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Haus der Kunst:Wenn Scientology die Wirtschaft unterwandert

Haus der Kunst in München, 2015

Unterwandert von Scientology? Im Haus der Kunst in der Prinzregentenstraße wird ermittelt.

(Foto: lukasbarth.com)

Im Münchner Haus der Kunst ermittelt der Verfassungsschutz, ob ein Scientologe in einer Spitzenposition beschäftigt wurde. Wenn das stimmt, wären die Folgen enorm

Seine Methoden möchte Scientology auch in der Wirtschaft verbreiten. Zu diesem Zweck wurde 1979 das World Institute of Scientology Enterprises (WISE) gegründet. Im Dossier des bayerischen Verfassungsschutzes von 2010 steht, es sei Aufgabe des WISE-Topmanagements, die Verwaltungstechnologie des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard in Unternehmen und auch "in der öffentlichen Verwaltung einzuführen".

Träfe dies beim Haus der Kunst zu, wären die Folgen enorm. Der Verfassungsschutz zitiert 2010 ein Bulletin von Scientology im Wortlaut: "Erobern Sie, egal wie, die Schlüsselpositionen (...) als Personalchef einer Firma, als Leiter eines guten Orchesters, als Sekretärin des Direktors, als Berater der Gewerkschaft."

Sei in einem Unternehmen erst eine Spitzenposition mit einem Scientology-Mitglied besetzt, so schreibt der Verfassungsschutz, "wird vor allem die scientologische Ethik im Unternehmen angewendet. Erfahrungen zeigen, dass in Firmen, die nach den scientologischen Prinzipien umstrukturiert werden, neben den Personalakten auch Ethik-Akten von Mitarbeitern angelegt werden (...) Wer sich weigert, die scientologische Ethik im Betrieb zu akzeptieren, muss mit einer Kündigung rechnen."

Laut Verfassungsschutz ist es das erklärte Ziel von Scientology (SO), "die Einflusssphäre in der Gesellschaft zu vergrößern. WISE-Mitgliedsfirmen (...) führen bis zu 15 Prozent ihres Bruttoumsatzes (nicht nur ihres Gewinns) an die SO als Lizenzgebühr ab.

Diese Einnahmen werden zum weiteren Ausbau des Systems benutzt." In München steht dadurch zudem die Frage im Raum, ob die besondere Finanzkonstruktion des Hauses der Kunst als Stiftung helfen könnte, gewisse Finanzflüsse weniger transparent zu gestalten als in anderen, rein staatlichen Institutionen.

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