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Sekte:Der Scientologe weg, und alle Fragen offen

München:  Bauten des Nationalsozialismus

Das Haus der Kunst an der Prinzregentenstraße ist wegen eines mutmaßlichen Scientologen in die Schlagzeilen geraten.

(Foto: Johannes Simon)
  • Die Rolle eines früheren Personalverwalters im Haus der Kunst, der Scientologe sein soll, wirft viele Fragen auf.
  • An diesem Mittwoch tritt der Aufsichtsrat zu einer Klausur zusammen, um die verschiedenen Probleme in dem Museum aufzuarbeiten.
  • Der langjährige Mitarbeiter hat seinen Posten inzwischen verloren - die Lage bleibt dennoch angespannt.

Es gilt, einen Brand zu löschen am Mittwoch, wenn der Aufsichtsrat des Hauses der Kunst zu seiner außerordentlichen Sitzung zusammentritt. Einen Brand, der schon lange schwelt. Die Frau, die die Tür aufriss, das Kokeln sichtbar machte und anfachte, war Isabell Zacharias. Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion setzte die Öffentlichkeit Ende Februar über eine mögliche Unterwanderung des Hauses der Kunst durch Scientology in Kenntnis. In der Folge bestätigte Kultusminister Ludwig Spaenle, der dem Aufsichtsrat des Hauses vorsitzt, bereits den Verfassungsschutz eingeschaltet zu haben.

Konkret ging es um einen langjährigen Mitarbeiter, der als Personalverwalter geführt wurde, von dem sich das Haus Anfang März dann aber trennte. Über weitere Fälle wird bis heute gemutmaßt. Sowohl der Betriebsrat auf der einen Seite als auch die Unterstützer des Personalverwalters auf der anderen sprechen von Mobbing und einem Klima das Misstrauens in der Belegschaft.

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Spaenle bezeichnete die Lage als "sehr ernst", sprach die Probleme einer juristischen Auseinandersetzung mit Scientology an, und hätte die Angelegenheit zweifellos lieber weniger öffentlich gelöst. Zumal er am Ende nun ausbadet, was schon lange vor seiner Amtszeit begonnen hat. Wie der Anfang genau aussah, lässt sich schwer rekonstruieren, die meisten der Beteiligten hüllen sich in Schweigen oder wollen sich zumindest nicht zitieren lassen.

Klar ist: Der Mann, an dem sich diese Debatte entzündete und mit dem das Haus der Kunst Anfang März das Arbeitsverhältnis löste, war bereits seit 1995 dort beschäftigt. Zunächst offenbar als externer Mitarbeiter der Buchhaltung. Im Laufe der Zeit hat sich sein Wirkungskreis dann aber immer weiter ausgedehnt - besonders stark in den vergangenen acht, neun Jahren. Zuletzt teilte er sämtliche Aufsichten und das Kassenpersonal ein. Er wurde als "Personalverwalter" auf der Internetseite des Museums geführt und er verwaltete unter anderem die "Employment"-Mail-Adresse für sämtliche Bewerbungen, die an das Haus gerichtet wurden. Fest angestellt war der Mann in all den Jahren offiziell nicht.

Wie problematisch das Wirken eines mutmaßlichen Scientologen mit Personalverantwortung ist, ist der bayerischen Verwaltung spätestens seit 1996 bewusst. Damals - Edmund Stoiber war Ministerpräsident, Hans Zehetmaier Kultusminister und Christoph Vitali der Direktor des Hauses der Kunst - wurden Fragebögen eingeführt, die seither jeder ausfüllen muss, der von staatlichen Institutionen irgendeine Art von Lohn oder Fördergeld erhält.

Scientology hat mehrfach versucht, diese Fragebogen-Praxis juristisch anzufechten. Schon 1996 soll die mutmaßliche Mitgliedschaft des späteren Personalverwalters im Haus der Kunst Thema gewesen sein; zum Handeln veranlasst sah sich damals aber offenbar niemand. Warum auch in den Folgejahren im Haus der Kunst besagter Fragebogen zur Scientology-Anhängerschaft nie verteilt wurde, ist bis heute nicht geklärt.