München:Rammstein-Konzert auf der Theresienwiese abgesagt

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München: Till Lindemann wird mit Rammstein nun doch nicht an Silvester auf der Münchner Theresienwiese auftreten.

Till Lindemann wird mit Rammstein nun doch nicht an Silvester auf der Münchner Theresienwiese auftreten.

(Foto: Gonzales Photo/Imago)

Zu wenig Zeit: Veranstalter Klaus Leutgeb gibt seine Pläne für einen Auftritt der Metal-Band an Silvester vor 145 000 Zuschauern auf. Im Rathaus streiten die Parteien, wer schuld ist an dem Rückzug.

Von Heiner Effern

Zwei Sätze, ein paar dürren Zeilen, darunter als Signatur "Der Veranstalter, Klaus Leutgeb", mehr brauchte es nicht, um das Silvester-Konzert von Rammstein in München abzusagen. "Der Veranstalter und die Behörden haben sich einvernehmlich darauf verständigt, dass die verbleibende Zeit bis zum 31.12.2022 nicht ausreicht, um ein Konzert in dieser Größenordnung sicher durchführen zu können", erklärte der Agenturchef aus Graz am Dienstag in einer Stellungnahme. Eine solche Veranstaltung müsste für alle Beteiligten funktionieren, "weshalb ich als Veranstalter aus Gründen der Vernunft entschieden habe, das geplante Vorhaben zu beenden". Die Worte einvernehmlich und Vernunft waren in Großbuchstaben geschrieben.

Es wird also nichts mit dem Riesenkonzert vor 145 000 Zuschauern auf der Theresienwiese. Diese Entscheidung einvernehmlich und im Sinne der Vernunft getroffen zu haben, diese Botschaft war Leutgeb offensichtlich wichtig. Nach Informationen der SZ hatte es am Vormittag eine Videokonferenz mit den Genehmigungsbehörden und einigen Stadträten gegeben. Dort wurden noch einmal die Ansprüche von Seiten der Verwaltung dargelegt. Die Hürden sollen Leutgeb zu hoch gewesen sein. Die Absage kommt auch wegen des kurzen Zeitraums für die Planung nicht völlig überraschend, der Zeitpunkt schon: Vor nicht einmal einer Woche erst hatte der Stadtrat beschlossen, Leutgeb die Theresienwiese für das Großkonzert zu vermieten.

Im Kreisverwaltungsreferat zeigte man sich verwundert über den schnellen Entschluss des Veranstalters. Man habe keine neuen Hürden aufgebaut, sondern sei davon ausgegangen, dass nun die Vorbereitung beginne und die nötigen Punkte "Schritt für Schritt" abgearbeitet würden, sagte ein Sprecher. So habe man es auch bei den Großkonzerten von Andreas Gabalier (6. August), Helene Fischer (20. August) und Robbie Williams (27. August) auf dem Messegelände gehalten, die ebenfalls Leutgeb veranstaltet. Dort habe ein langer und nachhaltiger Austausch zwischen Organisator und Behörde stattgefunden. "Genauso hatten wir es bei Rammstein geplant."

Schon im Vorfeld der Stadtratssitzung hatten Kreisverwaltungsreferat und Polizei erklärt, dass ein solcher Auftritt in nur viereinhalb Monaten kaum zu organisieren sein dürfte. Zudem hatten sie Leutgebs Sicherheitskonzept für die aktuellen Konzerte auf dem Messegelände in Riem als nicht befriedigend bezeichnet. Trotzdem ließ er seine Pläne für Silvester von Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) vorantreiben. Dieser hatte das angestrebte Konzert als einen enormen Gewinn für den Tourismus und als weltweites Marketing für die Stadt bezeichnet. Nun findet er die Absage "höchst bedauerlich". München gehe ein Riesenwerbewert verloren.

Die CSU attackiert die neue Kreisverwaltungsreferentin

Die Konzertpläne hatten für hitzige politische Diskussionen im Stadtrat gesorgt. Die Grünen hatten sich von Anfang gegen einen Auftritt von Rammstein an Silvester ausgesprochen, weil sie es für schlicht nicht möglich hielten, so schnell ein passendes Konzept zu erarbeiten. "Wir hatten diese Bedenken, die nun auch der Veranstalter äußert. Das bestätigt uns in unserer Haltung", sagte Fraktionschef Dominik Krause. Doch SPD, CSU und die FDP überstimmten seine Parteikollegen und gaben die Theresienwiese für das Konzert frei. Die Stimmung zwischen den Koalitionspartnern war spürbar angespannt in der Sitzung am vergangenen Mittwoch.

Auch nach der Absage geht der Zwist im Stadtrat weiter, allerdings nur an einer Front. Die CSU macht die neue Kreisverwaltungsreferentin der Grünen, Hanna Sammüller-Gradl, für das Scheitern der Konzertpläne verantwortlich. Diese habe signalisiert, dass der Veranstalter bei der Ausarbeitung der Konzepte keine Hilfe von der Behörde erhalten werde. "Das ist ein Stilbruch im Vergleich zu den Vorgängern", griff CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl die Referentin an. Dazu sei der Veranstalter als unzuverlässig desavouiert worden.

Die Grünen ließen den Angriff auf ihre neue KVR-Chefin nicht auf sich sitzen und warfen der CSU eine Instrumentalisierung des Konzerts vor. Diese sollte erst mal einem "Realitätsabgleich" einlegen, bevor sie eine Sau durchs Dorf triebe - wohlwissend, dass sie mit unrealistischen Vorstellungen vielen Menschen Hoffnung machte, die nun enttäuscht seien. Die Vorwürfe gegen Sammüller-Gradl, die lediglich den rechtlichen Rahmen dargelegt habe, seien "absurd und hanebüchen". Der Koalitionspartner SPD äußerte sich enttäuscht über die Absage, wolle aber "niemanden den Schwarzen Peter zuschieben", sagte Stadtrat Christian Vorländer.

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