Nachruf:Der Retter des Reinheitsgebots

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Nachruf: Siegfried Donhauser, viele Jahre Lehrstuhlinhaber an der TU Weihenstephan, hat als erster eine Methode entwickelt, Rohfruchtzusätze im Bier nachzuweisen.

Siegfried Donhauser, viele Jahre Lehrstuhlinhaber an der TU Weihenstephan, hat als erster eine Methode entwickelt, Rohfruchtzusätze im Bier nachzuweisen.

(Foto: privat/oh)

Siegfried Donhauser, gelernter Brauer, wurde der "Bierpapst" genannt. Nun ist der der emeritierte Professor der TU in Weihenstephan mit 95 Jahren gestorben.

Von Sabine Buchwald, München

Bier ist Geschmackssache, was zu seinem Aroma beiträgt aber nicht verhandelbar. Jedenfalls in Bayern nicht. Hier steht das "Reinheitsgebot", 1516 erlassen, über allem. Gerste, Hopfen und Wasser sind die drei heiligen Zutaten des bayerischen Biers. Ob dies immer noch so wäre, wenn Siegfried Donhauser nicht akribisch geforscht hätte, etwaige Zuwiderhandlungen aufzudecken? Als "Retter des Reinheitsgebots" wurde er bezeichnet und als "Bierpapst", die Ergebnisse seiner jahrelangen Arbeit im Labor gelten als "Sternstunden der Bierforschung".

Donhauser gelang es Anfang der Sechzigerjahre, den für eben jenes Reinheitsgebot wichtigen Nachweis von Zusätzen oder gar anderen Getreidesorten möglich zu machen. Damals waren die Bayern plötzlich mit Bieren aus anderen Ländern konfrontiert. Was heute in vielen Kneipen zum Selbstverständnis gehört, nämlich eine breite internationale Auswahl an Biersorten, empörte damals traditionsbewusste Biertrinker. Als gelernter Brauer fühlte sich Donhauser berufen, Verstöße gegen das Reinheitsgebot wissenschaftlich nachzuweisen. Seine Idee war es, unerlaubte Zugaben zum Gerstensaft mit einem immunologischen Verfahren aufzudecken. Die Skepsis, die ihm am Anfang aus Kollegenkreisen entgegenschlug, spornte ihn an. Jahre später bekannte Donhauser in einem Interview gedacht zu haben: "Denen zeig' ich's". Und er hat es allen gezeigt. Der Brauer entwickelte ein Serum, mit dem sich nachweisen lässt, was gemäß dem Reinheitsgebot im bayerischen Bier keine Berechtigung hat. Aus dieser leidenschaftlichen Forschung wurde eine Dissertation, die Donhauser 1964 in Weihenstephan einreichte.

Vom gelernten Mälzer zum Universitäts-Professor

Donhauser stammt aus der Oberpfalz. Er wurde am 1. Juli 1927 in Amberg geboren, von 1933 an lebte er mit seiner Familie in Weiden. Im Zweiten Weltkrieg war er Fallschirmjäger, wurde verwundet und kam in Kriegsgefangenschaft. 1948 machte Donhauser sein Abitur und im Anschluss eine Lehre zum Brauer und Mälzer. Wissenschaftliches Arbeiten lernte er beim Studium des Brauereiwesens an der heutigen Technischen Universität in Weihenstephan. Donhauser arbeitete 1953 als Betriebskontrolleur im Münchner Hofbräuhaus und als Braumeister und Betriebsleiter unter anderem bei der Unionsbrauerei Fulda. Von 1968 bis 1973 war er Vorstand der Innstadt Brauerei Passau, erhielt sich aber seine Lust an der Forschung. 1978 habilitierte er zum Thema "Immunologische Untersuchungen zum Nachweis von Zusatzstoffen bei der Mälzung und Bierbereitung". In Anlehnung an die Blutgruppenserologie entwickelte Donhauser mikrobiologische Methoden, die den Strukturvergleich der Proteine verschiedener Getreidesorten erlaubten. 1980 kehrte er an seine Universität zurück, wo er einst studierte: Er wurde auf den Lehrstuhl für Technische Mikrobiologie und Technologie der Brauerei II der TU München in Weihenstephan berufen. Bis zu seiner Emeritierung in den Neunzigerjahren widmete sich Donhauser der Qualitätskontrolle von Bier. Auch nach der Übergabe seines Lehrstuhls 1995 an Eberhard Geiger beschäftigten Donhauser weiter immunchemische Methoden in Brauereien und die Pflege der Hefe.

Für seine Verdienste zur Durchsetzung des Reinheitsgebots und den Erhalt des Passauer Brauereigeländes wurde er mit dem Bayerischen Bierorden, dem Bayerischen Verdienstorden (1986) und dem Bundesverdienstkreuz (1982) ausgezeichnet. 2016 antwortete er einer Journalistin auf die Frage nach Lockerungen des Reinheitsgebots: Was nicht danach gebraut werde, dürfe man nicht als Bier verkaufen. Es müssten dann eben "bierähnliches Getränk" heißen.

Wie jetzt erst bekannt wurde, ist Siegfried Donhauser bereits am 26. Juli mit 95 Jahren gestorben.

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