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SPD-Mann Florian Post:Keine Scheu und eine stabile Meinung

February 2, 2019 - Munich, Bavaria, Germany - SPD Bundestag member FLORIAN POST during an appearance

Seit 2013 sitzt Florian Post für die Münchner SPD im Bundestag.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Der Münchner SPD-Bundestagsabgeordnete macht Politik gern mit dem Dreschflegel - nun muss er einen herben Schlag einstecken.

Von Heiner Effern

Als Adidas vor gut einem Jahr ankündigte, wegen der Corona-Beschränkungen keine Miete für die Läden mehr zu bezahlen, äußerten viele Politiker emotionale Kritik. Einer aber nahm ein altes Polo-Shirt des Unternehmens, warf es in eine Tonne und zündete es an. Den Film versandte er über die sozialen Medien und kommentierte: "Ich werde keine Adidas-Sachen mehr tragen, und aus diesem Grund möchte ich hier ein Zeichen setzen."

Willkommen in der politischen Welt des Bundestagsabgeordneten Florian Post. Seit 2013 gehört der Sozialdemokrat aus München dem Bundestag an. Er fiel vor allem deswegen auf, weil ihm für ein Duell nicht nur das Florett zu fein ist, sondern auch der Säbel. Wenn ihm der Kragen platzt, dann greift er zum Dreschflegel.

Auch am vergangenen Wochenende ließ Post seinem Zorn freien Lauf. Der Anlass legt aber nahe, dass er spätestens im Herbst die große Bühne dafür verlieren wird. Bei der Aufstellung der SPD-Listenkandidaten im Regierungsbezirk Oberbayern sollte er als Spitzenmann gewählt werden. Doch seine Partei ließ ihn krachend durchfallen. Das bedeutet für ihn wohl das politische Ende: In Bayern ziehen Sozialdemokraten gewöhnlich über die Liste in den Bundestag ein: Ein Direktmandat liegt in der Regel außer Reichweite.

Post bezichtigte nach seinem Debakel nicht nur die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen, sämtliche Gewerkschafter und Jungsozialisten der meuchlerischen Intrige. Eine Parteikollegin, die gegen ihn gesprochen hatte, ging er in einem Tweet privat derart rüde an, dass er das Urteil vieler Parteifeinde bestätigte: Post im Furor missachtet die Gürtellinie des Anstands nicht nur, er kennt sie gar nicht.

Zu viele Genossen in Oberbayern haben genug von ihm

Dabei legte der 39 Jahre alte Abgeordnete eine Karriere aus dem Nichts hin. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in München und Passau arbeitete er von 2005 bis 2009 bei einer Unternehmensberatung, ehe er zu den Münchner Stadtwerken wechselte. Diese gelten traditionell als sehr SPD-nah, 2012 bewarb er sich in der Partei um das Direktmandat im Münchner Norden.

Das war in Bayern nicht irgendein Bundeswahlkreis, sondern so etwas wie der einzige Hoffnungsschimmer auf einen Sieg. Und sein Gegner hieß Axel Berg, der 2002 und 2005 als einziger Sozialdemokrat im Freistaat ein Direktmandat gewonnen hatte. Doch Berg hatte sich zwar intensiv um die Wähler, nicht aber um die Ortsvereine und Parteifreunde gekümmert. So etwas verzeihen die Sozialdemokraten in München nicht, also setzte sich Post durch und zog über die Liste 2013 in den Bundestag ein.

Dort zeigte er, dass er keine Scheu kennt und eine stabile Meinung hat. Er wich beim Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche als einer von sechs SPD-Abgeordneten von der Parteilinie ab, trat stets als treuer Begleiter von Sigmar Gabriel auf und nervte die damalige SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles mit seiner Kritik so sehr, dass sie ihm seinen Platz im Wirtschaftsausschuss entzog. "Was haben denn die bei ihrer Krisensitzung gesoffen?", soll Post geäußert haben, als sich Nahles zunächst für eine Beförderung des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen ausgesprochen hatte.

An der Münchner Basis kamen derbe Sprüche meist so an, wie Post sie verstanden haben wollte: als Haltung. Seine Aussetzer haben ihm die Parteikollegen immer wieder verziehen, seine fachliche Arbeit und sein Einsatz werden honoriert. Im Nominierungsverfahren im eigenen Wahlkreis sollte ihn, mit Rückenwind aus Berlin, eine Gegenkandidatin ausbremsen. Sie hatte keine Chance.

Nach den eisernen Gesetzen der SPD wäre damit der Weg für eine neue Amtszeit frei gewesen. Wer sich in ein Mandat hochgedient hat, der erhält in Bayern gewöhnlich einen sicheren Listenplatz. Darauf hatte sich Post verlassen. Doch zu viele Sozialdemokraten in München und Oberbayern konnten ihn und seine Art der Politik offenbar nicht mehr ertragen.

© SZ/jok/infu
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