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Rock-Geschichten:Marie Waldburg, Reporterin

"Null Starallüren" habe der Mick. Wer könnte das besser beurteilen, als Marie Waldburg. Als Society-Reporterin hat sie etliche Stars getroffen - und den Stones-Sänger immer wieder. Das erste Mal war 1982, die Pressestelle vom Hilton Hotel hatte ihr den Tipp gegeben, in welcher Suite Jagger wohne: Waldburg, damals bei der Abendzeitung, schnappte sich einen Fotografen und fuhr hin: Nirgends stieß sie auf Leibwächter oder Sicherheitsleute. Jagger öffnete die Tür, bat höflich herein. Er trug Jeans, T-Shirt und Bomber-Jacke und gab bereitwillig Auskunft. "Er ist gebildet, witzig und unkompliziert - britische Schule," sagt die Journalistin.

So erlebte sie ihn auch 2004, als Gloria von Thurn und Taxis im kleinen Kreis eine Feier im Restaurant Lenbach von Peter Schmuck gab; die Fürstin kannte die Stones gut aus der wilden München-Partyzeit in den Siebzigern. Mick "federte" herein und stellte sich den 20 Leuten vor: "Hi, I'm Mick." - "Als hätten wir's nicht gewusst." Sie tanzten und redeten über England, seine vielen Kinder und seine "männliche Musik", es freute ihn, dass Waldburg alles kannte. "Klar, ich bin schon Fan", sagt sie. Zwei Jahre später kam er wieder und feierte in der Kellerbar eines Hotels (die Waldburg nicht verrät, weil da eventuell diesmal wieder gefeiert wird).

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Konzert der Rolling Stones

Können diese schmalen Hüften lügen?

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Es war nicht abgeriegelt, jeder konnte rein. Jenny Elvers allerdings, die ein Selfie mit Jagger machen wollte, flog sofort raus. Marie Waldburg traf ihn häufiger, etwa als er auf der Donau-Schipperei zum 65. Geburtstag von Glorias Mann Goldie sang, oder 2011 bei den Filmfestspielen in Cannes auf der Yacht von Paul Allen. Society-Reporter-Schicksal. Zuletzt sah sie ihn vor vier Jahren in London. "Du bist eine Freundin von Gloria", erinnerte er sich. "Ich glaube, er weiß gar nicht, dass ich bei der Presse war, sonst wäre er vielleicht nicht so freundlich zu mir."

Arthur Silber, Studio-Besitzer

Es dreht sich nicht alles nur um Mick oder Keith. Da gibt es zum Beispiel noch Bobby Keys, den langjährigen Saxofonisten der Stones, der übrigens am selben Tag geboren wurde wie Keith Richards. Als die Stones 1995 im Olympiastadion gastierten, erhielt Arthur Silber, Chef der Downtown Studios, einen ominösen Anruf. Ob er nach dem Konzert noch ein Studio freihabe, es werde spät, so gegen 1 Uhr. Ein österreichischer Musiker reiste den Stones hinterher, um "mit möglichst vielen Original-Musikern" Stones-Hits mit Mundart-Texten einzuspielen.

Ron Wood und Darryl Jones hatte er schon, für München hatte er nun Bobby Keys überredet, der etwa das Solo bei "Brown Sugar" gespielt hatte. So besorgte Silber einen Kasten Bier und eine Flasche Wodka, der Gast trank allerdings nur Überkinger und unterschrieb auf einer angebrochenen Flasche Bier. Was seine Dienste denn kosten würden, fragte der Österreicher nach getaner Arbeit? Nichts, meinte Silber, es wäre aber toll, wenn Keys ein Solo auf dem Album der Münchner Band Into Deep von C. B. Green spielen könnte, die Silber betreute. "Okay, lass mal reinhören", sagte der Amerikaner, fand's gut und spielte. "Stones-Musiker unterstützt Münchner Newcomer", war dann in der Presse zu lesen. Die Mundart-Platte dagegen ist nie erschienen.

Hans Schulz, Zirkus-Vermieter

Erst Hans Schulz machte München zur Stones-Stadt. 1963 fragte die Zirkusfamilie Sembach ihren Buchhalter, ob er die Manege während der vorstellungsfreien Zeit im Sommer vermieten könne, für Konzerte etwa. "Klar, mache ich", sagte Schulz. "Ich hatte aber keine Ahnung", sagt er heute, mit 87 immer noch ehrenamtlicher Buchprüfer im Zirkus. Das Kommunalreferat wollte erst gar keine Konzerte, erlaubte ihm dann eine kleine Bühne im Foyer. "Ich habe ihnen Meter um Meter abgerungen", schildert Schulz seinen Kampf.

1965 bot ihm dann der Nürnberger Konzertveranstalter Karl Buchmann die Bravo-Blitz-Tour der Stones an. "So etwas hatte es noch nicht in München gegeben, das war die kommende Supergroup", sagt Schulz, damals selbst schwer begeistert. Obwohl Buchmann 14 000 Mark ans Finanzamt nachzahlen musste, weil das befand, der Auftritt sei kein Konzert gewesen, sondern nur eine "Ballung schriller Töne", war es für die Anwesenden freilich ein unvergessliches Erlebnis. Für die jeweils 3000 Besucher der beiden Konzerte am 14. September 1965, aber auch für Hans Schulz.

Theo Crash Rolling Stones

Theo, logisch: Der Discjockey Theo Crash stand von Anfang an auf die Stones, wie er hier mit einer Inszenierung ihres Logos beweist, die sich gewaschen hat.

(Foto: Theo Crash)

Der hatte der jungen Band noch ein paar Strahler vom Haus geliehen, weil die sagten: "Beleuchtung? Haben wir nicht." Mit Mick & Co. selbst hatte er keinen Kontakt, "die Bengels waren abgeschirmt", und "durch all die Engländer" wollte er sich nicht in die Umkleide durchfragen. Er war froh, dass die Zuschauer "brav auf ihren Sitzen hocken blieben", kurz darauf zerlegten die Berliner Fans die Waldbühne. Vom Konzert erinnert er sich noch gern an "The Last Time", das war "ein Ohrwurm damals". Auch den Rolling Stones scheint der Auftritt gefallen zu haben - als sie 2003 nach München kamen, wollten sie unbedingt wieder im Circus Krone spielen.