Restaurante Bruno Ein Italiener für die ganze Familie

Die Location im Dreimühlenviertel ist schicker als zu Bistro-Zeiten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bruno Antonio kocht auch nach seinem Umzug ins Dreimühlenviertel das, was er am besten kann: klassische italienische Küche von solider, bisweilen sogar hoher Qualität.

Von Pep Rooney

Als Bruno Antonio mit seinem Lokal Anfang des Jahres vom Glockenbach- ins Dreimühlenviertel zog, änderte er manches, aber nicht alles. Mit dem Namen fing er schon mal an, aus Brunos Bistro, das 25 Jahre lang an der Pestalozzistraße seine Heimat hatte, wurde das Restaurante Bruno. Jetzt, in der Dreimühlenstraße 30, ist alles einen Tick schöner: Die Einrichtung und Farbgebung des Lokals, die er zum Teil vom Vorgängerlokal übernommen hat, ist moderner und stilvoller als zu Bistrozeiten, dazu kommt eine großzügige Freifläche.

Kulinarisch hat sich wenig geändert: Das Restaurante setzt weiterhin auf klassische italienische Küche, wie man sie halt so kennt. Das muss ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, es soll ja Leute geben, die essen beim "Italiener" nie etwas anderes als Pizza oder Rigatoni all'arrabbiata. So was braucht's vermutlich auch, aber als das Bruno im Februar eröffnete, dachte man sich schon: Braucht's das wirklich? Denn eine Karte wie diese findet man auch in 400 anderen italienischen Lokalen in München. Aber gut: Es kommt immer darauf an, was man daraus macht, wie man es präsentiert und was man ansonsten auf die Tageskarte schreibt.

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Fangen wir mit Letzterer an: Die Linguine mit Vongole (15,50 Euro) waren absolut überzeugend, frischer bekommt man sie etwa an der Amalfi-Küste auch nicht unbedingt, noch dazu reichte die Portion auch als Hauptmahlzeit. Angetan waren die Testesser auch von den (nicht sonderlich üppig portionierten) mit Trüffeln gefüllten Steinpilzravioli in Salbeibutter (19,50) oder den mit Salsiccia gefüllten Ravioli, ebenfalls in Salbeibutter (16,50).

Brunos Vorspeisenteller (18,50) mit kleinen Miniportiönchen (caprese, vitello tonnato, gebratene Pilzen und Lachs sowie Meeresfrüchte) bot ein gelungenes Potpourri mit Kleinigkeiten aus verschiedenen italienischen Regionen. Die Tagliatelle mit schwarzen Norciatrüffeln (22,50) kamen wie die anderen probierten Trüffelgerichte gut an, weil das Aroma des Edelpilzes stets angenehm dezent blieb und nicht, wie leider schon oft erlebt, einen aufdringlichem Trüffelöl-Overkill boten.

Empfehlenswert ist auch das Steak, also die Tagliata vom Rind mit Rucola und Parmesan, die genau richtig medium auf den Tisch kam, mit würzigem Grillaroma und dem gebratenen Gemüse als Beilage (24,50). Freilich hatten wir bei unseren Besuchen auch Pizza. Die Pizzen aus dem Holzofen, so viel sei gesagt, sind in Ordnung und brauchen den Vergleich mit anderen Lokalen nicht zu scheuen, auch nicht was den Preis betrifft: Sie kosten von acht Euro aufwärts.

Dass ausgerechnet die Klassiker von der regulären Karte etwas enttäuschten, mag vielleicht daran liegen, dass man es schon so oft im Restaurant hatte, so oft selbst gekocht hat, dass man wohl gar nicht zufrieden sein kann. Wir fanden, dass das Rindercarpaccio für unseren Geschmack ruhig hätte etwas feiner geschnitten sein dürfen (11,50), für die Carbonara (8,90) auch weniger Sahne gereicht hätte, die Spaghetti Bolognese (8,50) ein wenig langweilig waren und die Saltimbocca alla Romana (16,90) schlicht und ergreifend zu schwach angebraten war, und so ein wenig lätschert schmeckte. Bei einem so einfachen, da nur von guten Zutaten abhängigen Gericht ist das wohl mangelnder Sorgfalt geschuldet. Denn solche Ausfälle waren wir vom Bruno nicht gewohnt.

Eines Abends, der Kellner war besonders gut gelaunt, ließen wir ebendiesem freie Hand, was die Speisenauswahl betraf. Und wir wurden belohnt: Der frische Fisch aus der Theke, am Tisch filetiert und mit Gemüse und gebratenen Austernpilzen serviert, war in seiner Einfachheit und den natürlichen Aromen ein echtes Erlebnis, wie wir uns das oft erhoffen, aber nur selten so gut bekommen. 81 Euro für eine riesige Viererportion mit Steinbutt und Dorade mag sich viel anhören, aber das war's wert. Vorher ließen wir uns gerne eine schön cremige Parmigiana di melanzane (24 Euro für drei) aufschwatzen. Dass die Preise nicht immer so gut nachvollziehbar waren, interessierte spätestens nach Panna Cotta, Crème brûlée (jeweils 5,50) und ein paar Gläsern Amaro (Averna oder Ramazotti je 3,50) nicht mehr so sehr.

Insgesamt macht es Spaß, bei Bruno einzukehren. Der Service ist familiär, und nur selten muss man etwas länger warten. Freilich muss niemand nun extra aus Grünwald oder sonstwo in der Umgebung wegen diesem "Italiener am Eck" ins Dreimühlenviertel kommen. Der Nachbarschaft kommt das neue Lokal aber zugute. Man kann dem Wirt und seiner Familie nur wünschen, dass diese schwierige Location (durchschnittliche Lebensdauer eines Restaurants an dieser Stelle in den letzten zehn Jahren: 1,7 Jahre) sich nicht auch für das Bruno als Schleudersitz erweist.