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Romans:Italienisch für Blaublüter

Romans

Steinbuttfilet mit Safrankartoffeln und Blumenkohl ist eines der Angebote im Romans.

Weniger "Wichtigsamma"-Mentalität täte dem Romans in Neuhausen sicher gut. Aber das vorzügliche italienische Essen und der ehrliche Kellner sind einen Besuch wert.

Fragt man in Neuhausen nach der Romanstraße, bekommt man oft eine Nachhilfe in Sachen Aussprache zur Wegbeschreibung dazu. Die Betonung liege auf der ersten Silbe, habe doch der Name wenig mit Literatur und viel mit Rudolf Ernst Philipp August Freiherr von Roman zu tun. Die blaublütigen Wurzeln sind bis heute Programm: Villa an Villa reiht sich in der Romanstraße, die als eines der teuersten Pflaster Münchens gilt.

Nicht weiter verwunderlich also, dass das Romans in der Romanstraße sich als Edelitaliener versteht - oder als "schickes Szenelokal" mit "gehobener italienischer Küche", wie es auf der Homepage heißt. Wir versuchen uns von solcher "Wichtigsamma"-Mentalität nicht vergraulen zu lassen. Immerhin schmücken die Tür des denkmalgeschützten Eckhauses die Empfehlungen zahlloser Restaurantführer - was darauf hoffen lässt, dass das Geld beim Südtiroler Küchenchef Walter Augscheller gut angelegt ist.

Während wir uns zum Aperitif einen Spritzer, Aperol mit Weißwein (4,90 Euro), gönnen, lassen wir den Blick durch das große Lokal mit den hohen Stuckdecken schweifen: Die Tische tragen weiß, die Kellner schwarz. Die rötliche Farbe der Wände erinnert an ein Landhaus in der Toskana. Die Wandteppiche mit den mediterranen Pflanzenvariationen und die vielen Plastikblumen zielen in die gleiche Richtung - alles ein wenig kitschig und doch typisch italienisch.

Voll wie am Strand von Rimini

Zunächst bekommen wir Weißbrot und einen kleinen Teller mit Öl serviert. Die Auswahl der Vorspeisen fällt nicht weiter schwer, denn die Karte des Romans ist überschaubar. Der gemischte Antipasti-Teller (10,30 Euro) beherbergt eine etwas seltsame Mischung aus Meeresfrüchten, eingelegtem Gemüse und Melone und schmeckt bestenfalls solide. Das Carpaccio vom Rind (9,80 Euro) ist eine Enttäuschung: Das Fleisch klebt am Teller und schmeckt fade, die Unmengen von Parmesan, unter denen es fast verschwindet, machen es nicht besser.

Der schön angerichtete Hauptgang versöhnt uns wieder: Die Fettucchine (10,50 Euro) sind al dente, an den Flusskrebsen hat der Koch nicht gespart, der Lauch gibt der Pasta das gewisse Extra. Die frisch gegrillten und äußerst saftigen Fischvariationen (17,50 Euro) lassen einen an den letzten Urlaub am Mittelmeer denken.

Freunde des Romans behaupten sogar, ein lauer Sommerabend im schönen Garten des Ristorante ersetze fast den Italientrip - vorausgesetzt man findet noch ein freies Plätzchen. Im Keller, auf dem Weg zu den Toiletten, wirbt ein Schaufenster allerdings nicht für Landhäuschen in Italien, sondern für schicke Domizile in Nymphenburg. Gleich daneben steht ein Weinkeller für private Momente zur Verfügung.

Auch im Restaurant selbst geht es - trotz Schneegestöber vor dem Fenster - inzwischen wie am Strand von Rimini zu. Das Restaurant wird von der betuchteren Nachbarschaft sehr geschätzt - und davon gibt es in der Romanstraße ja eine ganze Menge. Auch ein paar Pärchen mit dicken Autos und Vorstadt-Kennzeichen haben den Weg hierher gefunden. Das Stimmengewirr ist ohrenbetäubend, vielleicht würde ein wenig italienische Musik dem Romans zu mehr Ambiente verhelfen.

Die Beliebtheit des Ristorante hängt sicher auch mit der gut sortierten Weinkarte zusammen, die aus fast jeder Region Italiens etwas bietet. Dass wir einen vorzüglichen Tropfen erwischen, haben wir nicht zuletzt dem netten Kellner zu verdanken. Als wir einen Primitvo aus Apulien bestellen wollen, verzieht er das Gesicht und verrät uns leise, dass dieser absolut ungenießbar sei. "Wer macht so einen Wein?", fragt er kopfschüttelnd. Der sizilianische Segreta Rosso (26 Euro/Flasche) erweist sich dagegen als guter Tipp.

Bei einer Creme Brulée (7,50 Euro) und einem Espresso (2 Euro) lassen wir den Abend ausklingen - gehört doch ein richtiger Kaffee zu einem guten Italiener dazu. Mit dem vollmundigen Vergnano aus Turin besteht das Romans den Test spielend. Das Dessert, garniert mit einem Notenschlüssel aus Kirschsoße, ist ein Gedicht - da soll noch einmal jemand sagen, die Romanstraße habe nichts mit Literatur zu tun.

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