisen

Sascha Moelders (1860) artistisch GER, TSV 1860 Muenchen vs. SC Verl, Fussball, 3.Bundesliga, Saison 2020/2021, 10.04.20; Sascha Mölders Verl

"Gösser-Muskel", "Bier-Spoiler" oder "Wampe von Giesing": Selbstironie ist nicht die Stärke der gewöhnlichen Fußball-Profis, bei Löwen-Stürmer Sascha Mölders sehr wohl.

(Foto: Marcel Engelbrecht/Eibner/Imago)

Merkel, Bohlen und Akkurt treten ab. Dafür hat die selbsternannte "Wampe von Giesing" noch lange nicht genug.

Von Stefan Galler

Man darf davon ausgehen, dass Angela Merkel ihren letzten Arbeitstag im Kanzleramt so angeht, wie sich das für eine seriöse Person gehört: Letzte Spesenabrechnung einreichen, Arbeitsplatz aufräumen, eine allenfalls leicht sentimentale Abschiedsmail an alle verfassen und schließlich den engeren Zirkel zu einem Gläschen Sekt und Käsecrackern bitten. Die Regierungschefin ist ja nur eine von zahlreichen Größen aus Politik, Sport und Unterhaltung, die in diesem Jahr ihren Job an den Nagel hängen. Für Bundestrainer Jogi Löw gilt ähnliches, allerdings ist in seinem Fall noch nicht klar, wo und wann der Biersponsor der Nationalmannschaft ein Fässchen für die Kollegen bereitstellen muss. Im Idealfall am späten Abend des 11. Juli in London - dann hätte Deutschland nämlich das EM-Finale bestritten.

Aber leider laufen nicht alle Abschiede so harmonisch ab wie jener von Amateur-Torjäger Orhan Akkurt, der in den vergangenen 15 Jahren alles in Grund und Boden geschossen hat und deshalb nicht nur bei seinen früheren Klubs im Großraum München Kultstatus genießt. Ihn mögen sie überall, auch außerhalb von Pullach, Großhadern, Heimstetten und Ismaning. Nun hört er auf und man kann sich irgendwie nicht recht vorstellen, wie er seinen Arbeitsplatz aufräumt: Die Strafräume auf den Bayernligaplätzen sind ja wegen Corona seit Monaten verwaist. Da liegt nix rum, was der "Torhan" entsorgen müsste.

So mancher macht sich in diesen Tagen Gedanken über seinen Ruhestand, so soll Musikproduzent Dieter Bohlen, Schöpfer der packenden Sporthymne "You Can Win If You Want", nach seinem Aus bei "Deutschland sucht den Superstar" ernsthaft darüber nachdenken, künftig auf Mallorca zu leben. "Ich habe alles, was ich brauche, die Sonne scheint, keiner nervt", gab er via Instagram durch. Das Schöne dabei: Auch Bohlen nervt keinen, wenn er auf der Insel weilt. Eine Win-Win-If-You-Want-Situation, sozusagen.

Neymar plant schon die Karriere nach der Karriere: Vom Fußball- zum Pokerprofi

Apropos nerven: Neymar plant ebenfalls bereits für die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn. Und zwar eine Karriere als - nein, nicht Schauspieler -, sondern Pokerprofi. Dass er das nötige Talent dafür hat, zeigen seine aktuellen Vertragsgespräche mit Paris St. Germain. Dabei war seine Verhandlungsposition zuletzt gar nicht so gut, nächtliche Konsolenspielexzesse und Reality-TV-Marathons ("Big Brother Brazil") hatten in Frankreich sogar Sportpsychologen auf den Plan gerufen. Die Kritiker sind spätestens am Dienstag bei der Neymar-Gala gegen Bayern verstummt. Und schließlich macht PSG alleine mit dem Verkauf seiner Leiberl mehr Kohle als Bohlen mit Tantiemen.

Darin wittert offenbar auch Sascha Mölders ein Geschäft, gerade erst hat der Löwen-Stürmer seinen Online-Fanshop eröffnet, in dem es beispielsweise ein T-Shirt gibt, auf dem er mit seinem spektakulären Tor per Seitfallzieher gegen Verl abgebildet ist: Das Trikot nach oben gerutscht, gab jene Szene freien Blick auf das, was der Österreicher "Gösser-Muskel" nennt. Mölders ließ auf das Hemd kurzerhand den Schriftzug "Die Wampe von Giesing" drucken. Selbstironie ist eine feine Eigenschaft. Und weil es gar so gut läuft, hat der 36-Jährige sein Karriereende zuletzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Schließlich wird er ja auch immer wieder mit Zlatan, 39, verglichen, und der hat auch noch lange nicht fertig.

Oder doch? Zuletzt gab es Gerüchte, dass Ibrahimovic eine dreijährige Sperre droht, weil er Anteile an einem schwedischen Wettanbieter besitzt. Ach herrje, wäre das ein tragischer Abschied für einen der Größten seiner Zunft: Kein Sekt, nicht mal Knäckebrot. Aber vielleicht kommt der selbsternannte Gott ja mit 42 nochmal zurück. Ein Typ für Abschiedsmails ist Zlatan jedenfalls nicht.

© SZ
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