Rammstein-Konzert an Silvester:Das KVR will nur prüfen, nicht beraten

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Rammstein-Konzert an Silvester: Großer Aufwand, große Wirkung: Konzerte der Band Rammstein - hier im Juni in Aarhus - stellen alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen.

Großer Aufwand, große Wirkung: Konzerte der Band Rammstein - hier im Juni in Aarhus - stellen alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen.

(Foto: Sebastian Dammark/imago)

Das Kreisverwaltungsreferat will sich nicht am Sicherheits- und Verkehrskonzept für das geplante Konzert von Rammstein auf der Theresienwiese beteiligen, der Veranstalter sei am Zug. Der will erstmal mit der Polizei sprechen.

Von Heiner Effern

Die Uhr tickt für das geplante Silvester-Konzert der Band Rammstein auf der Theresienwiese. Jeder Tag dürfte zählen, um den Auftritt vor den angepeilten 145 000 Besuchern so hinzubekommen, dass er letztlich auch genehmigt wird. Die Rahmenbedingungen seien klar umrissen und bekannt, sagt Hanna Sammüller-Gradl, Chefin des zuständigen Kreisverwaltungsreferats (KVR). "Wir kennen den Veranstalter schon, er kennt unsere Anforderungen." Über allem steht das Sicherheitskonzept, enthalten sein muss darin auch ein schlüssiges Szenario für den Verkehr und den Ordnungsdienst. Daneben muss für ein Konzert immer auch ein Konzept für die Lärmbelastung vorgelegt werden.

Der Veranstalter Klaus Leutgeb, dem der Münchner Stadtrat am Mittwoch die Vermietung der Theresienwiese für das Rammstein-Konzert zugesagt hatte, will sich zu seinem weiteren Vorgehen erst äußern, wenn er ein erstes Gespräch mit der Stadt, dem KVR und der Polizei geführt hat. Eines stellte KVR-Chefin Sammüller-Gradl aber schon vorher klar: Der Idee aus der letzten Stadtratssitzung, dass ihre Behörde wegen der extrem kurzen Vorbereitungszeit mit dem Veranstalter gemeinsam die Konzepte erarbeiten und vorlegen könne, muss sie eine Absage erteilen. "Wir sind die Genehmigungsbehörde. Das wäre fehl am Platz."

Aufgabe des Kreisverwaltungsreferats sei es abzuwarten, bis ein Antrag kommt und diesen dann auf Plausibilität zu überprüfen. "Beraten können wir nur begrenzt", sagt Hanna Sammüller-Gradl. Wenn das KVR selbst am Konzept mitwirken würde, müsste es sich selbst überprüfen. Das entspricht nicht der Vorstellung der neuen Chefin, wie eine neutrale Behörde objektiv prüft, ob eine Veranstaltung ausreichend sicher und rechtlich einwandfrei organisiert ist.

Veranstalter Klaus Leutgeb erlebt gerade, wie es sich gestaltet, wenn er in München ein Konzert in bisher nicht bekannter Dimension durchführt. Auf dem Messegelände in Riem organisierte er am 6. August den Auftritt von Andreas Gabalier vor 83 000 Zuschauern. Am 20. August folgt Helene Fischer, eine Woche später Robbie Williams. Die Marke von 100 000 Zuschauern soll fallen. Leutgeb habe gerade die Möglichkeit, "zu schauen, wie man neue Veranstaltungen auf einem neuen Gelände umsetzt", sagte die KVR-Chefin. Diesmal auf der Messe, am 31. Dezember soll es die Theresienwiese sein.

Ihre Behörde und die Polizei zeigten sich bereits vor dem Beschluss im Stadtrat erstaunt bis ungläubig, wie Leutgeb das Riesenkonzert von Rammstein in so kurzer Zeit organisieren will. In den Stellungnahmen hieß es, für die Messe habe er elf Monate Vorlauf gehabt und ein Konzept geliefert, das keinesfalls zufriedenstellend gewesen sei. Die Polizei sah "erhebliche Defizite". Diese sind dem Vernehmen nach extrem kurzfristig gerade noch behoben worden.

Die weiteren beiden Veranstaltungen sieht Kreisverwaltungsreferentin Sammüller-Gradl auch als einen Probelauf für die Theresienwiese an. Ihr Haus hält laut Stellungnahme für den Stadtrat die verbleibende Zeit bis Silvester für viel zu knapp bemessen. Nun ist es an Leutgeb, das Gegenteil zu beweisen.

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